5. Juli 2009

Fahrbericht Secma F16 Leichte Taschen-Rakete

Der Secma F16
Der Secma F16 © Foto: Secma

Der Secma F16 kann einen Porsche 911 nass machen, kostet aber nur 17.990 Euro. Unter der Kunststoffkarosse steckt Großserientechnik von Renault. Wir sind die Taschenrakete aus Frankreich bereits gefahren.




Von Sebastian Viehmann

«Wenn jemand anders fährt, setze ich mich grundsätzlich nicht daneben», sagt Hardy Dupont. Doch zuerst will er selbst zeigen, was in seinem 2,75 Meter langen Spaßmobil steckt. Dupont hält sich am Überrollbügel fest, stellt beide Beine in den Fußraum und lässt sich dann in den Schalensitz plumpsen - «so steigt man am besten ein», sagt der Secma-Importeur. Ein Dreh am Zündschlüssel erweckt den 1,6 Liter großen Vierzylinder hinter den Sitzen zum Leben. Der wassergekühlte 16V-Reihenmotor leistet 77 kW/105 PS bei 5750 Umdrehungen, entwickelt ein maximales Drehmoment von 148 Newtonmetern und stammt von Renault. Dupont schaut kurz nach rechts, tritt aufs Gas und jagt den Secma F16 vom Hof seiner Firma in St. Wendel. Nach wenigen Minuten ist eine kurvenreiche Landstraße erreicht, und Dupont gibt Gummi.


Ohne ABS und ESP

Der Secma schießt wie von der Tarantel gestochen davon, nähert sich einer abschüssigen Linkskurve und jagt an zwei Autos vorbei. «Schade, dass hier soviel Verkehr ist, normalerweise nehme ich diese Kurve mit vollem Tempo», ruft Hardy Dupont durch den Fahrtwind. Und erzählt von seiner ersten Fahrt im Secma auf der Nürburgring-Nordschleife: «Schon in der dritten Runde habe ich einen Serien-911er in Schach gehalten.»

Das Geheimnis ist das Gewicht. Gerade einmal 560 Kilo bringt der F16 auf die Waage und hat sich im Gegensatz zu vielen mit Technik voll gestopften Sportwagen das Prädikat „puristisch“ redlich verdient. «Natürlich können Sie viel später in die Eisen steigen, wenn Sie nur 560 Kilo bremsen müssen», sagt Dupont. Der F16 ist ein Sportgerät, in dem Fahranfänger freilich nichts verloren haben: «Hier gibt es kein ABS, kein ESP, keinen Bremskraftverstärker - dieser Roadster hat nichts, was man nicht unbedingt zum Fahren braucht. Vor allem auf nasser Straße muss man schon aufpassen, da wird das Heck schnell leicht», sagt Hardy Dupont.

Entspannt um die Kurven

Sieht aus wie im Matchbox-Auto
Sieht aus wie im Matchbox-Auto © Foto: Secma

Nun wollen wir es aber genau wissen und wechseln ans Steuer. Der elegante Einstieg will geübt sein, und viel Platz unterm Lenkrad hat man nicht. Gewöhnungsbedürftig sind zudem die Pedale, die sehr nah beieinander stehen. Airbags sucht man vergeblich, aber immerhin vermittelt der Dreipunktgurt ein gewisses Sicherheitsgefühl. Nicht nur der Motor, auch das Fünfgang-Schaltgetriebe stammt von Renault. Lenkung und Bremsen hat sich Secma bei Peugeot eingekauft. Selbst die Armaturentafel kommt einem sehr bekannt vor.

Schon auf den ersten Metern juckt es mächtig im Gasfuß. Runterschalten, Vollgas - der Antritt des F16 ist enorm. Die Lenkung ist direkt, aber nicht nervös, dank Hinterradantrieb gibt es keine Antriebseinflüsse, und vor allem muss man keine Schläge von unten befürchten - die Federung ist zwar straff, aber nicht knochig. Man kann den F16 ganz entspannt um die Kurven zirkeln, wenn man will. Aber wer will das schon in einem Fahrzeug, das in 5,9 Sekunden von 0 auf 100 Sachen schießt? Schnelle Kurven muss man im F16 mit einem gewissen Respekt behandeln, doch sie machen reichlich Laune. 180 Km/h lautet die mühelos erreichbare Höchstgeschwindigkeit. Verzögert wird mit Scheibenbremsen rundum, und die packen auch kräftig zu - dazu bedarf es ohne Bremskraftverstärker aber schon eines beherzten Trittes aufs Pedal.

Lediglich 6,5 Liter Verbrauch

Flügeltüren kosten Aufpreis
Flügeltüren kosten Aufpreis © Foto: Secma

17.990 Euro kostet der schnelle Zweisitzer, wenig mehr als ein Golf. Dafür bekommt man zwar viel Fahrspaß, aber wenig Auto. Einen Kofferraum hat der F16 nicht, das Cockpit ist spartanisch, und manche Dinge kosten noch Aufpreis - die «Gullwing»-Flügeltüren zum Beispiel oder der aufsteckbare Heckgepäckträger. Immerhin ist der Secma-Renner genügsam. 6,5 Liter Durchschnittsverbrauch pro 100 Kilometer verspricht der Hersteller, und angesichts des Leichtgewichts erscheint das realistisch. Der Roadster erfüllt die Euro-4-Norm, also gibt es die grüne Plakette.

Zugelassen werde der F16 als Fahrzeug der Klasse M1, sagt Dupont, der den F16 direkt aus der Fabrik im französischen Aniche nach Deutschland und auch in andere Länder importiert. «Bislang habe ich das Fahrzeug 62-mal verkauft, davon gingen sechs nach Deutschland. Die Lieferzeit beträgt ungefähr sechs Wochen», so Dupont. Der Hersteller gewähre zwei Jahre Werksgarantie.

R-Version im Anmarsch

Eine stärkere Version soll bald folgen
Eine stärkere Version soll bald folgen © Foto: Secma

Der Secma-Verkäufer hat auch abseits öffentlicher Straßen noch viel mit dem F16 vor. «In ein paar Wochen will ich eine R-Version testen, die bekommt 25 PS mehr», sagt Hardy Dupont. Damit wolle er dann «den Jungs vom Caterham-Cup mal zeigen, wo der Hammer hängt».






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