13. April 2012

Fahrbericht Nutzfahrzeug in der Nische Toyota Hilux: Unverwüstbares Arbeitstier

Der Toyota Hilux ist für den harten Einsatz konzipiert
Der Toyota Hilux ist für den harten Einsatz konzipiert © Toyota

Als alltagstaugliches Freizeitauto ist der Toyota Hilux nicht geeignet. Der japanische Pickup offeriert seine Stärken unter harten Arbeitsbedingungen.




Von Günter Weigel

Der Toyota Hilux gehört zu den Urgesteinen der Marke und ist wie der Land Cruiser nicht unerheblich am Image der Haltbarkeit von Toyota-Modellen beteiligt. Das unterstrich er nicht zuletzt in einem kultigen Fernsehauftritt bei der britischen Motorsendung "Top Gear". Die Redaktion versuchte vergeblich einen betagten Hilux, durch Verbrennen, Sprengen, im Meer parken und diverse Unfälle am Fahren zu hindern. Der ramponierte Pick-up sprang immer wieder an und humpelte zuletzt auf eigener Achse ins Fernsehstudio, nachdem er auch den Abriss eines Hochhauses auf dessen Dach überstanden hatte.


Toyota Hilux als Transporter für Gröberes

Ganz so hart wollten wir den Hilux nicht rannehmen – es wollte auch niemand sein Hochhaus zur Sprengung zur Verfügung stellen. Deshalb nutzten wir das automobile Arbeitstier so wie es eigentlich gedacht ist: als Transportmittel für Gröberes auf allen Wegen. Genau dazu ist der Hilux in der Version Single-Cab prädestiniert.

Schnöde Alltagsfahrten zum Supermarkt hingegen sind nicht sein Ding. Die Kabine beherbergt zwei Sitze, Platz für Einkäufe gibt es ausschließlich auf der Ladefläche. Da passen zwar prima 30 Sack Rindenmulch drauf, aber zwei Körbe mit Lebensmitteln rutschen nur haltlos herum und im Regen möchte man sie auch nicht dort platzieren. Für Probleme dieser Art offeriert Toyota aber neben ganz anderen Autos auch den Hilux als Double oder Extra-Cab mit vier Türen und fünf Sitzen.

Toyota Hilux als Traktorersatz

30 Sack Rindenmulch passen zum toyota Hilux
30 Sack Rindenmulch passen zum toyota Hilux © SP-X

Der Zweisitzer ist eben ein Arbeits- und kein Freizeitauto, wie manch anderer Pick-up. Während Pick-ups in den USA und in vielen Ländern der Erde, die über mehr Gegend als Straßen verfügen, besonders beliebt sind, fristen sie in Deutschland selbst als Arbeitsfahrzeug ein Nischendasein. Bauhöfe, Straßenbetriebe und Handwerker hierzulande nehmen Pritschenwagen, die auf gängigen Transportern basieren, Pick-ups werden eher als Lastenträger fürs Hobby genutzt.

Dabei könnten sie, anders als die gängigen Transporter-Ableger, besonders in ländlichen Gebieten und bei der Waldarbeit manchen Traktor wohl ersetzen, der nur noch als Zugmaschine eingesetzt wird. Der Hilux ist mit seinem zuschaltbaren Allradantrieb jedenfalls für Kraxeleinsätze auch in steilen Waldwegen bestens präpariert.

Unbeladener Toyota Hilux mit nervösem Fahrverhalten

Im Gelände fühlt sich der Toyota Hilux wohl
Im Gelände fühlt sich der Toyota Hilux wohl © Toyota

Sein 2,5-Liter Diesel leistet 106 kW/144 PS und stemmt ehrlich 344 Newtonmeter maximales Drehmoment an die Antriebsräder. Er klingt jederzeit kernig, aber nicht unangenehm und durchaus zum Genre passend. Auf der Landstraße erweist sich der Hilux trotz seiner Länge von 5,26 Metern als ausgesprochen handlich. Wobei er unbeladen und nur mit Hinterradantrieb gefahren ein bisschen zu leicht auf der Hinterachse ist und ein ums andere Mal auf feuchter Straße in Kurven etwas schwänzelt. Da er wohl eher nicht als Sportgerät erworben wird, ist diesbezüglich ein sanfter Gasfuß gefragt, zumal ein zügelndes ESP, bei Toyota VSC genannt, nur für die Topversion Extracab lieferbar ist.

Das etwas nervöse Fahrverhalten ändert sich, sobald der Pickup beladen ist. Dann liegt er satt auf der Straße. Für wilde Überholvorgänge ist er weder leer noch beladen ausgelegt, die 144 Pferdchen unter der Haube beschleunigen ihn nichtsdestotrotz auf eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h.

Zweckmäßige Ausstattung für den Toyota Hilux

Toyota gibt den Verbrauch für den Hilux mit 7,3 Litern an
Toyota gibt den Verbrauch für den Hilux mit 7,3 Litern an © SP-X

Der Verbrauch liegt im Alltag um neun Liter, 7,3 Liter gibt Toyota als Normwert an. Das ist absolut in Ordnung für ein Arbeitsauto, das auf das Schleppen von Lasten ausgelegt ist und nicht auf Sparsamkeit. Apropos sparsam: die Basisversion des Hilux kostet 21.420 Euro, unser mit Allradantrieb ausgestaltetes Exemplar startet bei 25.168 Euro. Der hohe Aufpreis erklärt sich auch durch die zuschaltbare Untersetzung und die Hinterachsdifferenzialsperre, die den Pick-up zum echten Geländegänger macht.

Die Ausstattung ist ansonsten zweckmäßig. Ein Schiebefenster hinten sorgt für eine frische Brise ohne großen Zug. Die manuelle Klimaanlage kostet 1249 Euro Aufpreis, das Radio 476 Euro und ein Navisystem 952 Euro. Die in diesem Genre mindestens ebenso wichtige Anhängerkupplung berechnet Toyota mit 505 Euro extra. Alles in allem ist der Hilux als Single-Cab ein echtes Nutzfahrzeug. Es nützt Gärtnerbetrieben oder Hobbygärtner mit großem Transportbedarf. Als Alltagsauto ist er nicht ausgelegt. (SP-X)






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