Konsequente Inkonsequenz

Toyota Urban Cruiser

Der Toyota Urban Cruiser © Foto: Toyota

Automobilhersteller setzen immer stärker auf die Miniaturisierung großer Modelle. Auch der Toyota Urban Cruiser ist eine Art SUV für die Stadt. Bei den Absatzzahlen geben sich die Japaner zurückhaltend.

Von Peter Eck

Unsere Autos müssen künftig leichter und kleiner werden. Um mehr Kunden in die Kleinwagen-Klassen zu locken, setzen die Hersteller auch immer stärker auf die Miniaturisierung großer Modelle. Neuestes Beispiel ist der Toyota Urban Cruiser, der als eine Art SUV für die Stadt ab sofort auf Kundenfang geht. Es gibt ihn wahlweise mit Benzinmotor und Frontantrieb oder als Diesel mit Allradtechnik. Die Preisliste zeigt eine Spanne von 16.950 Euro bis 24.000 Euro.

Umweltfreundlichstes Allradauto

Dieser recht große Unterschied rührt her von den zwei Gesichtern des Urban Cruiser. Die Version mit dem 74 kW/101 PS starkem Benzinmotor und Frontantrieb spart Kosten und erlaubt in Verbindung mit der Grundausstattung einen Einstiegspreis von unter 17.000 Euro. Als Diesel mit 66 kW/90 PS fährt der Urban Cruiser immer mit Allradantrieb und kommt so der Vorstellung eines Mini-SUV schon viel näher. Da er aber erst ab der mittleren Ausstattungsversion mit Selbstzünder zu haben ist, werden mindestens 22.950 Euro fällig.

Dass zu diesem Preis viele Menschen zum Diesel greifen, glaubt Toyota selbst nicht und rechnet mit einem Verkaufsanteil von 25 Prozent. Dabei benötigt der Urban Cruiser mit D4-D-Motor nur 4,9 Liter Treibstoff auf 100 Kilometern und ist laut Toyota mit dem daraus resultierenden CO2-Ausstoß von 130 Gramm das umweltfreundlichste Allradfahrzeug der Welt.

75 Prozent für Benziner

Nicht so kastenförmig wie die Kollegen Foto: Toyota

Drei von vier Käufern werden also zum Benziner greifen. Ein Fahrzeug in SUV-Optik ohne SUV-Eigenschaften klingt zwar irgendwie inkonsequent, ist aber bei näherer Betrachtung das genaue Gegenteil. Denn der Urban Cruiser ist - wie sein Name schon deutlich sagt - ein Auto für die Stadt und nur für die Stadt. Da braucht es keinen Allradantrieb und keinen durchzugsstarken Diesel.

Der 1,33-Liter-Benziner treibt die Vorderräder an und tut dies ausreichend geschmeidig. Wer allerdings etwa auf Spurtqualitäten setzt, wird enttäuscht. Bei höheren Drehzahlen geht dem Ottomotor schnell die Puste aus. Dafür hat diese Version ein gut funktionierendes Start-Stopp-System an Bord, das seinen Teil zum offiziellen Durchschnittsverbrauch von 5,5 Litern beiträgt. Leider will Toyota vorerst keine weiteren Motoren für den Urban Cruiser anbieten, dabei würde dem Fahrzeug eine etwas stärkere Version sicher gut tun.

Hervorragende Platzverhältnisse

Sehr gute Platzverhältnisse Foto: Toyota

Abgesehen davon hat Toyota seinen neuen Stadtwagen gewohnt souverän auf die Räder gebracht. Die Platzverhältnisse sind angesichts von 3,93 Metern Gesamtlänge schlicht hervorragend, selbst zwei Erwachsene finden auf der hinteren Bank noch gut Platz. Zahlreiche Ablagen und Flaschenhalter erleichtern den Auto-Alltag und die Verarbeitung ist auf hohem Niveau.

Der Kofferraum bietet Platz für mindestens 305 Liter Gepäck, beim Benziner sind es 314 Liter. Das Volumen lässt sich durch Umlegen der Rücksitze auf beachtliche 749 Liter erweitern. Leider ist der Ladeboden dann nicht eben und die Ladekante recht hoch. Punkten kann der Urban Cruiser mit der längs verschiebbaren Rückbank, allerdings gibt es dieses nützliche Feature nur für den Benziner. Der Käufer des Diesel muss wegen des Platzbedarfs für den Allradantrieb darauf verzichten.

Konservatives Absatzziel

Konservative Absatzziele Foto: Toyota

Rund 2500 Käufer will Toyota in Deutschland in den verbleibenden acht Monaten dieses Jahres noch finden. Ob das Konzept wirklich ankommt, wird man aber erst nach zwei bis drei Jahren wissen. Toyota sieht auf jeden Fall «solides Wachstumspotenzial» und hat das Absatzziel wohl eher konservativ formuliert. Zum einen rechnet man mit einigen Käufern, die die inzwischen nicht mehr angebotene dreitürige Version des RAV4 fahren oder fuhren.

Weitere Kunden sollen von anderen Marken eingefangen werden, vornehmlich solche, die sich bislang im Kompaktklassensegment tummelten und sich nach einem anderen Fahrzeugkonzept umsehen. Ob diese Strategie auf dem deutschen Markt aufgehen kann? Da scheint man sich bei Toyota selbst noch nicht ganz sicher zu sein. (mid)