11. Mai 2010

Fahrbericht Yamaha Super Ténéré Ein Hauch von Wüste

Yamaha Super Tenere
Yamaha Super Tenere © Yamaha

Mit der Super Ténéré bringt Yamaha einen vielseitigen Allrounder auf die Straße. Die Enduro versprüht einen Hauch von Abenteuer, selbst wenn man mit ihr nur in der Stadt unterwegs ist.




Von Thilo Kozik

Schon der Name der neuen Yamaha-Reiseenduro klingt nach Sahara und Abenteuer: Die ab 14 750 Euro teure Super Ténéré möchte nun mit viel Hightech an die erfolgreichen Zeiten der japanischen Wüstenschiffe anknüpfen.

Doch auf der ersten Testetappe mit dem neuen Bike von Paris nach Toulouse gilt es eher, den Schnee vom Visier zu wischen als den mitgeschleppten Getränkevorrat anzubrechen. Oben auf dem 1 231 Meter hohen Col de Legal im französischen Zentralmassiv herrscht eine empfindliche Maikühle. Und dennoch: Die Super Ténéré ist auch für die kühle Witterung eine gute Wahl. Der vielseitige Allrounder, ein "Überall-hin-Bike" quasi, erinnert an das gleichnamige Modell von 1990, welches die Ténéré - einen sandigen Abschnitt der Sahara - locker meisterte und die legendäre Rallye Paris-Dakar gleich siebenmal gewinnen konnte.


Robuste Enduro

Doch mit dieser robusten Enduro hat die neue nur noch wenig gemein, das beginnt schon beim Motor: Der Reihenzweizylinder ist mit 1 199 ccm deutlich größer als das 750er-Aggregat damals, was durchaus als Kampfansage an den Klassenprimus, die BMW R 1200 GS, verstanden werden darf. Wie diese kommt die Yamaha mit Vierventiltechnik, Einspritzung und Kardanantrieb daher. Allerdings nicht in Boxer-, sondern Reihenkonfiguration und wassergekühlt wie bei der ersten Super Ténéré.

Mit ihren 81 kW/110 PS Leistung liegt die Yamaha auf dem Niveau der Münchner Konkurrenz. Kraftvoll, durchzugsstark und mit einem vibrationsarmen, leicht hochdrehenden Charakter kann der Paralleltwin überzeugen. Bei Reisetempo von 130 km/h auf der Autoroute Richtung Süden bleiben genügend Reserven für schnelles Überholen und bis zu 210 km/h Spitzengeschwindigkeit. Hinter einer kleinen, allerdings nur kompliziert verstellbaren Scheibe bleibt der Winddruck am Oberkörper recht gering.

Ungeachtet des "Harte-Männer-Images" ist die Super Ténéré ein hochspezialisiertes Bike mit viel Hightech: Das Gasgeben erfolgt elektronisch, eine in zwei Stufen einstellbare oder ganz abschaltbare Traktionskontrolle erleichtert die Drosselklappenkontrolle am Kurvenausgang. Zusätzlich stehen zwei Fahrmodi zur Verfügung: "Sport" für ambitioniertes Kurvenwetzen oder "Touring" für ein sanfteres Ansprechverhalten.

Stabiles Verhalten

Obwohl der Rahmen aus vergleichsweise einfachen Stahlprofilen besteht, bleibt die Yamaha stabil und steif wie ein drei Tage altes Baguette. Insbesondere mit den robusten Aluminium-Koffern und den Handprotektoren macht sie einen unverwüstlichen Eindruck im alltäglichen Verkehrsstau französischer Städte. Und obwohl die Yamaha alles andere als klein und leicht ist, lässt sie sich gut kontrollierbar durch die Autos schlängeln - dem tiefen Schwerpunkt und zentralisierten Massen sei Dank.

Auf kurvigen Landstraßen setzt sie leichte Richtungsbefehle am breiten Lenker präzise um und benimmt sich weitaus agiler und leichtfüßiger als es die technischen Daten vermuten lassen. Nur extrem hart gefahren machen sich ihre sehr langen, komfortablen Federwege in leichte Ungenauigkeiten beim Fahren bemerkbar. Hier vermisst man ein wenig die elektronische Federungsverstellung der BMW R 1200 GS. Da ist selbst die praktische Federbasisverstellung des Federbeins per Handrad kein Ersatz. Keine Kritik dagegen gibt es beim intelligenten und effektiven Kombi-Bremssystem mit ABS, das sich vor allem bei Regen bewährt.

23 Liter-Tank

Der 23-Liter-Tank und die damit verbundene Reichweite von mehr als 300 Kilometern ist ein Segen. Und der breite und in der Höhe variable Sitz bietet einen Chaiselongue-artigen Komfort, so dass auch elf Stunden im Sattel nicht allzu schwer fallen. Einen unerwartet guten Eindruck macht die Super Ténéré als Offroader. Die Schwierigkeiten der welligen und von Schlaglöchern übersähten unbefestigten Wege meistern Federung wie Reifen erstaunlich souverän. Der Mix aus durchzugsstarkem Antrieb, funktionalem Chassis und robustem Charakter ist tatsächlich geeignet für die ein oder andere Offroad-Etappe.

Yamaha bietet für die Super Ténéré eine große Auswahl an Zubehör an: von höheren Scheiben bis zu Heizgriffen. So ist das Bike für den Alltag und für Reisen bei jedem Klima gerüstet. Der BMW erwächst mit der Super Ténéré als Tourer, Alltagsbike und Globetrotter ein durchaus ernst zu nehmender Gegner, auch wennman bei einem Preis von knapp 14 750 Euro serienmäßige Heizgriffe erwarten darf. (mid)






Mehr zur Marke Yamaha

Sports Ride ConceptYamaha präsentiert Sportwagen

Noch ist Yamaha bekannt für seine Motorräder und Klaviere. Doch mit Autos hatte das Unternehmen bislang nichts zu tun. Das könnte sich jetzt ändern. Auf der Tokio Motorshow zeigen die Japaner Sports Ride Concept.


Japaner legen beim Absatz zuWeiter aufwärts mit der Yamaha MT-09 Street Tracker

Yamaha scheint wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden zu haben. Mit der neuen MT-09 Street Tracker will der japanische Motorradhersteller seine Absatzzahlen weiter nach oben bringen. Im August kommt das neue Modell auf den Markt.


Marktstart im MaiYamaha X-MAX 400: Neuer Premiumroller

Der japanische Motorradhersteller Yamaha bringt ein neues Topmodell der X-MAX-Baureihe auf den Markt. Der X-MAX 400 wird knapp unter 6000 Euro kosten.



Mehr aus dem Ressort

Die Yamaha Tricity 125 schlängelt sich durch dichten Großstadtverkehr
Sinnvolle ÜberarbeitungYamaha Tricity 125: Dreiradroller gegen Schlaglöcher

Die Yamaha Tricity ist der kleinste und schmalste Dreiradroller im Segment. Das hält die überarbeitete Japanerin aber nicht davon ab, sich auch in vollen Städten durch die Kolonnen zu schlängeln.


Harley-Davidson hat die Street Rod sinnvoll überarbeitet
Günstigster Vertreter der MarkeHarley-Davidson Street Rod: Zweiter Anlauf

Mit der ersten Street Rod ging Harley-Davidson in Europa baden. Die stark überarbeitete Neuauflage des günstigsten Bikes der Amerikaner erreicht nun ein neues Niveau.


Honda mischt bei der CB 1100 RS Klassik und Moderne zugleich
Klassisch und modern zugleichHonda CB 1100 RS: Big Bike im Retro-Stil

Honda hat sein Retro-Modell CB 1100 RS mit modernen Fahrwerks- und Bremskomponenten ausgestattet. Herzstück bleibt dabei der luft- und ölgekühlte Vierzylinder-Reihenmotor.