9. Januar 2007

Fahrbericht Seat Ibiza: Kleiner Spanier ganz groß

Seat Ibiza 1.4 TDI
Seat Ibiza 1.4 TDI © Foto: Press-Inform

Wer auf der Suche nach einem Kleinwagen ist, der sollte sich auf jeden Fall auch einen Seat Ibiza anschauen. Als Diesel ist er zwar ausgesprochen laut, ansonsten bietet er jedoch im Vergleich zur Konkurrenz viele Vorteile.




Von Jürgen Wolff

Der Kleine hat eine ganz schön laute Klappe - ganz egal, ob kalt oder bei Betriebstemperatur. Unter der Haube des Seat Ibiza 1.4 TDI geht der gleiche raue 3-Zylinder-Diesel zu Werke, wie zum Beispiel im VW Polo. 59 kW/80 PS und ein Drehmoment von 195 Nm reichen, um den Spanier in 12,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu bringen. Und mit 176 km/h angegebener (und gemessener) Höchstgeschwindigkeit ist bei normalen Verkehrsverhältnissen auch eine Tour quer durch die Republik nicht wirklich eine Strapaze - man schwimmt bestens mit.


Auf sportlich getrimmt

Ab Tempo 130 konkurrieren ohnehin Wind- und Abrollgeräusche mit dem Nagler um die Wette. Was hilft? Das Radio gewinnen lassen. Im Stadtverkehr geht es leiser zu und das Diesel-Drehmoment sorgt für einen fixen Antritt.

Und auch sonst kann man sich an den Ibiza im - vor allem urbanen - Alltag durchaus gewöhnen. Die sportliche Optik macht was her: Die geschwungene Scheinwerferfront mit dem markanten Kühler und dem üppigen Seat-S, die Seitenlinie und das knackige Heck - damit kann man sich sehen lassen. Innen geht es in Sachen Platzangebot zumindest vorne durchaus ordentlich zu - auch 1,90er-Kandidaten werden sich gut einrichten können. Hinten allerdings sitzt man doch schon recht beengt. Und wer sich in der dreitürigen Version an den Vordersitzen vorbeiquetschen muss, hätte am Ziel zur Belohnung mehr Knie- und Kopffreiheit verdient. Nicht gerade üppig aber üblich in der Klasse: Ein mit 267 Litern relativ kleiner Kofferraum.

Wer Sprudelkästen transportieren muss, flucht über die hohe Ladekante, die immer irgendwo im Weg hängende Hutablage und den knapp bemessenen Platz. Vielleicht sollten Getränkeabfüller und Kleinwagenhersteller sich mal in einer Normungs-Kommission zusammensetzen und die Kantenlängen ihrer Produkte aufeinander abstimmen. Immerhin: Bei umgeklappter Rückbank ist Platz für 960 Liter.

Lose Matten

Der Motor im Seat Ibiza 1.4 TDI
Der Motor im Seat Ibiza 1.4 TDI © Foto: Press-Inform

Die Verarbeitungsqualität ist außen ebenso solide wie innen. Die verwendeten Materialien und Oberflächen machen einen dem Segment angemessenen Eindruck hoher Qualität. Ärgerlich die Fußmatten. In unserem Praxistester hielt es sie allenfalls zwei Tage in ihrer Verankerung, dann begann jeweils ihre langsame aber unaufhaltsame Wanderung nach vorne Richtung Pedalerie.

Nicht nur ein Seat-Problem: An die Halterungen sollte man im VW-Konzern noch mal ran. Die Bedienung ist ansonsten problemlos - der Sinn der meisten Schalter und Anzeigen erschließt sich auch ohne Studium des Handbuches auf Anhieb. Die Instrumentierung ist übersichtlich, alle Hebel sind gut zu erreichen. Üppiger könnte die Ausstattung mit Ablagen sein. Das Fahrwerk ist deutlich sportlicher, sprich: straffer abgestimmt als beim Bruder Polo. Das sorgt zum einen für ein ebenso deutlich agileres Verhalten vor allem in Kurven. Aber es schüttelt und rüttelt die Passagiere auch gelegentlich etwas durch. Immerhin bieten die gut geformten Sitze vorne einen ordentlichen Seitenhalt und entspanntes Sitzen auch bei längeren Fahrten über Land. ABS und vier Airbags sind Serie, ESP und Traktionskontrolle gibt es nur gegen Aufpreis.

Leichtgängige Lenkung

Die Seitenlinie des Seat Ibiza
Die Seitenlinie des Seat Ibiza © Foto: Press-Inform

Der Ibiza zeigte sich auch so sehr richtungsstabil. In Kurven neigte er zu einem leichten Untersteuern. Die leichtgängige Lenkung ist präzise und vermittelt eine gute Rückmeldung von der Fahrbahn, die Gänge lassen sich präzise und ohne Hakeln schalten, ihre Übersetzung passt jeweils gut zum Motor. Kräftige Bremsen vervollständigen den guten Fahreindruck. Auf unseren rund 3000 Test-Kilometern (viel Autobahn, viel Stadtverkehr, relativ wenig Landstraße) verbrauchte der Ibiza im Schnitt 7,4 Liter Diesel auf 100 km - 2,5 Liter mehr, als Seat angibt. Bei zivilerer Fahrweise sollte man mit knapp sechs Liter Diesel hinkommen. Wen der lautstarke Diesel nicht stört, für den ist der kleine Diesel-Ibiza eine sehr annehmbare Alternative zu dem, was sich sonst noch tummelt im Kleinwagensegment.

Mit einem Grundpreis von 14.772 Euro ist er nicht unbedingt die preiswerteste Alternative: Der VW Polo mit gleichem Motor und etwas besseren Fahrleistungen kostet genau 24 Euro weniger, der entsprechend motorisierte, aber etwas schwächere Skoda Fabia kommt nach der Mehrwertsteuererhöhung auf 13.324 Euro.

Das Heck des Ibiza
Das Heck des Ibiza © Foto: Pres-Inform

Mitbewerber? Ein Corsa mit ähnlicher Leistung kostet ab 15.983 Euro, ein vergleichbarer Fiat Punto 15.520 Euro. Deutlich mehr also. Unterm Strich preiswerter sind nur die Asiaten: Weitgehend gleiche Preiskategorie - aber schon in der Basis wesentlich besser ausgestattet. Denn die Zusatzliste beim Seat ist nett. Nett lang: ESP, Klimaanlage, Kopfairbags, Radio, ausstellbare Scheiben hinten - alles nur gegen Aufpreis. Besonders ärgerlich: Auch ein Rußfilter muss für 590 Euro extra bestellt werden.






Mehr zur Marke Seat

Zehn PS mehr für die R-VarianteSeat schärft Leon Cupra nach

Seat verschafft dem Leon Cupra als R-Version weitere zehn Pferdestärken. Das limitierte Topmodell des spanischen VW Golf-Cousins gibt es in Deutschland nur mit Handschalter und ohne Allrad.


Keine Pläne für Kündigung der HändlerverträgeSeat auf dem Weg in den Club der 100.000er

Bei Seat Deutschland steigt die Erfolgskurve seit einigen Jahren kontinuierlich nach oben. Geschäftsführer Bernhard Bauer zeigt sich entsprechend selbstbewusst.


Kompaktsportler mit 310 PSSeat bringt stärksten Serien-Leon Cupra R

Seat präsentiert auf der IAA mit dem Leon Cupra R das stärkste Serienfahrzeug in der Geschichte der spanischen VW-Tochter. Allerdings ist der um weitere zehn PS verstärkte Kompaktsportler nur eine gewisse Zeit erwerbbar.



Mehr aus dem Ressort

Marktstart im Frühjahr 2018Volvo XC40: Cool sein hat seinen Preis

Volvo will wachsen – und dazu beitragen soll insbesondere das Kompakt-SUV XC40. Er wird im März auf den Markt kommen. Das Auto bringt alles mit, um ein Erfolg zu werden. Wenn da nur nicht der Preis wäre.


Der VW Golf GTI TCR darf nur auf Rennkursen bewegt werden
Bei Seat gebautVW Golf GTI TCR: Nur für die Rennstrecke

65 Prozent aller Bauteile sind identisch mit einem normalen Serienmodell. Trotzdem darf der VW Golf GTI TCR nicht am Alltagsverkehr teilnehmen – und das ist auch gut so.


Porsche hat auch den Panamera Kombi hybridisiert
Turbo S E-Hybrid Sport Turismo mit 680 PSHybrider Porsche Panamera Kombi: Teilzeit-Stromer der Superlative

Porsche hat die Kombivariante des Panamera an den Stecker gepackt. Die hybride Zufuhr dient dem Turbo S E-Hybrid Sport Turismo dabei sowohl der Leistungssteigerung als auch der emissionsfreien Fahrt durch urbane Umweltzonen.