2. August 2017

Fahrbericht SUVs boomen Audi Q5: Komfortabel und sportlich zugleich

Der Audi Q5 Fotos ▶
Der Audi Q5 © AG/Flehmer

Natürlich braucht in der der Stadt niemand einen SUV. Doch gekauft werden sie trotzdem. Wir haben den Audi Q5 getestet – und können durchaus verstehen, warum solche Autos beliebt sind.




Selbstverständlich braucht fast niemand ein SUV, um in Deutschland weitläufige Ländereien oder große Farmen zu befahren. Gekauft werden sie trotzdem und zwar weniger wegen der Neigung der Menschen, immer wieder vom Pfad der asphaltierten Tugend auf einen Waldweg auszubrechen, sondern weil ein SUV einfach bequem ist, mehr Platz bietet und zudem durch gute Übersicht über das Verkehrsgeschehen glänzt. Zudem vermitteln sie manchen Kunden auch ein trutzburghaftes Gefühl von Sicherheit im hektischen Verkehr.

Der SUV-Boom ist übrigens kein deutsches Phänomen. In der ganzen Welt werden massenhaft SUVs gekauft. Alleine in Deutschland entschieden sich im ersten Halbjahr mehr als 400.000 Menschen für ein solches Fahrzeug, 12.865 davon wählten einen Audi Q5. Wir wollten nachfahren, was zur Entscheidungsfindung beiträgt und orderten einen Q5 mit dem 142 kW/190 PS starken Vierzylinder als Testwagen.


Audi Q5 mit klaren Flächen

Der AudiQ5 der zweiten Generation sieht aus wie ein aktueller Audi eben aussieht: ziemlich klare Flächen, dynamisch, elegant und eine Spur sportiver als der Vorgänger. Optisch gibt es nichts zu meckern, viel klassischer kann man eine solche Form nicht gestalten. Überhaupt muss, wer den Q5 kritisieren will, schon ein wenig in den Krümeln suchen. Er ist ein ziemlich guter Vertreter der Gattung SUV in der 4,70-Meter-Mittelklasse.

Das fängt beim Platzangebot an. Nein, nicht dem fürs Gepäck, der ist klassenüblich immer großzügig, sondern dem für Fahrer und Passagiere. Man steigt bequem ein und sitzt auf typischen Audi-Gestühl erhaben und langstreckentauglich. Die Seitenwangen der Sitzauflage könnten für langbeinige Fahrer etwas flacher ausfallen, aber das ist auch nur ein Krümel der Kritik an dieser Stelle. Das Interieur ist auditypisch kühl und technisch gestaltet. Wer einmal das Prinzip der Tasten und Flächen zum Tatschen verstanden hat, kommt damit klar. Die Displays sind von höchster Güte, allerdings kommt uns das zentrale Display mit seinen verschiedenen Darstellungsoptionen ein wenig zu verspielt vor. Zu viele Informationen verwirren manchmal mehr als dass sie helfen. Die verschiedenen Touch-Funktionen vor dem Schalthebel des Siebengang-DSG-Getriebes haben wir nicht probiert. Die zählen auch eher zu den Spielformen des modernen Autolebens.

Gute Sprachsteuerung

Der Innenraum des Q5
Der Innenraum des Q5 © AG/Flehmer

Wichtiger scheint uns die Sprachsteuerung. Sie funktionierte zur Eingabe der Navigationsdaten oder zum Herstellen einer Telefonverbindung ziemlich gut, wenngleich je nach Grad der Außengeräusche und der eigenen Nuscheligkeit nicht immer hundertprozentig. Letzteres gilt auch für die Verkehrszeichenerkennung. Meistens kann man sich auf die Angabe verlassen, aber eben nicht immer.

Das nervt insbesondere dadurch, dass der Q5 versucht, den Fahrer zur ordnungsgemäßen Fahrweise zu erziehen und im, übrigens vorzüglichen, Headup-Display das Verkehrssymbol hektisch blinkt, weil man auf der Autobahn beispielsweise doch schneller fährt als die 80 km/h, die auf der Abbiegespur signalisiert und vom System als zulässige Geschwindigkeit interpretiert wurden. In Kombination mit dem adaptiven Tempomaten reduziert der Q5 vor Kurven oder Ortseinfahrten selbstständig das Tempo, um anschließend wieder auf das erlaubte Maß zu beschleunigen. Das klappt sehr gut.

Der Q5 kann schon viel alleine, aber man kann ihn auch aktiv bewegen. Der Diesel läuft sehr ruhig, hängt gut am Gas und verzieht auch bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn keine Miene. Wer längere Etappen freier Strecke mit mehr als 200 km/h absolvieren will, kann das, ohne dass irgendwo ein Gefühl von Anstrengung aufkäme. Das Fahrwerk bügelt in Normalstellung die üblichen Schlaglöcher bundesdeutscher Straßen weitgehend glatt. Dabei ist der TDI überraschen sparsam. Wer will, kann eine 5 vor dem Komma erzielen, eilige Hatz wird mit Durchschnittswerten um 7,5 Liter quittiert. Der Normwert liegt bei 5,3 Litern Diesel.

Spaßmacher auf der Straße

Damit kann man bestens leben, zumal der Q5 auf der Straße einfach Spaß macht. Schon allein, weil Audi inzwischen gelernt hat, ein Fahrwerk so abzustimmen, dass es komfortabel und sportlich ist, was bei SUVs keine ganz profane Sache ist. Nicht ganz auf dem Stand der Technik scheint uns das Siebengang-DSG-Getriebe zu sein. Die Wettbewerber aus München und Stuttgart nutzen 8- oder 9-stufige Wandlerautomaten, die etwas geschmeidiger agieren. Vor allem im Rangierbetrieb braucht der Q5 etwas länger, um zwischen Vorwärts und Rückwärts zu wechseln als unser Referenz-SUV aus Stuttgart.

Apropos Rückwärtsfahren. Natürlich hat Audi eine Rückfahrkamera eingebaut. Anders als bei VW oder Mercedes steckt die aber nicht unter einer ausfahrbaren Klappe und verschmutzt daher bei Regen. Das geht sicher beim nächsten Facelift besser.

Wie die Premium-Partner von Benz und BMW scheut Audi hohe Preise nicht. 47.000 Euro kostet die Basisversion des Q5 mit dem 190-PS-Vierzylinder. Durch reichliches Ankreuzen der Bestelloptionen kam unser Testwagen auf rund 70.000 Euro. Dabei blieb durchaus Platz für weitere Optionen wie vollelektrische Sitze beispielsweise. Die Kunden scheint die Preisgestaltung nicht zu stören. Mit etwas Abstand zum Mercedes GLC gehört der Q5 zu den Bestsellern im Segment. Und wer etwas mehr Auto haben will, zahlt eben auch etwas mehr dafür, in einem Premium-SUV zu reisen. (SP-X)






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