15. Juli 2008

Fahrbericht Seat Ibiza SC 1.6 Lockvogel

Der Seat Ibiza SC
Der Seat Ibiza SC © Foto: Seat

Gut ausgestattet und leicht gekürzt legt Seat im Spätsommer die dreitürige Version des neuen Ibiza auf. Er sucht sein Publikum vor allem unter jüngeren Fahrern.




Von Martin Woldt

Es ist ein wenig wie diese berühmte Huhn-oder-Ei-Frage? Wer war zu erst da? Der dreitürige Kleinwagen oder das Bedürfnis jüngerer Fahrer einen Kleinwagen mit drei Türen anstelle des Serienmodells mit fünf Türen zu steuern. Jedenfalls reservieren viele Hersteller in ihren Baureihen entsprechende Kapazitäten, um diese Kunden zu erreichen. Es ist das etwas sportlich ambitionierte Klientel, das man bei der Stange halten möchte, um es später die Größen- und Leistungsklassen der Marke hinaufklettern zu sehen.


Kleinerer Kofferraum

So hat es vor kurzem Mazda mit dem Mazda 2 gemacht. Und so macht es jetzt auch Seat mit dem Ibiza. Gerade ist der Fünftürer im Angebot, wird der Dreitürer nachgeschoben. Ab Spätsommer soll er dann verfügbar sein. Es liegt in der Natur der Sache, dass uns da kein völlig neues Auto begegnet. Etwa zwei Zentimeter kürzer und durch die stärker geschwungene Dachlinie auch um eine ähnliche Dimension flacher ist der Ibiza SC dann doch geworden. SC soll Sportcoupe heißen. Das ist nicht übertrieben, jedenfalls wenn man es an der Baureihe misst und ging etwas zu Lasten des Kofferraumes, der acht Liter weniger aufzuweisen hat und jetzt noch 284 Liter Stauvolumen misst.

Fahrercockpit

Knappe Schultern des Seat Ibiza SC
Knappe Schultern des Seat Ibiza SC © Foto: Seat

Mit den Platzverhältnissen ist es wie fast überall in dieser Kategorie. Während man vorn noch ganz ordentlich sitzen kann, wird es hinten doch ziemlich eng. Die Kleinkindphase lässt sich auf der Rückbank des Ibiza SC noch halbwegs gut überstehen. Dann muss man mit jedem Zentimeter Längenzuwachs größere Kompromisse eingehen. Aber das sind in der Regel nicht die Fragen, die den sportlich ambitionierten Fahrer solcher Autos um den Schlaf bringen. Der mag sich noch nach dem Zustieg auf die Rückbank erkundigen und dabei feststellen, dass Seat hier etwa im Gegensatz zu Mazda wenig Ideen investiert, die Prozedur zu erleichtern. Man zwängt sich so durch.

Aber der in der Regel entscheidende Fahrer interessiert sich vermutlich dann doch eher für sein Cockpit und dürfte bei dem Anblick der röhrenförmig gerahmten und ihm zugewandten Instrumente wohl ganz zufrieden sein. Es gibt eine moderne, Kabelsalat vermeidende Halterung für mobile Navigationsgeräte in zentraler Position. Das Lenkrad mit den drei Speichen liegt gut in der Hand, die Schaltung ist knapp und präzise und das Fahrwerk wirkt straff, aber nicht unkomfortabel. So darf man sich ein Sportcoupe dieser Klasse durchaus vorstellen.

Fehlende sechste Schaltstufe

Das Cockpit des Seqat Ibiza SC
Das Cockpit des Seqat Ibiza SC © Foto: Seat

Das gilt auch, wenn man sich für den 1.6 Benziner entschieden, die größte Leistungsklasse mit 77 kW/105 PS. Der besitzt ein passables Drehmoment von 153 Newtonmetern, dass zwar erst bei 3800 Kurbelwellenumdrehungen anliegt, dafür aber ganz kernig klingt bis es soweit ist. Auch wenn sich die Kraft nicht gerade explosionsartig entfaltet, kann man doch jederzeit mit genügend Überholreserve rechnen. Das dokumentieren die 10, 4 Sekunden, die der SC über die Distanz von null auf hundert km/h benötigt und ihn nicht gerade wie einen Schleicher aussehen lassen. Sein oberster fünfter Gang lässt sich dabei in einem weiten Drehzahlband ausreizen. Wenngleich diese kurze Übersetzung auch den Nachteil hat, dass man das Aggregat nicht so spritsparend wie mit einer sechsten Schaltstufe einsetzen kann. Beim Verbrauch kommt das 1.6er Modell auf 6,6 Liter über 100 Kilometer, was einer CO2-Rate von 157 Gramm pro Kilometer entspricht.

7-Gang-DSG wird nachgereicht

Der Seat Ibiza SC
Der Seat Ibiza SC © Foto: Seat

Die sechste Schaltstufe fehlt übrigens allen sechs für den Ibiza SC zur Verfügung stehenden Motorvarianten. Denn dem Dreitürer stehen keine anderen Motoren zur Verfügung als der Version mit fünf Türen. Je drei Benziner und Diesel zwischen 51kW/70 PS und 77 kW/105 PS sind im Angebot, die sich aufgrund des etwas günstigeren Gewichtes um ein paar Nuancen flotter beschleunigen lassen. Mag der Ibiza auch schon auf der modernsten Volkswagenplattform unterwegs sein. Hinsichtlich der Verbrauchsleistungen vermag er leider keine Akzente zu setzen. Wenn gleich er deswegen kaum aus dem Rahmen fällt und allenfalls als durchschnittlich gelten kann. 4,3 Liter auf 100 Kilometern, mit denen sich der kleine 1,4 TDI Diesel begnügt sind für sich genommen schon eine Hausnummer. Nur haftet ihnen derzeit der Makel an, dass sie sich durch die hohen Kraftstoffpreise nicht mehr so ohne weiteres als Vorteil darstellen lassen. Vielleicht kann das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das später für den 1.6er Benziner nachgereicht werden soll, noch eher überzeugen.

Fünf Sterne beim Euro-NCAP

Mit fünf Sternen im Euro-NCAP-Crashtest und serienmäßigem ESP mit Luftdrucküberwachung kann der Ibiza SC aber bei der Sicherheit ganz vorn mitmischen. Und mit Preisen ab 11490 Euro muss er auch keinen Vergleich scheuen. Die von uns gefahrenen Variante mit 105 PS steht mit 14.890 Euro auf der Preistafel.






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