9. September 2015

Fahrbericht Optimaler cW-Wert Audi A4: Downsizing mit sechs Töpfen

Der neue Audi A4 nähert sich den oberen Segmenten deutlich an. Fotos ▶
Der neue Audi A4 nähert sich den oberen Segmenten deutlich an. © Audi

Audi dreht den Trend um. Während Dreizylinder selbst in die Kompaktklasse einziehen, bestückt die VW-Tochter aus Ingolstadt die neunte Generation des A4 mit leistungsstarken Sechszylindern.




Von Thomas Flehmer

Audi kann auch anders. Während selbst Hersteller wie BMW in ihren Produkten der kompakten Klasse Motoren mit drei Zylindern anbieten, verlässt Audi die Spur. Bei der neunten Generation des A4 stehen auch zwei Sechszylinder im Angebot, die trotz ihrer Leistungsstärke sich mit Verbräuchen unter fünf Litern begnügen sollen – Downsizing auf die andere Art und nicht die einzige Neuerung, die die VW-Tochter aus Ingolstadt dem seit 1972 zwölf Millionen Mal verkauften „Herz der Marke“ angedeihen lässt.


Audi A4 mit kleinen optischen Veränderungen

Obwohl laut Audi 90 Prozent aller verwendeten Teile neu sind, sieht man dabei Veränderungen am Design frühestens auf dem zweiten Blick. Der Kühlergrill wurde etwas verbreitert, der Verzicht auf Halogenleuchten – es kommen Xenon- oder Matrixlicht zum Einsatz – bescherte ein neues Lichtdesign. Die Karosse wuchs um 2,5 Zentimeter in der Länge. Mit 4,73 Meter ist der A4 damit fast so lang wie die erste Generation des A6. Das war es an sichtbaren Äußerlichkeiten aber auch schon.

Doch wie auch die kürzlich vorgestellten Geschwister des Mehrmarkenkonzerns fallen die Veränderungen unterhalb des Blechkleides umso deutlicher aus und hieven die Mittelklasse um mindestens eine Klasse höher. „Dank des Modularen Längsbaukastens der zweiten Generation verfügen wir über einen riesigen Fundus an Komponenten aus der Ober- und Luxusklasse“, sagte Burkhard Wiegand, der technische Projekt-Manager der A4-Baureihe. Und dieser Fundus wurde für den A4 mächtig geplündert.

Sparsame Sechszylinder für den Audi A4

Der Audi A4 kommt auf einen cW-Wert von 0,23
Der Audi A4 kommt auf einen cW-Wert von 0,23 © Audi

Fangen wir mit den Motoren an, die bis zu 25 Prozent mehr Leistung bringen, dafür aber bis zu 21 Prozent weniger verbrauchen sollen. Selbst die beiden neuen drei Liter großen Sechszylinder-Diesel mit 160 kW/218 PS und 200 kW/272 PS benötigten auf der Rolle des nicht alltagstauglichen Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) lediglich 4,2 bzw. 4,9 Liter. Je nach Fahrweise kommen im Alltag einige Liter mehr hinzu, auch wenn der A4 um bis zu 110 Kilogramm erleichtert wurde und mit mit einem cW-Wert von 0,23 dem Spitzenreiter Mercedes CLA ganz nah auf den Fersen ist. Denn die Power lädt dazu ein, den Kompakten sportlich zu fahren. 6,6 bzw. nur 5,3 Sekunden benötigt dann der 3.0 TDI für den Sprint und wird bei 250 km/h elektronisch eingefangen.

Aber auch die sechs Töpfe lassen sich anders steuern. Denn ebenso kann das souveräne Aggregat Fahrer und Beifahrer komfortabel über den Asphalt cruisen lassen, ohne dass die zur Verfügung stehende Kraft ausgereizt werden muss und den Insassen ein wohliges Gefühl vermittelt. Nicht allein durch das gut austarierte Fahrwerk, das auch individuell, sportlich oder komfortabel eingestellt werden kann.

Oberklassegefühle im Audi A4

Audi hat das virtuelle Cockpit nun auch im Audi A4 installiert
Audi hat das virtuelle Cockpit nun auch im Audi A4 installiert © Audi

Auch nicht allein die unauffällig agierenden Siebengang-S-tronic oder Achtgang-Speed-tronic, die dem A4 zu jeder Zeit die richtigen Kurbelwellen-Umdrehungen mit bis zu 400 oder 600 Newtonmetern Drehmoment zukommen lässt. Denn diese Komponenten arbeiten auch in den Vierzylindern wie dem neuen 2.0 TFSI ultra mit 140 kW/190 PS ebenso zuverlässig, auch wenn dann ein manuelles Sechsgang-Getriebe an Bord ist.

Es kommt auf das Zusammenspiel zwischen Technik und Design an. So kann der A4 mit Holzverkleidung ausgestattet werden und erhält auf diese Art und Weise einen optischen Aufstieg in Richtung Oberklasse. Das virtuelle Cockpit, an das man sich allerdings während der ersten Fahrten ein wenig gewöhnen muss, kommt sonst auch in anderen Segmenten zum Einsatz.

Audi A4 ab 30.500 Euro

Der Audi Avant folgt etwas später
Der Audi Avant folgt etwas später © Audi

Die Aeroakustik wurde soweit optimiert, dass Wind- und Motorengeräusche den Innenraum kaum erreichen. 30 Assistenzsysteme schützen dabei nicht nur Fahrzeug und Insassen, sondern bringen auch den A4 auf den Weg in Richtung pilotiertes Fahren, wie Audi das automatisierte Fahren nennt. Den Stau bewältigt der Kompakte bis zu 65 km/h schon ganz allein. Aus rechtlichen Gründen muss der Fahrer trotzdem die Hände am Lenkrad halten, auch wenn es nicht notwendig wäre.

Neu an Bord ist der Prädiktive Effizienz-Assistenz, der dank vorausschauender Kamera das Geschehen vor dem Wagen scannt und das Auto einbremst und somit Kraftstoff einspart. „Dieser A4 denkt mit“, sagt Wiegand. Wer nicht nur mitdenkt, sondern auch mitrechnet, der weiß, dass der Einstiegspreis für die Limousine des A4 von 32.650 Euro oder des Avant von 32.550 Euro nicht nur durch die beiden neuen Ausstattungslinien „Design“ und „Sport“ recht fix nach oben schnellt. Werden dann noch viele Kreuzchen hinter der langen Ausstattungsliste gemacht, sind weitere 20.000 schnell erreicht. Für den größten Sechszylinder, dessen Einstieg bei 50.100 Euro beginnt, würde dann mit zahlreichen Häkchen in der Preisliste im Kapitel Serien- und Sonderausstattung zwischen Seite zwölf und 47 70.000 keine Überraschung darstellen. Aber bei gewissen Sachen kann Audi halt nicht anders.






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