26. Mai 2014

Fahrbericht Mittelklasse-SUV aus Ingolstadt Audi Q3: VW mit Premium-Aufschlag

Der Audi Q3.
Der Audi Q3. © Audi

Der Audi Q3 ist kein schlechtes Auto. Doch ist es besser als ein VW Tiguan, der mit gleichen Konzerntechnik unterwegs ist? Unser Fahrbericht mit dem SUV der Ingolstädter gibt die Antwort.




Warum kauft man einen Mercedes, einen BMW, einen Audi? Sind es die besseren Fahrwerke, die edleren Innenräume oder die typischen Designmerkmale dieser Marke? Eine ehrliche Antwort könnte lauten: Ich fahre eine deutsche Premiummarke, weil ich es mir leisten kann – auch wenn in vielen Fällen zunächst der Arbeitgeber die Rechnung zahlt. Für die Hersteller ist dies eine große Herausforderung. Wie kann man Spitzenprodukte herstellen, die den Anspruch der potenziellen Käufer auf Qualität und Extravaganz befriedigen und die sich gleichzeitig aus dem Baukasten bedienen müssen, ohne dass es allzu sehr auffällt und das scheue Reh „Kunde“ vergrault wird?

Im Bereich der großen Limousinen oder mächtiger SUV ist das kein Problem. Schwierig wird es dagegen, wenn die Premiumanbieter in den mittleren Segmenten wildern und sich dort gegen die günstigeren Volumenhersteller durchsetzen müssen, die manchmal sogar aus dem eigenen Haus kommen. Anders gesagt und gefragt: Warum in aller Welt sollte man sich einen Audi Q3 kaufen, wenn man für deutlich weniger Geld einen VW Tiguan bekommen kann?


Q3 unterwegs mit Konzerndiesel

Unser Q3-Testwagen zum Beispiel ist mit dem 2,0-Liter-Konzerndiesel ausgerüstet, hier noch mit 140 PS Leistung, den gibt es natürlich auch im Tiguan. Das Aggregat ist ein sehr solider Vertreter seiner Klasse und glänzt genau dort, wo man es von einem Selbstzünder erwartet: Es liegt jederzeit mehr als genug und maximal 320 Newtonmeter Drehmoment an und der Verbrauch hielt sich mit real 6,6 Liter bei häufig zügiger Fahrt in akzeptablen Grenzen. Zum Motor passt das manuelle Sechsgang-Getriebe prima, die Gangführung ist präzise und leicht.

Im Stop-and-Go-Verkehr hätten wir uns natürlich eine Automatik gewünscht, auch weil das Drehmoment eigentlich schon zu früh zu stark anliegt und man vorsichtig mit Gas und Kupplung umgehen muss, um nicht ungewollt Richtung Vordermann zu schießen. Aber eine Automatik bietet Audi für diese Version gar nicht erst an.

Jeder dritte Kunde bestellt Allrad

Innenraum des Audi Q3
Innenraum des Audi Q3 © Audi

an Bord war bei unserem Testwagen auch der Quattro-Antrieb. Ein Audi-SUV ohne Allrad, das ist gar nicht so ungewöhnlich. Jeder dritte Käufer des Q3 wählt diese Option. Das macht in den meisten Situationen nichts aus, den Wagen dafür um fast 100 Kilo leichter und entsprechend agiler. Nur wer in einer schneereichen Gegend wohnt könnte Quattro im Winter vermissen und Gelände sieht der feine Ingolstädter ja wohl praktisch nie. Dieser Audi ist ohne Zweifel ein Asphalttier, daran lässt auch die sehr sportliche Grundabstimmung keinen Zweifel. Dagegen sind die Abrollgeräusche gering und es geht im Innenraum überhaupt sehr leise zu.

Apropos Innenraum: Wer häufiger mal in einem Audi sitzt, etwa in einem Q5, einem A3 oder gar einem A6, könnte vom Ambiente leicht enttäuscht sein. Der Q3 macht subjektiv einen spürbar weniger edlen Eindruck, als fast alle anderen Audi-Modelle. Hier ist der Ingolstädter deutlich mehr Volks-Wagen als bei Audi üblich.

Auf dem Niveau des BMW X1

Das gilt natürlich nicht für den Preis: Mit 30.550 Euro liegt der Q3 bei vergleichbarerer Motorisierung auf dem Niveau eines BMW X1 (30.900 Euro), aber klar über dem Schwestermodell Tiguan (28.325 Euro) oder gar einem Ford Kuga (27.400 Euro). Hinzu kommt eine kleinliche Aufpreisliste, die beim Kunden schnell das Gefühl hinterlässt, vom Hersteller geradezu ausgenommen zu werden. Unser Testwagen etwa hatte aufpreispflichtige Extras in Höhe von rund 50 Prozent des Listenpreises an Bord.

Das Heck des Audi Q3
Das Heck des Audi Q3 © Audi

Wer jetzt glaubt, der hohe Grundpreis bei magerer Ausstattung würde durch besonders viel Platz kompensiert, täuscht sich ebenfalls. Der Kofferraum fasst 460 Liter und ist auf 1.365 Liter erweiterbar. Dann sind natürlich die Rücksitze weggeklappt, auf denen man als Erwachsener leidlich bequem untergebracht ist. Das mit knapp 4,40 Metern Länge im oberen Kompaktbereich angesiedelte SUV wirkt auf jeden Fall optisch deutlich größer, als die Realität dann offenbart.

Ist der Audi Q3 ein gutes SUV? Ohne Zweifel gehört er in Sachen Fahrdynamik und Verarbeitungsqualität zu den Besten. Auf der anderen Seite stehen hohe Grund- und Aufpreise, ein mittelmäßiges Raumangebot und eine für Audi ebensolche Innenraumqualität. Dies alles plus sein positives Markenimage muss der Q3 in die Waagschale werfen, um zum Beispiel das Schwestermodell Tiguan von VW zu schlagen. Ob er das im direkten Vergleich schaffen würde? Das würden wir zumindest stark anzweifeln. (SP-X)






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