8. Dezember 2014

Fahrbericht Effizienter Kleinwagen Audi A1: Sparen mit drei Töpfen

Der Audi A1 ist mit einem modernen Dreizylinder unterwegs,
Der Audi A1 ist mit einem modernen Dreizylinder unterwegs, © Audi

Audi hat den A1 deutlich überarbeitet. Die Neuerungen finden sich dabei vor allem unter der Motorhaube. Dort sorgt nun ein Dreizylinder für Vortrieb und soll für effiziente Fahrleistungen sorgen.




Kleinvieh macht bekanntermaßen auch Mist, und Kleinwagen verbrennen für gewöhnlich auch Kraftstoff. Grundsätzlich sind sie zwar sparsamer als die Großen, aber beim Kampf um die 95 g-Hürde hat jedes Fahrzeugmodell seinen Beitrag zu leisten, auch bei Audi. So tritt der Basis-A1 ab sofort mit drei Zylindern und einem Liter Hubraum an.

Das Minus an Töpfen geht nicht mit einem Minus an Leistung einher. Der neue Einliter-Turbo, sattelt 95 Pferdchen und fühlt sich gar nicht schlecht an. Obendrein verbraucht das 88 kg leichte Triebwerk mit 4,3 Litern /100 km (99 g CO2/km) immerhin 0,8 l weniger als der 63 kW/86 PS starke Vorgänger mit 1,2 Litern Hubraum.


Mehr Punch braucht man nicht

Bei einer ersten Ausfahrt beweist der Audi A1 , den die Ingolstädter für unter 17.000 Euro (genaue Preise folgen) anbieten werden, dass man eigentlich gar nicht mehr Punch braucht. Natürlich gewinnt er keine Ampelrennen, aber dank 160 Nm Drehmoment gibt es auf Wunsch sanften Druck nach vorn. Akustisch erkennt man die Zylinderzahl übrigens nur bei genauem Hinhorchen – schnell überdecken andere Fahrgeräusche wie das ein bisschen zu laute Reifenabrollen oder der Wind den Motorsound. An der mechanischen Laufruhe gibt es nichts auszusetzen, selbst beim Anlassen oder Ausschalten schüttelt sich der Zwölfventiler kein bisschen.

Auch dieselseitig schaltet Audi eine Stufe zurück beziehungsweise nimmt einen Zylinder weg und knüpft damit an alte Audi A2-Tage an. Das Triebwerk des damaligen Einsteigers besaß analog zum aktuellen 1,4 TDI exakt die gleiche Maße und damit ebenso 1.422 Kubikzentimeter Hubraum, aber Motorenentwickler Ralf Doering versichert, dass es sich dennoch um ein völlig neues Aggregat handelt. In der Tonlage ist der inzwischen auf 66 kW/90 PS erstarkte Selbstzünder ähnlich kernig wie früher. Doch das stört nicht, ganz im Gegenteil.

Für Fahrspaß ist gesorgt

Das Cockpit des A1
Das Cockpit des A1 © Audi

Kräftige 230 Nm sorgen zusammen mit dem sportlichen Timbre für Fahrspaß; der Commonrail zieht nach kleiner Turbo-Verzögerung satt durch und lässt den frontgetrieben Kleinwagen oft punkten beim Kurzsprint. Schade, dass die exakte Box nur fünf Vorwärtsgänge bietet, aber der Genügsamkeit tut das keinen Abbruch. Mit 3,4 Litern (Ultra-Variante) ist der Basis-TDI ein Sprit-Geizer, erfordert allerdings auch 19.200 Euro in der Anschaffung. Gegen 1.700 Euro Aufpreis bekommt der Kunde ein kommodes Doppelkupplungsgetriebe, und zwar für sämtliche Varianten.

Apropos Varianten: Wirklich ausgewogen ist der 1,4 Liter große Vierzylinder-Benziner. Diesem haben die Techniker im Zuge des Facelifts zehn Mehr-PS spendiert und sind damit nun bei 110 kW/150 PS angelangt. In der Teillast läuft der drehfreudige Motor aus Spargründen nicht auf allen Töpfen, was der Fahrer aber gar nicht mitbekommt. Mit 21.300 Euro bleibt er über 4.500 Euro unter dem 141 kW/192 PS starken 1,8er-Topmodell, das die deutlich besseren Beschleunigungswerte auf dem Papier in der Praxis nicht ausspielen kann. Zumal das dort serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe für so manchen Schalt-Fan kein wirkliches Lockmittel ist. Und das Sechsgang-Getriebe ist auf den Punkt genau abgestimmt, besticht mit präziser wie knackiger Gangart.

Präzise ist außerdem die jetzt rein elektrische Servolenkung – zwar war die auch vorher schon elektrisch angetrieben, aber mit vorgeschalteter Hydraulikeinheit. Jetzt läuft der E-Motor nur dann, wenn auch Lenkmoment abgerufen wird, was sich auf die Energieersparnis auswirkt. Darüber hinaus sind die Ingenieure flexibler und könnten den A1 auch selbsttätig lenken lassen – etwa bei einem automatischen Einparkvorgang. Leider fehlt dieses Feature vorerst in der Preisliste.

Gutes Fahrwerk

Das Heck des A1 von Audi
Das Heck des A1 von Audi © Audi

Beim Fahrwerk haben die Verantwortlichen ebenfalls eine Schippe draufgelegt. Nun kann die Dämpfercharakteristik per Knopfdruck verstellt werden (150 Euro). Jedoch handelt es sich dabei nicht um eine variable Anpassung der Kennlinie, man darf lediglich zwischen zwei festgelegten Modi wählen und die Federung damit härter oder weicher arbeiten lassen. Kommt die Frage auf, ob es lieber der Sportback oder die Limousine sein soll. Bis zu 920 Liter Gepäck erlauben beide – bleibt also alleine der Vorteil des bequemeren Fond-Einstieges für alle, die häufig mit mehr als zwei Personen unterwegs sind. Oder das Design entscheidet.

Übrigens auch ein Grund, der für die modellgepflegte A1-Version mit den modifizierten Rückleuchten spricht: Neben 17 verschiedenen Alurädern sind peppige Zweifarb-Lackierungen lieferbar, die vor allem junge Kunden anlocken sollen. Schließlich generiert der A1 die jüngste Klientel bei Audi, wie Produktmarketing-Expertin Petra Voith-Hase weiß. Klar, der Kleinwagen ist ja auch das Basismodell der Volkswagen-Premiummarke. (SP-X)






Mehr zur Marke Audi

Serienstart des Gran Turismo ab 2019E-Tron Sportback Concept: Audis zweiter Stromer

Audi präsentiert auf der Automesse in Shanghai das zweite reine Elektroauto des Unternehmens. Wie schon beim SUV-Stromer vergeht auch beim Gran Turismo noch einige Zeit bis zur Serienreife.


Chinesischer Markt beeinflusst erstes QuartalAudi fällt im Premium-Dreikampf zurück

Die sinkenden Verkaufszahlen auf dem chinesischen Markt haben Audi die Bilanz des ersten Quartals verhagelt. Neue Modelle sollen in den kommenden Monaten für eine Trendumkehr sorgen.


Auf 200 Einheiten limitiertAudi bringt beim R8 Farbe ins Spiel

Audi trägt den Erfolgen im Kundensport Rechnung. Dem GT3-Modell stellt der sportliche Ableger der Ingolstädter nun auch eine limitierte Serienvariante zur Seite.



Mehr aus dem Ressort

Mercedes GLE Coupe neu Aufmacher AG/Mertens
Kein Auto für die StadtMercedes GLE Coupé: Ein großes Missverständnis

Es gibt Autos, mit denen wird man persönlich nicht warm. Man versucht es, man bemüht sich, doch letztlich scheitert man. Das kommt ziemlich selten vor, doch beim Mercedes GLE Coupé war das der Fall. Warum? Lesen Sie unseren Fahrbericht


Der Opel Ampera-e ist der Reichweiten-Champion der Elektroautos
Geringe Verfügbarkeit des ElektroautosOpel Ampera-e: Dynamischer Reichweiten-Champion

Die Angst vor fehlender Reichweite hat Opel mit dem neuen Ampera-e zu den Akten gelegt. Dafür bauen sich andere Hürden auf, die der Stromer-Champion überwinden muss, damit sich das Straßenbild auch mit dem Fünfsitzer füllt.


Der Vesta soll Lada neuen Schwung bringen
Kompaktklasse aus RusslandLada Vesta: Von der römischen Göttin zum russischen Stufenheck

Mit dem Vesta will Lada das angestaubte Image ablegen. Zwar wird der Kompakte in für hiesige Längengrade zunächst nur in der ungewöhnlichen Stufenheck-Variante angeboten, bietet dabei aber doch einige Farbtupfer.