8. Februar 2013

Fahrbericht Hart, aber nicht immer herzlich Audi A3 1.8 TFSI quattro: Durchtrainierter Sportler

Der Audi A3 1.8 TFSI ist für den Alltag zu sportlich ausgefallen.
Der Audi A3 1.8 TFSI ist für den Alltag zu sportlich ausgefallen. © Audi

Der allradangetriebene Audi A3 ist genau richtig für Fahrten auf Autobahnen und Landstraßen. Im schnöden urbanen Alltag machen sich die sportlichen Gene allerdings auch negativ bemerkbar.




Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis. Dort hätte er mit unserem Testwagen jede Menge Spaß, garantiert doch der Quattro-Antrieb in Tateinheit mit 180 durchtrainierten PS das, was noch weiter südlich als Freude am Fahren bekannt wurde. Die Rede ist vom Audi A3 in seiner zivilen Top-Version. Den Pferdetrainer mimt ein Turbolader, der dem 1,8-Liter Vierzylinder ordentlich Leistung zupustet. Der Esel kommt ins Spiel, wenn es um die Ausstattung des Kompaktwagens geht.


Audi A3 leichtfüßig über Schnee und Eis

Unter winterlichen Bedingungen ist ein Allradantrieb etwas besonders Feines. Das weiß man bei Audi schon lange und hat die Kunst der Kraftverteilung auf vier Räder in den vergangenen dreißig Jahren ständig optimiert. Leichtfüßig bewegt sich der A3 auf festgefahrenen Schneedecken, reagiert exakt auf Gasstöße und kommt unbeeindruckt vom rutschigen Untergrund sicher ums Eck. Das ändert sich auf schneefreier und trockener Piste nicht. Der A3 ist ein fahraktives Exemplar der Gattung Kompaktwagen. Unser Testauto war zudem mit dem sportlichen S-Line-Paket ausgestattet, was dem Eindruck, hier eigentlich einen Sportwagen zu fahren, weiter Nahrung gab.

Zur Kraftverteilung verfügt der Quattro zudem über das sechsgängige Doppelkupplungsgetriebe S-Tronic, dessen Fahrstufen man mittels Schaltpaddeln am unten sportlich abgeflachten Lenkrad blitzschnell wechseln kann. Sportsitze mit ausgeprägten Seitenwangen runden das Paket ab. Alles sehr fein verarbeitet, wie man es von Audi nicht anders erwartet. Man steigt ein, sucht und findet den Startknopf und dann den kürzesten Weg zu kurvigen Landstraßen oder vielleicht einer kleinen Rennstrecke. Dieser A3 will gefordert werden und das macht durchaus Vergnügen, auch wenn der Verbrauch dann knapp das Doppelte der EU-konform gemessenen 6,6 Liter beträgt (CO2-Ausstoß: 152 g/km).

Audi A3 hart und nicht immer herzlich

Die sportliche Ausrichtung von Audi rächt sich im Alltag
Die sportliche Ausrichtung von Audi rächt sich im Alltag © Audi

Leider führt nicht jede Tour über einsame Landstraßen oder leere Autobahnen, auf denen man die Höchstgeschwindigkeit von 228 km/h locker erreicht und, glaubt man dem Tacho, auch übertrifft. Leider gibt es so etwas wie Autoalltag und da macht der sportliche A3 keine ganz so gute Figur. Dann fangen die engen Sportsitze an zu drücken, wenn man etwas längere Beine und ein paar überflüssige Pfunde hat, und die Klagen aus dem Fond über unbequeme Sitze waren ungewöhnlich heftig.

Außerdem melden sich Schlaglöcher nachdrücklich und überhaupt: Die gesamte sportive Haltung des Wagens kann störend wirken, wenn man einfach nur müde nach der Arbeit nach Hause rollen möchte. Fährt man entsprechend gelassen, liegt der Verbrauch übrigens um 7,5 Liter, was für ein Auto dieser Leistungsklasse in Ordnung geht.

Audi A3 1.8 TFSI quattro mit Extras für rund 50.000 Euro

Auch der Audi A3 verfügt über eine hohe Aufpreisliste
Auch der Audi A3 verfügt über eine hohe Aufpreisliste © Audi

Weniger in Ordnung scheint uns für ein Kompaktklassemodell - auch wenn es "Premium" darstellen soll – die Aufpreispolitik. Zum Einstiegspreis von immerhin 33.550 Euro gesellten sich im Falle unseres Testexemplars insgesamt 34 Extras zum Preis zwischen 30 Euro für den vorderen Aschenbecher bis 2724 Euro für das Navigationssystem. In Summe kommen so 49.960 Euro zusammen und es gibt weitere Möglichkeiten, den Kaufpreis zu erhöhen. Vieles davon ist sinnvoll, manches gewöhnungsbedürftig, wie die MMI-Touch-Funktion, die wir ein ums andere Mal versehentlich betätigten. Manches scheint aber auch einfach albern. Wieso benötigt ein Fahrzeug mit Automatik einen Anfahrassistenten für 80 Euro? Zugegeben, auf diesen Betrag kommt es dann auch nicht mehr an.

Fazit: Ein schöner Sport-Wagen, aber die meisten Menschen werden mit einem etwas weniger dynamische daherkommenden A3 besser zurecht kommen. Beim Ankreuzen der Extras sollte man sich vor Eseleien hüten. (SP-X)






Mehr zur Marke Audi

Aufsteigende Tendenz der VW-Tochter im JuliAudi weiter auf Erholungskurs

Der auf dem größten Einzelmarkt beigelegte Streit lässt die Zahlen von Audi weiter ansteigen. Nach sieben Monaten liegt die VW-Tochter allerdings noch im roten Bereich.


Mensch-Roboter-Kooperation bei AudiKleben mit Klara

Bei der Montage der Audi A4 und A5 arbeiten Mensch und Roboter im Stammwerk erstmals gemeinsam. Der Leichtbauroboter hilft dabei beim Montieren des CFK-Daches des RS 5 Coupés.


Fragen an den Autopapst im August 2017

Sie haben Probleme mit dem Auto? Der Motor springt nicht an? Er ruckelt? Er ölt. Sie wissen nicht weiter? Kein Problem! Autopapst Andreas Kessler hilft Ihnen weiter. Heute geht es um einen Audi A4.



Mehr aus dem Ressort

Der Land Rover Discovery ist noch ein Vertreter der alten Geländewagenschule
Echte Geländewagen-GefühleLand Rover Discovery: Harter Kerl unter Weichspülern

Mit dem Discovery hält noch ein echter Geländewagen die Fahne im SUV-Segment oben. Doch auch der Vertreter alter Werte musste Kompromisse eingehen – allerdings zum Vorteil aller.


Kia hängt den Optima Sportwagen ans Kabel
Mittelklasse mit Plugin-HybridKia Optima Sportswagon PHEV: Lohnenswerte Alternative

Kia will seine Palette umweltfreundlicher Antriebe bis 2020 auf 14 Modelle ausbauen. Als Alternative zu einem Diesel in der Mittelklasse bietet sich der Optima Sportswagon Plugin-Hybrid geradezu an.


Der Renault Talisman Grandtour ist sehr elegant ausgefallen
Kombi mit 160 PSRenault Talisman Grandtour: Mehr als ein Wortspiel

Renault hat den Talisman mit den traditionellen Tugenden der französischen Reiselimousine in die Neuzeit gebeamt – und das auch der Kombivariante. Der Laguna-Nachfolger nähert sich den deutschen Platzhirschen an – auch wenn so manches noch nicht an Bord ist.