26. Mai 2010

Fahrbericht Volvo S60 Ende des Alptraums

Der Volvo S60
Der Volvo S60 © Volvo

Volvo bringt im September den S60 auf den Markt. Die Limousine fährt sich nicht nur sehr dynamisch, sondern verfügt auch über etliche Sicherheitsfeatures. Darunter eine Fußgänger-Erkennung. Sie kann helfen, tödliche Unfälle zu vermeiden.




Von Frank Mertens

Es ist der Alptraum eines jeden Autofahrers: Man ist abgelenkt und schaut einen Moment nicht auf die Straße. Im gleichen Augenblick läuft ein Kind auf die Fahrbahn. Wertvolle Sekunden zum Abbremsen sind verstrichen. Der Unfall ist unvermeidbar. Bis zu 90 Prozent aller Verkehrsunfälle sind auf eine Unachtsamkeit des Fahrers zurückzuführen. In Europa enden allein 14 Prozent aller Unfälle mit Fußgängern tödlich. Volvo versucht mit einer neuen Technologie, diese Zahl weiter zu reduzieren, der Fußgänger-Erkennung.


Radar erkennt Fußgänger

Im Zusammenspiel einer auf Höhe des Rückspiegels angebrachten Frontkamera und eines Radars am Kühlergrill erkennt dieses System nicht nur stehende Objekte, sondern auch Fußgänger. Erfasst das System ein Objekt vor dem Fahrzeug, leitet es eine automatische Vollbremsung ein, falls der Fahrer nicht rechtzeitig reagiert.

Das hört sich in der Theorie gut an, doch funktioniert es auch in der Praxis? Es funktioniert – zumindest bis zu einer Geschwindigkeit von 35 km/h. Mit diesem Tempo unterwegs, kam der S60 bei Testfahrten Millimeter vor einem Dummy zum Stehen. Einen Nachteil hat dieses System allerdings: Es funktioniert bislang nur am Tag. "Nachts ist das System noch nicht in der Lage, die Objekte zu erkennen", sagt Jonas Tisell, bei Volvo zuständig für die aktive Sicherheit. "Doch wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass das System in der nächsten Entwicklungsstufe auch bei höherem Tempo und auch bei Dunkelheit funktioniert", fügt Tisell hinzu.

Doch schon in der jetzigen Form ist das System in der Lage, tödliche Unfälle zu verhindern. Damit stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit dieses Systems auch nicht mehr. Der Preis, den Volvo dafür aufruft, dürfte auch kein Grund sein, sich gegen dieses System zu entscheiden. Zusammen mit dem Totwinkelassistenten (BLIS) und dem Müdigkeitswarner (Driver Alert) verlangen die Schweden für das Fahrassistenzpaket 1950 Euro – ein fairer Preis.

Konkurrenz zu Audi A4 und BMW 3er

Ohnehin ist dieser Volvo kein günstiges Auto. Doch das ist auch nicht beabsichtigt. Volvo sieht sich selbstbewusst als Premiummarke. Und als solche will man eine Alternative beispielsweise zu einem Audi A4 oder einem BMW 3er darstellen. Wer Lust auf den S60 hat, muss dafür zum Marktstart im September mindestens 27.000 Euro auf den Tisch des Händlers legen. Dafür bekommt man den 1.6 Liter-Benziner mit 150 PS. Insgesamt bietet Volvo fünf Benzin- und drei Dieselmotoren an, deren Leistung von den besagten 150 bis zu 304 PS reichen.

Von uns getestet wurde unter anderem der S60 D5 mit 205 PS und Allradantrieb (Basispreis 38.550 Euro) – bei den Selbstzündern das Topmodell. Wer so unterwegs ist, wird überrascht sein, mit welcher Dynamik die Limousine um die Kurven fegt. Das Fahrwerk ist knackig abgestimmt, aber dennoch komfortabel. Die direkte Lenkung trägt ihren Teil dazu bei, dass man sich in diesem Auto ausgesprochen sportlich bewegen kann. Zwar benötigt der S60 einen Moment des Luftholens, doch dann entfaltet der Fünfzylinder seine Kraft um so drangvoller.

Sein maximales Drehmoment von 420 Newtonmetern stellt er in Kombination mit der gut abgestimmten Sechsgang-Automatik zwischen 1500 und 3250 Umdrehungen in der Minute zur Verfügung. In 8,1 Sekunden sprintet der S60 auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h. Volvo verspricht einen Durchschnittsverbrauch von 6,8 Litern.

Trotz einer Länge von immerhin 4,63 Metern fährt sich der S60 nicht nur recht dynamisch, sondern sieht auch noch ausgesprochen kompakt aus. Von hinten sorgt ein silbernen Unterfahrschutz für eine durchaus ansehnliche Note. Da Volvo mit dem S60 nicht weniger will, als der etablierten Konkurrenz von Mercedes, BMW und Audi Kunden streitig zu machen, hat man auch im Innenraum zugelegt. Die Materialien sehen nicht nur gut aus, sondern fühlen sich auch gut an.

Alternative im Premiummarkt

"Wir wollen eine Alternative im und vor allem zum deutschen Premiummarkt sein", sagt Volvo-Deutschlandchef Bernhard Bauer. Für dieses Jahr hat sich Bauer ein hohes Ziel gesetzt. Er peilt einen Absatz von insgesamt 30.000 Fahrzeugen an. Davon sollen in einem vollen Jahr rund 10 Prozent auf den S60 entfallen. Ein Ziel, das mit diesem rundherum überzeugendem Auto zu erreichen sein dürfte.

Ende des Jahres folgt dann der Kombi V60. Vor allem im Geschäftskundenbereich hofft Bauer darauf, mit dem S60 Kunden zu gewinnen. Mit welcher Eroberungsrate er rechnet, sagt der Volvo-Deutschlandchef aber nicht. Volvo-Sprecher Olaf Meidt verweist in diesem Zusammenhang jedoch auf den XC60. Er bringt es immerhin auf eine Eroberungsrate von mittlerweile über 30 Prozent. Wenn das auch dem S60 ansatzweise gelingt, dann erwächst den deutschen Premiummarken hier eine ernstzunehmende Konkurrenz.






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