2. Januar 2017

Fahrbericht Sportliche Limousine mit 354 PS Audi S4: Tiger auf Samtpfoten

Der Audi S4 hält nichts von optischen Muskelspielen
Der Audi S4 hält nichts von optischen Muskelspielen © Audi

Der S4 von Audi verbirgt seine sportlichen Attitüden hinter einem wenig mutigen Design. Doch die sportliche Limousine der A4-Familie kann halt auch mehr als nur Gas geben.




Das häufig beschworene Bild vom „Sportler im Maßanzug“ ist zugegeben ein wenig abgedroschen. Aber es passt trotzdem haargenau auf diesen Testwagen: Der Audi S4 ist zwar erst 2016 auf den Markt gekommen, wirkt aber wie ein alter Bekannter. Kein Wunder, gilt das gleiche doch auch für die bürgerliche Ingolstädter Mittelklasse insgesamt, also den A4 in all seinen Varianten.

Diese Modelle wurden 2015 vorgestellt, erhielten viel Lob für ihre Verarbeitung, den Komfort und die Laufruhe, mussten aber auch Kritik einstecken, und die bezog sich fast immer auf das zwar elegante, vielleicht auch zeitlose, letztlich aber wenig mutige Design. Bösartig interpretiert könnte das heißen: Der A4 ist ein wenig langweilig.


Audi RS4 in der Pipeline

Für das derzeitige Spitzenmodell der Baureihe, den S4 gilt das vielleicht ebenso. „Derzeitig“ übrigens deshalb, weil ein noch stärkerer RS4 mit um die 500 PS ja in Vorbereitung ist, aber erst im Laufe des nächsten Jahres in den Handel kommt. Aber zurück zum S4, dessen optische Bescheidenheit fast schon zu weit geht und der sich auf den ersten Blick kaum von der normalen Limousine unterscheidet. Das ändert sich allerdings, wenn man den Motor startet und der nagelneue Sechszylinder die Arbeit aufnimmt. Denn das Dreiliter-Aggregat, unterstützt von einem Turbolader und nicht wie beim Vorgänger „nur“ von einem Kompressor, macht sofort Dampf.

Das liegt auch an der vorzüglichen Achtgang-Automatik aus dem Hause ZF, deren erste Stufen kurz und knackig übersetzt sind, dagegen die höheren länger, was auf etwa auf der Autobahn dem Verbrauch zu Gute kommt. Die angegebenen siebeneinhalb Liter sind natürlich illusionär, aber wir waren – auch wenn es vielleicht etwas komisch klingt – mit unseren elf Litern Durchschnittsverbrauch gar nicht so unzufrieden. Schließlich wollte der S4 getestet werden, entsprechend hoch war der Anteil dynamisch gefahrener Abschnitte. Im Alltag wird man wohl mit neun bis 10 Litern auskommen, angesichts von 354 PS unter der Haube wahrlich kein schlechter Wert.

Audi S4 voll alltagstauglich

Der Kofferraum des Audi S4 fasst 480 Liter
Der Kofferraum des Audi S4 fasst 480 Liter © Audi

Zwei Dinge überzeugten uns an diesem Fahrzeug im Alltag am meisten. Die dank leicht hecklastig ausgelegten permanenten Allradantriebs unerbittliche Präzision des S4, sowohl in Kurven als auch beim Geradeauslauf, sowie der gleichzeitig überraschend hohe Komfort trotz aufgezogenen 19-Zoll-Rädern.

Im Vergleich zu anderen, ähnlich motorisierten Kalibern in dieser Klasse – nennen wir als Beispiel mal den Volvo S60 Polestar – ist der S4 geradezu ein Tiger auf Samtpfoten. Was nun wiederum Fahrer von der Sorte „ich will für mein Geld unverfälschte, sportliche Härte“ eher wieder abstoßen könnte. Der Audi hat aber weder in Sachen Optik noch Härte solche Muskelprotzereien nötig und ist daher ein echtes Alltagsauto. Natürlich nicht zuletzt auch deshalb, weil man zwei Erwachsene auch hinten gut mitreisen lassen kann und der Kofferraum großzügige 480 Liter Gepäck fasst. Eben wie bei den A4-Modellen.

Exzellente Verarbeitung im Audi S4

Kühle Eleganz im Cockpit des Audi S4
Kühle Eleganz im Cockpit des Audi S4 © Audi

Kaum zu unterscheiden vom A4 ist auch der Innenraum des S4. Passend zum zurückhaltenden Äußeren, geht es auch innen einfach typisch Audi zu. Es herrscht eine kühle Eleganz vor, die man auch als steril empfinden mag, dafür ist die Bedienung narrensicher und die Verarbeitung einfach nur exzellent. Aber das sind wir von den Ingolstädtern ja gewohnt. Der in die heilige Halle eindringende Sound ist allerdings künstlich komponiert und überzeugt nicht wirklich. Wer vor, neben oder hinter dem S4 steht, hört noch weniger „Musik“, was aber wiederum viele Menschen als wohltuend empfinden könnten.

Der S4 trägt seinen Nerz also nach innen, um hier ein weiteres gern genommenes Bild zu strapazieren. Aber auch das trifft in diesem Fall halt zu. Der S4 kann alles, was eine Sportlimousine in der Praxis können muss. Er ist dynamisch, schnell, präzise und ausreichend sparsam, hält für seine Passagiere aber viel Platz und noch mehr Komfort vor. Tatsächlich also eine fast perfekte und dazu noch perfekt verarbeitete Business-Sportlimousine. 59.300 Euro steht auf dem Preisschild des Basisangebots, 75.000 Euro sollte veranschlagen, wer auf die wirklich wichtigen und einige weniger wichtige Extras nicht verzichten will. Na ja, ein Maßanzug eben, und der hat nun mal seinen Preis. (SP-X)






Mehr zur Marke Audi

Serienstart des Gran Turismo ab 2019E-Tron Sportback Concept: Audis zweiter Stromer

Audi präsentiert auf der Automesse in Shanghai das zweite reine Elektroauto des Unternehmens. Wie schon beim SUV-Stromer vergeht auch beim Gran Turismo noch einige Zeit bis zur Serienreife.


Chinesischer Markt beeinflusst erstes QuartalAudi fällt im Premium-Dreikampf zurück

Die sinkenden Verkaufszahlen auf dem chinesischen Markt haben Audi die Bilanz des ersten Quartals verhagelt. Neue Modelle sollen in den kommenden Monaten für eine Trendumkehr sorgen.


Auf 200 Einheiten limitiertAudi bringt beim R8 Farbe ins Spiel

Audi trägt den Erfolgen im Kundensport Rechnung. Dem GT3-Modell stellt der sportliche Ableger der Ingolstädter nun auch eine limitierte Serienvariante zur Seite.



Mehr aus dem Ressort

Der Seat Leon gibt sich sportlich und sparsam zugleich
Kompakter mit ZylinderabschaltungSeat Leon 1.4 TSI ACT: Streicheleinheiten für den spanischen Löwen

Der Seat Leon spendet als sportliche Alternative des VW Golf mit dem 1.4 TSI und Zylinderabschaltung eine Menge Fahrspaß. Die Farbe Lila ist dagegen im Vergleich zu früheren Botschaften verblasst - trotz edlem Auftritts.


Mercedes GLE Coupe neu Aufmacher AG/Mertens
Kein Auto für die StadtMercedes GLE Coupé: Ein großes Missverständnis

Es gibt Autos, mit denen wird man persönlich nicht warm. Man versucht es, man bemüht sich, doch letztlich scheitert man. Das kommt ziemlich selten vor, doch beim Mercedes GLE Coupé war das der Fall. Warum? Lesen Sie unseren Fahrbericht


Der Opel Ampera-e ist der Reichweiten-Champion der Elektroautos
Geringe Verfügbarkeit des ElektroautosOpel Ampera-e: Dynamischer Reichweiten-Champion

Die Angst vor fehlender Reichweite hat Opel mit dem neuen Ampera-e zu den Akten gelegt. Dafür bauen sich andere Hürden auf, die der Stromer-Champion überwinden muss, damit sich das Straßenbild auch mit dem Fünfsitzer füllt.