Audi Q2: Feiner Hochsitz

Kompaktes SUV

Der Audi Q2.
Der Audi Q2. © Audi

Im Vergleich zu Mercedes und BMW hat der Audi Q2 ein Alleinstellungsmerkmal. Denn die Wettbewerber haben kein vergleichbares SUV im Angebot. Doch kann der Ingolstädter davon profitieren?

Audi hat mit dem Q2 ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zur Konkurrenz. Denn die Wettbewerber aus München und Stuttgart haben schlicht gar kein ähnliches Fahrzeug im Angebot. Deutlich kürzer als ein BMW X1 und höher als eine Mercedes A-Klasse – der neue Audi Q2 ist ein Kompakt-SUV, das seinen Namen wirklich noch verdient. Mit 4,19 Meter Länge kommt er noch nicht mal an einen A3 (4,24 Meter) dran, dafür übertrifft er ihn in der Höhe um fast 10 Zentimeter.

Das hört sich nach einem wendigen und bequemen Auto an und das stimmt eigentlich auch. Nur großgewachsenen Fahrern wird die kurze Vordertür beim Ein- und Ausstieg Probleme bereiten, und hinten ist der Fußraum doch relativ eng beschnitten. Unser Testwagen, der in Verbindung mit dem 110 kW/150 PS starken Diesel immer auch mit platzraubendem Allradantrieb daher kommt, verfügt zudem nur über einen Kofferraum für 355 Liter Gepäck. Überdies müssen Koffer und Co. auch noch über eine immerhin 74 Zentimeter hohe Ladekante gewuchtet werden.

Hochwertige Technik an Bord

Auch Audi kann also auf knapp 4,20 Länge nicht zaubern, der Q2 ist ein kleines Auto. Aber dafür sicher der feinste Hochsitzer in seiner Klasse. Wo Opel Mokka X oder Fiat 500 X eher für günstige Massenware stehen, bringen die Ingolstädter Premiumambiente und hochwertige Technik in diese Klasse. Wie immer sind die Materialien fein und zudem hervorragend verarbeitet. Man kann es nur immer wiederholen: In Sachen Innenraum macht Audi derzeit niemand etwas vor.

Leider muss man praktisch alle schönen oder praktischen Dinge auch extra bezahlen, von der Rückfahrkamera (380 Euro) über die geteilt umklappbare Rücksitzlehne (380 Euro) bis zum leider nur auf ein Plexiglasscheibchen anstatt direkt in die Windschutzscheibe projizierendes Head-up-Display (600 Euro). Zudem lassen sich die Ingolstädter jedes Assistenzsystem – und davon gibt es sehr viele – mit Ausnahme der City-Notbremsfunktion extra bezahlen. Beim Blick auf die beigelegte Preisübersicht reiben wir uns die Augen: Unser Testwagen kostete statt des Basispreises von 32.150 Euro stolze 52.615 Euro.

Blick aufs Cockpit des Q2 Audi

Zugegeben, dafür ist der Q2 gut ausgestattet. Aber auch nicht sehr gut, denn selbst hier mussten wir noch die Sitze per Hand verstellen. Aber sonst: starker Diesel, 7-Gang-Doppelkupplung und wie gesagt auch Allradantrieb. Der Motor ist eine Wucht und sorgt fast schon für Sportwagenfeeling, allerdings wollte er im Schnitt auch über sieben Liter Diesel für 100 Kilometer nachgetankt haben. Der Allradantrieb ist nichts weniger als perfekt, nur das Doppelkupplungsgetriebe kann sein Alter und seine Schwächen nicht verbergen, es ruckelt gerne beim Anfahren und nach Einlegen des Rückwärtsgangs spricht die Kupplung zunächst gar nicht, dafür umso ruckartiger an. Hier heißt es aufgepasst, damit man nicht ungewollt Bekanntschaft mit der Stoßstange des hinter einem parkenden Fahrzeugs macht.

Progressivlenkung Serie

Überraschenderweise gehört die sogenannte Progressivlenkung beim Q2 zur Serienausstattung. Lenkbefehle werden hier direkter, also auf kürzerem Weg an die Achse übertragen. Das zeigt, wie Audi sein kleinstes SUV positioniert sehen will, nämlich als den Premium-Sportler seines Segments. Kein Wunder auch, dass gegen Aufpreis einige Feinheiten aus dem größeren A4 zu haben sind, etwa das tolle Cockpit-Display.

Wir stellen also fest: Kein anderes SUV dieser Klasse kommt auch nur annähernd an die Verarbeitungsqualität und die Finesse des Q2 heran, kein anderes bietet auch nur annähernd, wenn auch meist nur gegen Extrageld, so viel moderne Technik. Abgesehen von einigen kleineren Schwächen also ein fast perfektes Auto, zudem leider aber nur auch ein perfektes im Sinne von gut gefülltes Bankkonto passt. Und das scheint überhaupt die Crux mit den deutschen Premium-Herstellern zu sein: Die sogenannten besten Autos der Welt sind zumindest als Neuwagen für viele Menschen leider unerschwinglich geworden. (SP-X)

Audi

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified (Print und Online).