VW Touran: Sicher in die Lücke

Der überarbeitete VW Touran © Foto: Werk

VW hat sein Erfolgsmodell überholt. Vier Jahre nach der Einführung des Touran erhält der Van nicht nur eine neue Topmotorisierung, sondern auch einen pfiffigen Parkassistenten, der sogar funktioniert.

Von Thomas Flehmer

VW setzt die Erfolgsgeschichte des Touran fort. Der seit seiner Markteinführung 2003 rund 650.000 Mal ausgelieferte Van soll den ersten Platz im Segment in Deutschland mit rund 22 Prozent Marktanteil mit neuem Equipment ausbauen. Bereits vier Wochen nach dem Vorverkaufsstart im September waren 12.000 Exemplare allein in Deutschland vorbestellt. Die Neuerungen bleiben übersichtlich, sind aber äußerst reizvoll, wie erste Testfahrten bestätigten.

Neues Markengesicht

Von außen hat der Touran das neue Markengesicht erhalten. Der Wappenkühlergrill ist in Chromoptik gehalten, die Scheinwerfer wirken markanter, die Stoßfänger sind modifiziert. Auch die Heckpartie erscheint im neuen Kleid mit neuen Rückleuchten und ebenfalls erneuerten Stoßfängern. Im Innern dagegen sind Instrumente und Ausstattungen VW-typisch erhalten geblieben.

Um so interessanter gestaltet sich der erste Auftritt des «Park-Assist», der Lenkhilfe beim Einparken. Im Gegensatz zum Konkurrenten Toyota, der seit gut einem dreiviertel Jahr den Prius mittels Kamera nicht unbedingt überzeugend in eine Parklücke zu manövrieren versucht, setzen die Wolfsburger auf Sensortechnik, die bei den ersten Tests einen sehr guten Eindruck machte.

Automatisches Nachmessen

Der Parkassistent zeigt an, ob genügend Platz vorhanden ist Foto: Werk

Insgesamt sind zehn Sensoren installiert, jeweils vier hinten und vorne, sowie jeweils einer seitlich am vorderen Stoßfänger. Bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h bei der Vorbeifahrt und einem Abstand von 0,5 bis 1,5 Metern zu den bereits abgestellten Wagen misst der seitlich angebrachte Sensor aus, ob genügend Platz in der Lücke vorhanden ist. Bevor ein Steuergerät den idealen Einparkweg ausrechnet, teilt das Display in der Multifunktionsanzeige mit, dass der Weg zum Einparken frei ist.

Im Display erscheint darauf die Anzeige «Lenkeingriff aktiv! Umfeld beachten!» Wie von Geisterhand schlägt sich nun das Lenkrad selbstständig ein, der Fahrer muss nur noch kuppeln, Gas geben, rückwärts fahren. Sobald der ebenfalls im «Park Assist» installierte Abstandswarner einen Dauerton von sich gibt, ist der optimale Abstand erreicht. Der Fahrer bremst, der Assist schlägt das Lenkrad in die Gegenrichtung ein und entlässt nun den Fahrer in die vollständige Verantwortung. Dieser muss nur noch etwas vorwärts fahren, schon steht der Touran.

Einparken wie von Geisterhand

Einparken passiert automatisch Foto: Werk

VW gibt den gesamten Vorgang nach Einlegen des Rückwärtsganges mit 15 Sekunden an. Beim Test konnte diese Zeit nicht eingehalten werden - aber wer mit dem System vertrauter ist, der sollte es schaffen.

Mit 670 Euro ist der Assist im Preis akzeptabel, da zudem auch noch die Abstandswarner vorn und hinten enthalten sind. In der Ausstattungsvariante «Highline» minimiert sich der Preis auf 315 Euro, da dort die Abstandssensoren für den Warner bereits enthalten sind.

Neue Topmotorisierung

Neuer Motor unter neuer Frontpartie Foto: Werk

Neben dieser Neuerung wartet der Touran, der insgesamt zwei Benziner, vier Turbodiesel und einen Erdgas-Motor anbietet, mit einer neuen Motorisierung auf. Vom Golf GT erhält der Van den 125 kW / 170 PS starken TSI-Motor. Der 1,4 Benziner ist mit einem Kompressor und einem Turbo ausgestattet. Während im unteren Bereich der Kompressor arbeitet, setzt der Turbo bei höheren Drehzahlen an. Darum benötigt der Twincharger auch lediglich 1.390 ccm Hubraum, um die Kraft eines nicht aufgeladenen 2,5 Liter-Motors entwickeln zu können. In acht Sekunden ist der Touran dann auf 100 km/h, der Spaß endet bei respektablen 218 km/h. Der Haken dabei: Das Aggregat ist erst ab dem Frühjahr 2007 erhältlich.

Die Wartezeit füllt der von uns gefahrene gleichstarke Diesel mit einem optimal abgestimmten Doppelkupplungsgetriebe aber ebenso beeindruckend aus. Der Selbstzünder benötigt eine Sekunde länger, um die 100 km/h-Marke zu passieren, aber auch beim Cruisen lässt es sich angenehm im Touran aushalten.

Sparsam mit EcoFuel

Die Rückfront des Touran Foto: Werk

Auch mit dem 2.0 EcoFuel mit 80 kW 109 PS ist man gut unterwegs. Bei Temperaturen über fünf Grad Celsius startet der Motor schon gleich im Erdgasbetrieb. Die Reichweite beträgt bei reinem Gasbetrieb 310 Kilometer. 5,8 Kilogramm werden dabei auf 100 Kilometern verbraucht. Unterschiede beim Fahren sind nicht spürbar.

Wer sich beim EcoFuel aber noch für die optional erhältliche dritte Sitzreihe entscheidet, muss aufpassen. Aufgrund von Sicherheitsbestimmungen dürfen dann auf den beiden Einzelsitzen, die sich direkt über den vier Gasflaschen befinden, lediglich Personen mit jeweils nicht mehr als 35 Kilogramm Gewicht aufhalten. Allerdings ist es auch nicht unbedingt empfehlenswert, als etwas schwererer Mensch seinen Körper im hintersten Fond zu platzieren.

Interessant erscheint auf den ersten Blick der Preis. Die Basisversion mit 102 PS beginnt bei 20.460 Euro. Für den von uns gefahrenen TDI mit 170 PS und DSG werden schon 32.673 Euro fällig. Die Preise für den Twincharger stehen hingegen noch nicht fest.