30. August 2010

Fahrbericht Toyota Auris Hybrid Öko für die Stadt

Der Toyota Auris HYbrid
Der Toyota Auris HYbrid © Toyota

Seine Stärken spielt ein Hybrid vor allem im Stadtverkehr aus. Dort also, wo es viele Start- und Stopphasen gibt. Der Toyota Auris spielt in Ballungsräumen seine Stärken voll aus.




Von Silker Koppers

Keine Gegend in Europa ist so dicht besiedelt wie das Ruhrgebiet. Wo früher rauchende Schlote standen, gibt es heute grüne Parkflächen und quirlig bunte Städte. Passend zum Wandel des Ballungsgebietes verändert sich spürbar die Mobilität. Neben innovativen Konzepten des öffentlichen Nahverkehrs spielen dabei auch kleine Autos und umweltfreundliche Pkw-Antriebe eine zunehmende Rolle. Genau deshalb präsentierte Toyota seinen Auris Hybrid in den Ruhrmetropolen Essen und Duisburg. Der Kompakte steht ab dem 18. September zu Preisen ab 22 950 Euro bei den Händlern.


Kraft der zwei Herzen

Mit dem Japaner hält die Doppelmotortechnik, bestehend aus dem 1,8 Liter-Vierzylinder-Benzinmotor mit 73 kW/99 PS Leistung und einem 60 kW/82 PS starken Elektromotor, Einzug in die beliebteste Fahrzeugklasse der Deutschen. 17 Prozent aller hierzulande gemeldeten Pkw sind Kompaktklässler. Bislang hatten zum umweltfreundlichen Antrieb geneigte Kunden nur die Wahl zwischen teuren Luxusmodellen und Design-Sonderlingen vom Schlage eines Toyota Prius. Der Auris Hybrid will das ändern und tritt gegen Wettbewerber wie VW Golf und Ford Focus an.

Im Gegensatz zu ihnen tritt die fünftürige Steilhecklimousine rein elektrisch und damit geräuschlos ihre Fahrt an. Durch die Abwesenheit von Motorengeräuschen vermeint man nicht zu fahren, tatsächlich ist der Toyota jedoch genauso schnell wie alle anderen Autos. Bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h und über eine Distanz von zwei Kilometern kann das Fahrzeug so durch die Straßen gleiten. Dann ist der gespeicherte Stromvorrat erst einmal aufgebraucht, bis der Benzinmotor und das Bremsenergierückgewinnungssystem für energetischen Nachschub sorgen.

Zwei Fahrprogramme wählbar

Der Verbrennungsmotor dient vor allem bei Geschwindigkeiten über 50 km/h als Hauptantrieb. Nebenbei lädt er bei Bedarf als Generator die Batterie auf, die den Elektromotor mit Strom versorgt. Zusätzlich kann der Fahrer zwei weitere Fahrprogramme per Knopfdruck wählen: den sogenannten Eco-Modus, der das Hybridsystem auf maximale Sparsamkeit ausrichtet, und den Power-Modus für eine stärkere Kraftentfaltung, die sich beim Tritt auf das Gaspedal durch ein besseres Ansprechverhalten bemerkbar macht.

Gemeinsam leisten die beiden Motoren 100 kW/136 PS. Beide Triebwerke teilen sich die Arbeit stets so, dass am Ende ein möglichst geringer Spritverbrauch in der Bilanz steht. Den gibt der Hersteller mit durchschnittlich 3,8 Litern Superbenzin auf 100 Kilometern an, was einer CO2-Emission von nur 89 g/km entspricht. In der Praxis sind mit einem angepassten Fahrverhalten 4,3 Liter Spritverbrauch auch auf der Standarddistanz möglich. Je nach Autobahnanteil und der Fahrweise genehmigt sich der Auris Hybrid aber auch schon mal sechs Liter Kraftstoff.

Ruckfreier Vortrieb

Vom verzweigten Zusammenspiel der Motoren merkt der Fahrer nahezu nichts. Dafür kann er es über die Anzeige in einem der beiden Rundinstrumente im Cockpit verfolgen. Die beiden Triebwerke schalten sich ruckfrei und geräuschlos zu oder ab und verrichten ihre Arbeit ruhig und zuverlässig. Ein temperamentvolles Verhalten darf jedoch von der Elektro-Otto-Kombination nicht erwartet werden. Weniger die Leistung als vielmehr das zähe stufenlose, elektrisch gesteuerte Getriebe macht dem Fahrer hier einen Strich durch die Rechnung. Daher dauert die Beschleunigung von null auf 100 km/h auch 11,4 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 180 km/h erreicht.

850 Euro über Normalversion

Der Einstiegspreis von 22950 Euro liegt 850 Euro über der Normalversion mit 2,0-Liter-Diesel-Motor. Vom antriebstechnisch identischen, aber etwas größeren Prius trennen den Auris rund 2 500 Euro. Die Serienausstattung umfasst unter anderem sieben Airbags, eine Berganfahrhilfe, LED-Tagfahrlicht, eine Klimaautomatik, 15-Zoll-Leichtmetallfelgen und CD-Radio. Um die finanzielle Hürde für mögliche Interessenten abzusenken, gibt es unter dem Namen "Toyota Komplett" ein Finanzierungsprogramm, in dem auch die Kostenübernahme für Werkstattaufenthalte, eine auf fünf Jahre verlängerte Garantie und eine genauso lang gültige Mobilitätsgarantie enthalten sind. Darüber hinaus gibt es günstige Versicherungskonditionen.

Die Leistungsdaten herkömmlicher Kompaktklässler sind zwar besser, doch beim Auris Hybrid steht nicht die Sportlichkeit, sondern der Verbrauch im Vordergrund; und an den reichen die bisher üblichen Verbrennungsmotoren allein nicht ran. Zugunsten der Hybridtechnik muss allerdings im Vergleich zum normal motorisierten Auris auf 40 Liter Gepäckraum verzichtet werden. Die Nickel-Metallhydrid-Batterie des Elektromotors ist im Kofferraum untergebracht, so dass dieser lediglich 310 Liter fasst.

Getarnt wird die durch die Batterie entstandene Stufe als zusätzliches Staufach unter dem Laderaumboden. Durch das Umlegen der Rücksitzlehnen wächst das Volumen auf 1290 Liter, bleibt damit aber unter dem Klassendurchschnitt. Die Passagiere können sich hingegen nicht über Platzmangel beschweren, sowohl vorn als auch im Fond liegen Kopf- und Beinfreiheit auf ordentlichem Niveau. Rund 1 800 Einheiten des Auris Hybrid will Toyota noch in diesem Jahr in Deutschland absetzen, 2011 sollen es bereits 2 800 Stück sein.

Äußerlich gibt sich der Neue unauffällig. Lediglich in Details wie dem geänderten Stoßfänger und einigen Hybridplaketten an der Karosserie unterscheidet er sich von den bisher erhältlichen Auris-Versionen. Doch genau das dürfte Autofahrer ansprechen, die sich mit der konsequent aerodynamischen Tropfen-Karosserie des Schwestermodells Prius nicht anfreunden konnten. Auch der Innenraum verlangt keine Umstellung: Instrumentierung und Bedienung des Hybridautos gleichen denen von Benziner und Diesel weitgehend.

Lediglich der Drehzahlmessers wurde durch eine Ladungs-Entladungs-Anzeige für die Batterie ersetzt und statt eines Gangwahlhebels thront ein kleiner Joystick auf der Mittelkonsole. Der Toyota Auris Hybrid zeichnet sich als urbanes Vehikel aus. So wie das Ruhrgebiet sich verändert hat, markiert der hybride Auris den Wandel von verbrauchsstarken, verbrennungsmotorbetriebenen Fahrzeugen hin zu einer umweltfreundlichen Mobilität für die große Zahl der Stadtbewohner. Nicht nur im Pott. (mid)






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