Suzuki SX4 4×4: Quirliger Wühler

Suzuki SX4 © Foto: Werk

Bei den Verkaufszahlen hinkt die Allradversion des Suzuki SX4 gegenüber dem reinen Fronttriebler etwas hinterher. Dabei entpuppt sich der «Urban-Cross-Car» als erstaunlich geländegängig, wie unser Test zeigt.

Von Michael Langenwalter

Als Sport Utility Vehicle oder kurz SUV wird inzwischen ja schon jeder Pkw bezeichnet, der mit etwas Plastik rund um die Bordwände, verstärkten Stoßfängern vorne und hinten und einer Dachreling zumindest optisch einen auf geländetauglich macht. Die entsprechende Technik für's Grobe fehlt jedoch meist. Mit solchen Kreationen will Suzuki als ausgewiesener Offroad-Spezialist nichts zu tun haben. Um das auch nach außen zu kommunizieren, erfanden die findigen Japaner für den SX4 kurzerhand das Segment des «Urban-Cross-Car» (UXC), in dem sich künftig Kleinwagen mit echten Geländeattributen tummeln sollen. Stolz präsentiert Suzuki seine jüngste Modellkreation als «Ersten seiner Art». Was allerdings nicht ganz stimmt. Denn der SX4 läuft in Ungarn unter der Bezeichnung Sedici auch für den Kooperationspartner Fiat vom Band.

Rudimentäre Basisversion

Vorteil Suzuki: die Japaner bieten ihren Kunden mehr. Die haben hier unabhängig vom Motor die Wahl, ob sie den SX4 als reinen Fronttriebler oder in der Allradversion bestellen möchten. Eine Ausnahme macht da nur der Basis-SX4 mit dem 1,5-Liter-Einstiegsmotor und einer Leistung von 75 kW/99 PS. Das ist mit einem Preis ab 14.500 Euro zwar die günstigste SX4-Variante, fällt aber schon allein ob der eher rudimentären Sicherheitsausstattung (Seiten- und Vorhangairbags sowie ESP fehlen ganz) aus dem Rahmen.

20 Zentimeter mehr Bodenfreiheit

Die Bodenfreiheit sieht man dem SX4 an Foto: AG/Langenwalter

Bleiben für den Allradler also der 1,9-Liter-Diesel oder der 1,6-Liter-Benziner. Warum denn sonst bietet der Kleinwagen 20 Zentimeter mehr Bodenfreiheit als allgemein üblich. Für einen besseren Überblick allein bestimmt nicht. Trotz seiner Höhe von 1,62 Meter fährt sich der SX4 ausgesprochen handlich, große Schwankbewegungen bleiben aus. Überhaupt zeigt sich das Fahrwerk sehr knackig. Nur die Lenkung könnte auf der Straße einen Tick direkter sein. Im Gelände ist das dann kein Thema mehr.

Typisches Nageln

Das 4x4-Logo weist auf den Allradantrieb hin Foto: Suzuki

Der 1,9 DDIS-Diesel ist das Universal-Modell von Fiat und wird schon von diversen Herstellern eingesetzt. Der Common-Rail-Selbstzünder entwickelt eine Leistung von 88 kW/120 PS und hat ein maximales Drehmoment von 280 Newtonmetern, die bei 2000 Umdrehungen anliegen. Ein Partikelfilter ist beim Vierzylinder Serie. Das Kraftpaket beschleunigt den SX4 4x4 in 11,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Bei 180 km/h Spitze ist dann Schluss. Als Durchschnittsverbrauch gibt Suzuki ordentliche 6,6 Liter auf 100 Kilometer an, was einem CO2-Ausstoß von 174 g/km entspricht. Zu erkennen ist die Dieselversion an der Sechsgang-Schaltung, die mit Schwung geführt werden will, sowie am typischen Diesel-Nagel im Bereich knapp unter 2000 Umdrehungen. Der 1,9 DDIS i-AWD kostet ab 19.700 Euro - das ist nicht gerade billig.

2000 Euro günstiger ist der von Suzuki gebaute 1,6 VVT-Benziner unter der Haube. Der Vierzylinder mit variabler Ventilsteuerung ist stets mit einem Fünfgang-Getriebe kombiniert. Auch hier gilt: sauber schalten. Den Top-Benziner beim SX4 mit 79 kW/107 PS hört man kaum, wenn er den 4,14 Meter langen, rustikal daherkommenden SX4 auf Touren bringt. Das maximale Drehmoment von 145 Nm liegt bei 4000 Umdrehungen an. Die weiteren Daten: 0 auf 100 km/h in 11,5 Sekunden; 170 km/h Spitze. Der Verbrauch liegt laut Werk bei 7,1 Liter Super auf 100 Kilometer, das macht einen CO2-Ausstoß von 173 g/km.

Praktischer Schalter

Alles ist auf Robustheit ausgelegt Foto: AG/Langenwalter

Abseits normaler Straßen sind all diese Daten natürlich vollkommen nebensächlich. Hier zählen andere Aspekte. Mittels eines praktischen Schalters neben der Handbremse kann der Fahrer im Allrad-SX4 zwischen reinem Frontantrieb, Allrad-Automatik sowie gesperrtem Allrad-Modus nach Bedarf wechseln. Dadurch kommt man mit dem SX4 auch auf rutschigem Untergrund, in den Bergen oder auf ausgefahrenen Waldwegen noch weiter, wenn für andere schon längst Schluss ist.

In Stellung «4WD-Auto» wird, sobald an den Vorderrädern Schlupf gemessen wird, bis zu 50 Prozent Drehmoment an die Hinterachse geleitet. Das gut abgestimmte ESP regelt sowohl den Diesel wie auch den Benziner behutsam herunter. Für die kniffligen Passagen leitet im «4WD Lock» eine Mehrscheiben-Trocken-Kupplung die Antriebskräfte zu gleichen Teilen an Vorder- und Hinterachse.

Robustheit als Prinzip

Auf Robustheit ist auch das Innere des auffällig gezeichneten SX4 ausgelegt. Alles ist schlicht und zweckmäßig in grau gehalten. Nicht besonderes, eben solide, genau so wie die großen Schalter. Die Sitze bieten guten Halt. Platz gibt es ausreichend, nur der Kofferraum fällt mit 270 Liter etwas klein aus.

Kleiner sind auch die Verkaufsmargen, die Suzuki für die Allradversionen des SX4 vermeldet - noch. «Der Allradanteil beim SX4 liegt von Januar bis Mai diesen Jahres bei etwa 39 Prozent», so Jörg Machalitzky aus der Suzuki-Presseabteilung - aber mit steigender Tendenz. Denn die 2500 Euro Aufpreis zum reinen Fronttriebler sind allein schon aus Sicherheitsgründen gut angelegt, wenn man nicht nur in der Stadt unterwegs ist. Nicht zu vergessen natürlich der Fun-Faktor: im Dreck wühlen macht einfach Spaß.