9. März 2006

Fahrbericht VW Passat 3.2 V6: Sportlicher Allradler

Der VW Passat
Der VW Passat © Foto: Werk

VW hat den Passat neben der 3.2 V6-Maschine auch mit Allradantrieb ausgestattet. In dieser Kombination hinterlässt der Verkaufsschlager aus Wolfsburg einen nachhaltigen Eindruck - allerdings auch beim Preis.




Von Stefan Grundhoff

Der fast schon legendäre VW Passat W8 hat endlich einen legitimen Nachfolger. War der Achter mit seinem 275 PS starken Achtzylinder der zeitliche Lückenbüßer, bis der erste Phaeton aus der gläsernen Manufaktur rollte, so soll der neue Passat 3.2 V6 nicht nur auf dem Papier gegen die Premiumkonkurrenz kämpfen.


Blick zum Gipfel

Seit Markteinführung der neuesten Passat-Generation steht fest, dass sich Volkswagen mit der automobilen Mittelschicht allein nicht mehr zufrieden geben möchte. Das Wolfsburger Volumenmodell schielt deutlicher als zuvor nach oben auf den Gipfel; dort wo Audi, BMW, Mercedes und Volvo in der Sonne sitzen. Da man den beschwerlichen Anstieg auf allen vieren besser meistern kann, ist der Passat nun auch mit Allradantrieb zu haben.

Die Seitenlinie des Passat
Die Seitenlinie des Passat © Foto: Press-Inform

Beliebt in den europäischen Alpenregionen staffiert man mit dem intelligenten 4Motion-Konzept neben den Zweiliter-Versionen auch das neue Topmodell aus. Während in den USA bereits eine 3,6-Liter-Version des Passat verfügbar ist, muss man sich in Europa mit dem 3,2 Liter großen V6-Triebwerk aus dem Golf R32 zufrieden geben. Dank FSI-Technik leistet der Sechszylinder 184 kW / 250 PS. Optisch trägt der Passat seinen familiären Leistungszuwachs kaum zu Schau. Allein das Heck ziert ein kleiner Schriftzug und die beiden Auspuffrohre hätte VW durchaus etwas selbstbewusster in Szene setzen können.

DSG im Angebot

In der PS starken Mittelklasse hat man es als Fronttriebler schwer gegen die meist hinterradgetriebenen Gegner. Um Fahrdynamik und Image auf die Sprünge zu helfen, machen die VW-Ingenieure keine halben Sachen und lassen ihren Klassenbesten daher mit Allrad auf die Meute los. Damit das Paket auch wirklich stramm geschnürt ist und die Vorbilder aus Bayern und Baden-Württemberg nicht nur mit einem kurzen Augenaufschlag auf den 3,2er reagieren ist gleich noch das erfolgreiche DSG-Getriebe mit an Bord. Bekannte Passat-Qualitäten, 250 PS, 4Motion und DSG: reicht das, um in der ersten Reihe mitzuspielen? Die Allrad-Historie von VW hat mehr als 20 Jahre auf dem Buckel. Bereits im Jahre 1984 wurde der erste Passat Variant GT als Syncro vorgestellt. Bislang konnten mehr als 250.000 Volkswagen mit Allradantrieb verkauft werden.

Syncro war gestern - 4Motion ist heute. Die Kraftübertragung im Passat 3.2 V6 FSI funktioniert über eine Haldex-Kupplung. Gibt es Drehzahlunterschiede zwischen Vorder- und Hinterachse, wird das System gekoppelt. In Extremsituationen werden so bis zu 100 Prozent der Kraft an die Hinterachse übertragen. Im normalen Fahrbetrieb ist die Kraftverteilung 90:10 zugunsten der Vorderachse. Der erste Eindruck des Über-Passat ist überzeugend.

Entspannter Vorwärtsdrang

Ein Blick ins Cockpit
Ein Blick ins Cockpit © Foto: Press-Inform

Hier wurde kein V6 mit Allradantrieb aus dem Konzernregal hereingebastelt; dieser Passat wurde bereits für Allrad und für das satte Leistungsplus entwickelt. Fahrwerk, Bremsen und Lenkung arbeiten souverän. Nicht nur auf rutschigem Untergrund tut der Allradantrieb gut. Wie unangenehm 320 Nm Maximaldrehmoment an der Vorderachse zerren können, weiß jeder, der einmal im Grenzbereich einen Passat 2.0 TDI bewegt hat. 4Motion macht das ganze deutlich entspannter, die Kraft kommt sicher auf den (rutschigen) Boden. Trotzdem überraschen die Antriebskräfte, die der Passat 3.2 V6 FSI beim sportlichen Antritt an den Fahrer weitergibt. Auf rutschigem Untergrund wie Eis oder Schnee ist 4Motion jedoch eine Bank.

Das Mehrgewicht auf den Rippen kann der 4,76 Meter lange Passat jedoch nicht verhehlen. Durchs schwerere V6-Aggregat und den Allradantrieb hat der Wolfsburger deutlich zugelegt und wiegt nun 1,6 Tonnen. Doch wer sich für den V6 FSI entscheidet, dürfte sich nicht über einen Leistungsmangel beklagen können. 0 auf 100 km/h in 6,9 Sekunden und 246 km/h Spitze sind mehr als genug für die abendliche Sportstunde auf der Autobahn.

Trotz der Leistung verspricht VW einen Verbrauch von knapp unter zehn Litern SuperPlus auf 100 Kilometern. Das Direktschaltgetriebe DSG kann in Verbindung mit dem sanft grollenden Sechszylinder nicht vollends überzeugen. Bei sportlicher Fahrweise läuft der VW oft in einem ungewohnt niedrigen Gang. Ein hohes Geräuschniveau und ein mitunter ruckender Gangwechsel sind die logische Folge. Wer den Passat dagegen lässig seine Runden drehen lässt, merkt von alledem wenig. Hier arbeiten Motor und Getriebe gut zusammen. Die Gangwechsel laufen nahezu unbemerkt im Hintergrund ab.

541 Liter Kofferraumvolumen

Überraschenderweise hat das Kofferraumvolumen unter dem zusätzlichen Heckantrieb kaum gelitten. Statt der überdimensionalen 565 Liter Stauraum des Fronttrieblers stehen hier kaum kleinere 541 Liter zur Verfügung. So viel Raum und Allradantrieb bietet in dieser Klasse kein anderer.

Zu Hause bleiben muss trotz 4x4 also rein gar nichts. Wem der Kofferraum nicht reichen sollte, klappt die Rückbank einfach um. Die Zuladung liegt bei stattlichen 610 Litern und Dank 4Motion kann der VW bis zu 2.2 Tonnen an den Haken nehmen. Der Passat 4Motion ist nicht nur mit dem Topmodell 3.2 V6 FSI, sondern auch bei den kleineren Versionen 2.0 FSI und 2.0 TDI, zu bekommen. Der Basispreis für das den 3.2 V6 FSI 4Motion liegt bei 34.860 Euro; der Variant beginnt bei 36.135 Euro. Die Serienausstattung ist alles andere üppig. So lässt sich der Preis problemlos in Richtung 50.000-Euro-Marke drücken.






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