9. Mai 2016

Fahrbericht Premium-SUV für 90.000 Euro Audi SQ7: Ein Sumo macht auf Usain Bolt

Der Audi SQ7 hat 435 PS. Fotos ▶
Der Audi SQ7 hat 435 PS. © Audi

Audi bietet nun auch vom Q7 ein S-Modell an: Es wartet mit einem 435 PS starken V8-TDI-Motor und einem satten Drehmoment von 900 Nm auf. Doch dieser Premium-SUV überzeugt nicht nur mit seiner Leistung.




Von Frank Mertens

Es ist lange her, dass Audi seinen Markenclaim "Vorsprung durch Technik" mit einem entsprechenden Modell mal wieder gerecht wurde. Doch jetzt kommen die Ingolstädter ihrem eigenen hohen Anspruch doch wieder etwas näher. Dafür sorgt der neue Audi SQ7 - ein Highperformance-SUV mit einem neu entwickelten V8-Dieselmotor mit einer Leistung von 435 PS und einem satten Drehmoment von 900 Newtonmetern. Das sei Benchmark im Segment, sagt der Technische Projektleiter des SQ7, Klaus Bugelnig, zufrieden.

Doch warum muss es sein, dass man ein Trumm von Auto wie dem Q7 auch noch eine Sportversion verpasst? Bislang kam man auch ganz gut ohne aus. Weil der Kunde es will, sagen die Ingolstädter. Das heißt was? Wieviel Prozent des Absatzes sollen in der Baureihe auf den SQ7 entfallen? Berechtigte Frage, leider gibt es dazu keine Antwort, zumindest keine befriedigende. "Zum Absatz sagen wir grundsätzlich nichts", heißt es stereotyp.


Basispreis 89.900 Euro

Nun gut, belassen wir es dabei und gehen davon aus, dass der SQ7 ausreichend Kunden anspricht, die über das nötige Kleingeld verfügen, sich ein Auto zu kaufen, dessen Basispreis bei selbstbewussten 89.900 Euro beginnt. Darin, so schiebt man bei Audi schnell hinterher, sei indes bereits Ausstattung im Gegenwert von rund 10.000 Euro enthalten. Der Schreck über den Einstiegspreis wird dadurch aber nicht sehr gelindert.

Das 48-Volt-Bordnetz
Das 48-Volt-Bordnetz © AG/Mertens

Doch wer zufällig so viel Geld für ein SUV übrig hat, der bekommt auch etwas für sein Geld - und das mit Wow-Effekt. Denn wenn man erst einmal die Beschleunigung in diesem 2,27 Tonnen Schwergewicht erlebt hat, kann man sich der Faszination nicht entziehen, wenn man sich denn eine gewisse Affinität zum Auto zu Gute hält und SUVs nicht per se als Spritschleudern verteufelt. Mit einem Gewicht von deutlich über zwei Tonnen in gerade einmal 4,8 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen - und das ohne Zugkraftunterbrechung - das hat was und begeistert nicht nur sportlich ambitionierte Fahrer. Dass dem so ist, dafür sorgt ein elektrisch angetriebener Verdichter (EAV). "Damit gehört das Turboloch der Vergangenheit an", sagt Bugelnig.



Dieser EAV sorgt dafür, dass der V8 sein Drehmoment bereits ab gerade einmal 1000 Touren zur Verfügung stellt. Die elektrische Leistung dafür schöpft der Verdichter aus einem 48 Volt-Bordnetz, das erstmals in einem Audi zum Einsatz kommt. "Es stellt eine Peakleistung von 13 Kilowatt bereit. Untergebracht ist das System mit seinen Lithium-Ionen-Batterien unter dem Gepäckraum und ebnet Audi auch den Weg in die Zukunft. So ist das 48-Volt-Bordnetz in der Lage, auch zukünftige Technologien wie das autonome Fahren mit Strom zu versorgen.

Zweistelliger Verbrauch

Ach ja, was verbraucht dieser SQ7? Audi gibt 7,2 Liter auf 100 Kilometer an, bei den Testfahrten waren es bei flotter Fahrweise knapp zehn Liter. Doch wer dieses Dickschiff human bewegt und sich auf der Autobahn mit 100 km/h bewegt, der kommt durchaus in den Bereich dieses NEFZ-Wertes - immerhin. Doch wer kauft sich schon so ein Geschoss, um damit nur 100 km/h zu fahren? Genau, mit ihm will man es auch mal so richtig krachen lassen. Nicht nur wegen der Leistung des V8 ist das möglich.

Denn ein Auto mit dieser hochbauenden Karosserie neigt bekanntlich zu Wankneigungen. Bei dem Audi SQ7 ist davon indes so gut wie gar nichts zu spüren. Der elektromechanisch aktive Wankstabilisierung (EAWS) sorgt dafür, dass dieses SUV souverän auf der Straße liegt.

Das Heck des SQ7
Das Heck des SQ7 © Audi

Wer den SQ7 von außen sieht, der mag es kaum glauben, dass eine solche Fahrdynamik trotz serienmäßigen Allradantriebs mit ihm möglich ist. Die fast 2,3 Tonnen dieses Audi sind schnell vergessen. Das vom Zulieferer Schaeffler kommende EAWS verhindert in Millisekunden, dass sich die Karosserie zur Seite neigt. Dabei kommt das System ohne Öl aus, ist damit wartungsfrei.

Wie gesagt: Man muss SUV nicht mögen, Autos wie den SQ7 als Anachronismus auf Rädern sehen, doch dem Team von Bugelnig kann man bescheinigen, hier ein überzeugendes Auto auf die Räder gestellt zu haben. Sie haben einem Sumo die Athletik eines Usain Bolt verpasst. Das muss man erst einmal hinbekommen. Doch für diesen Preis, der mit einigen Extras wie beispielsweise Keramikbremsen locker über 100.000 Euro kommt, kann man auch einiges erwarten. Kritiker eines solchen Autos können dann auch beruhigt sein. Mit diesem Preis wird der Absatz überschaubar bleiben. Oder doch nicht? Sorry, aber dazu sagt man bei Audi ja nichts.






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