15. April 2015

Fahrbericht Sieben PS mehr als Mercedes A45 AMG Audi RS3 Sportback: Stärkster Kompakt-Sportler

Der Audi RS3 Sportback betört nicht nur durch sein kehliges Röcheln.
Der Audi RS3 Sportback betört nicht nur durch sein kehliges Röcheln. © Audi

Äußerlich betrachtet kann man die 367 PS des Audi RS3 Sportback kaum erkennen. Doch schon mit dem ersten Gasstoß tritt die Gänsehaut hervor.




Nein, diesen Klang vergessen Liebhaber schneller Sportler nicht. Gegen dieses Geräusch kann sich die empfindliche Gänsehaut nicht wehren. Ein kehliges Röcheln aus zwei Auspuffrohren, produziert aus einem Fünfzylinder.


Audi RS3 Sportback als Prunkstück der 3er-Reihe

Der RS3 Sportback ist der Kleinste aus dem RS-Portfolio und das Prunkstück der 3er-Reihe. In ihm steckt der stärkste Fünfzylinder, den Audi je in einem RS verbaut hat. Das Aggregat schöpft aus 2,5 Litern Hubraum 270 kW/367 PS. Damit setzt er einen neuen Bestwert im Segment der Kompaktsportler, dem sich auch der Mercedes A45 AMG (360 PS) geschlagen geben muss. Seat Leon Cupra (206 kW/230 PS), VW Golf R (221 kW/300 PS) oder auch die bald erscheinende Neuauflage des Ford Focus RS (235 kW/320 PS) würden dem Ingolstädter im Autoquartett in Sachen Leistung ebenfalls unterliegen.

Starke Fünfzylinder haben bereits Tradition unter den Vier Ringen. Nicht nur das erste RS-Modell – der RS2 von 1994 – hatte einen solchen Motor. Bereits in den 80er Jahren trieben sie Rallyeautos, Tourenwagen und Serienmodelle an. Sein Comeback gab der Fünfzylinder 2009 im Audi TT RS, 2011 trieb er den ersten RS3 Sportback an, der lediglich 1,5 Jahre auf dem Markt war. In den RS Q3 zog er 2013 ein.

Audi RS3 Sportback ohne künstlichen Sound

Der Audi RS3 ist nur als Sportback erhältlich
Der Audi RS3 ist nur als Sportback erhältlich © Audi

Logisch, dass auch eine neue Ausbaustufe des aufgeladenen Fünfzylinders die zweite Generation des RS3 Sportback antreibt und dort viel Spaß bereitet. Startet man den Motor, macht er sich sofort mit hungrigem Grollen bemerkbar. Tritt man aufs Gas, zieht der Audi kräftig nach vorne, drückt alle Insassen in die gesteppten Sitze und zaubert dem Fahrer ein Grinsen ins Gesicht. Das Aggregat hämmert derart euphorisierend, dass es die Unterarmhärchen zu einer spontanen La-Ola-Welle anregt. Übrigens: Das Singen der fünf Zylinder ist nicht künstlich komponiert.

Seine Potenz ist auch im unteren Drehzahlenbereich gut spürbar. Ohne Gedenksekunden und ohne Mühe gibt es für den ausschließlich als Sportback erhältlichen RS3 nur eine Richtung. Wie ein wilder Hund an der Leine nimmt er keine Rücksicht und drängt sich vor. Anders als unerzogene Tiere lässt sich der Kompakte allerdings gut beherrschen und reagiert auf Befehle, die im Fall einer gewünschten Richtungsänderung von dem halb mit Alcantara bezogenen Sport-Lenkrad stammen.

Audi RS3 Sportback mit Bremsenneuheit

8,1 Liter Verbrauch sind beim Audi RS3 Sportback im Alltag nicht zu stemmen
8,1 Liter Verbrauch sind beim Audi RS3 Sportback im Alltag nicht zu stemmen © Audi

Die Kraft des Fünfzylinders leitet immer eine Siebengang-Automatik an alle vier Räder, sie kann optional auch über Schaltpaddels am Lenkrad manuell bedient werden. Zur Zähmung hat der RS3 eine überzeugende Bremsanlage. Schon bei sanften Berührungen beißt sie zu. Auf Wunsch und für einige Euros mehr sind die Bremsscheiben auch aus Kohlefaser-Keramik bestellbar – laut Hersteller eine Neuheit in der Kompaktklasse. So fühlt der Fahrer sich wie Superman – superstark und mit voller Kontrolle. Doch nicht mit voller Übersicht, denn wie auch beim Comic-Helden die Sicht nach hinten durch sein wehendes Cape gestört werden kann, sieht man auch beim Audi durch den engen Rückspiegel eher schlecht.

Was hinter ihm passiert, interessiert ihn nicht. Nach 4,3 Sekunden ist mit Krawall Tempo 100 erreicht. Bei der Höchstgeschwindigkeit will er sich auch nicht von der Konkurrenz einholen lassen: Serienmäßig ist natürlich bei 250 km/h Schluss, wer jedoch neben dem Kaufpreis weitere 1500 Euro auf den Tisch legt, lässt die Elektronik erst bei Tempo 280 eingreifen. Den vom Hersteller angegebenen Normverbrauch über 8,1 Liter konnten wir nicht erreichen. Selbstverständlich hatte der Sportler bei einem kräftezehrenden Auftritt mehr Durst – rund 13 Liter wollte er haben.

Audi RS3 Sportback zum sportlichen Preis

Auch das Cockpit des Audi RS3 Sportback ist auf sportlich getrimmt
Auch das Cockpit des Audi RS3 Sportback ist auf sportlich getrimmt © Audi

Rund 55 Kilo hat der Sportback im Vergleich zu seinem Vorgänger abgespeckt und wiegt nun 1520 Kilogramm. Seine Muskeln hält der aktuellste Ringträger gut unter dem züchtigen Blechanzug versteckt. Vergrößerte seitliche Lufteinlässe, breitere Backen, Seitenschweller, eine zweiflutige Abgasablage am Heck und natürlich die RS-typischen Spiegelgehäuse und Aluminiumoptik unterscheiden den Boliden von seinen braveren Brüdern. Innen gibt es rote Akzente – beispielsweise am Gurt und Dekorelemente in Wagenfarbe. Sportsitze und Bezüge aus Alcantara sind Serie, zur Wahl stehen auch rund sieben Kilo leichtere Schalensitze.

Beim Preis wird es gewohnt exklusiv. Mindestens 52.700 Euro müssen für den RS3 Sportback überwiesen werden, wenn er ab Juni in den Handel kommt. Die Aufpreisliste lässt natürlich Platz nach oben. Viel Geld für ein Auto, das sportliche Ambitionen mit Familientauglichkeit verbinden will. Wer aber auf fünf Richtige setzt, wird sich den Spaß auch etwas kosten lassen. (SP-X)






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