Mit Schnarchnasenbremse

Fahrbericht Volvo XC 60 2.4 D AWD

Auch der XC60 muss in die Werkstatt © Foto: Volvo

Mit dem im November startenden Volvo XC 60 wird es auf einen Schlag auch bei den kompakten Premium-SUVs eng im Segment. Denn auch Audi Q5 und Mercedes GLK wollen dem BMW X3 fortan das Leben schwer machen.

Von Martin Woldt

Willkommen im Klub der Spätzünder im Segment der kompakten SUVs, in das zuletzt der Renault Koleos von unten und Mercedes GLK und Audi Q5 von oben drängten. Gern mit der Attitüde, den Laden mal so richtig aufzumischen. Jetzt also auch noch der Volvo XC 60, der Mitte November in die Startblöcke tritt. Sollte er womöglich so spät dran sein, weil er sich besonders ansprechend präsentieren wollte, so ist ihm das durchaus gelungen. Denn er ist recht ansehnlich auf der Plattform von S80 und V70 modelliert worden. Hat gerade soviel Testosteron im Chassis, dass er unbehelligt übern Fahrdamm kommt, obwohl auf Grönland die Gletscher schwinden.

Automatische Stop-and-Go-Bremse

Auf einer Läge von 4,63 Meter hat es Volvo verstanden, dem Ganzen, immer noch gut 1800 Kilogramm schweren Gefährt eine gewisse leichte Note zu verpassen. Statt ausgestellter Muskelspiele gibt man sich lieber sozialverträglich und betont, ganz in der Tradition des Hauses, die «Safety-first-Strategie». Denn noch vor allen anderen Merkmalen betonen die Schweden die umfangreichen Sicherheitsausstattungen. Erstmals gibt es, und gleich in Serie, mit «City Safety» eine automatische Stop-and-Go-Bremse, die dort, wo es im Schrittverkehr häufig kracht, Entlastung schafft. Sie will die kleinen fiesen Karambolagen bis 30 km/h verhindern oder lindern, indem ein Laser unterhalb der Windschutzscheibe permanent das unmittelbare Fahrzeugvorfeld überwacht.

Spielraum für den Fahrer

Automatische Notbremse Foto: Volvo

So kann die Annäherung an anderer Leute Hinterteil mit einer automatischen Vollbremsung unterbunden werden, während der Fahrer vielleicht gerade abschweifend «Deutschlands saudümmste Banker» beneidet. Das automatische Bremsen funktioniert wirklich gut und sorgt dafür, sollte das Hindernis nicht allzu plötzlich auftauchen, dass der Volkswirtschaft nach dem KfW-Schaden ein weiterer erspart bleibt. Gleichzeitig belässt es dem Fahrer noch hinreichend lange Spielraum, die Gefahr selbst zu bereinigen, ehe es die Notbremsung auslöst.

Hochgerüstet im Stadtverkehr

Elegante Erscheinung Foto: Volvo

«City Safety» ist nur eines von einer ganzen Reihe serienmäßiger Sicherheitsmerkmale des XC 60. Dazu gehören auch ein Schleudertraumaschutz, ESP mit Berganfahrhilfe, Gurtstraffer mit Gurtkraftbegrenzung. Und doch weist «City Safety» indirekt auf eine der größten Schwächen des XC60 hin. Der Gedanke, damit insbesondere im Stadtverkehr und über die kurze Distanz gut gerüstet zu sein, wirft zugleich die Frage auf, ob man wirklich 163 PS dafür benötigt? Soviel nämlich stemmt der 2.4 Liter Einstiegsdiesel und gönnt sich unter städtischen Bedingungen knapp zehn Liter auf 100 Kilometer. Die gleiche Menge wie auch der 185 PS starke D5, den Volvo hierzulande als den Favoriten wähnt. Bei soviel Hightech-Sicherheit war offensichtlich keine Platz, noch wenigstens ein Feigenblatt wie die Schaltpunkteanzeige im Audi Q5, geschweige denn tiefer greifende Spritspartechnik, einzubauen. Dass 2009 noch eine Diesel ohne permanenten Allradantrieb nachgereicht wird überzeugt bei deren 175 PS kaum.

Eleganter Innenraum

Viel Innenraumkomfort Foto: Volvo

Solange man nicht an die Tanksäule muss, wirken solche Gedanken wie Miesmacherei. Okay, die Fünfzylinder gurgeln etwas lauter als andere Diesel. Aber das Fahrgefühl hat Volvo voll im Griff. Lenken, Schalten, Beschleunigen fügen sich gut ein in diesen wirklich eleganten Innenraum mit seiner sanft zum Fahrer geneigten Mittelkonsole. Im Kniebereich der Rückbank lässt es etwas nach. Aber mehr Freiheit war auf der Plattform wohl nicht drin, die ja auch noch einen 495 Liter großen Kofferraum mitbringt. Und auch wenn die Betonung des Preises nicht das Amen des Kritikers bedeutet: Für 33.900 Euro bekommt man keine vergleichbaren kompakten Premium SUV. Andererseits, wer es nicht ganz so elegant, nicht ganz so üppig braucht, und unter Umständen passender motorisiert sein möchte, hat bei den kompakten SUV wie Ford Kuga, VW Tiguan und Co. noch etliche preiswertere Alternativen.