Spritziges Sparmobil

Seat Ibiza Ecomotive © Foto: Seat

Nun bringt auch die VW-Tochter Seat ein verbrauchsgünstiges Auto auf den Markt. Mit dem bekannten 1,4 Liter TDI-Triebwerk des Polo und kleinen chirurgischen Korrekturen verbindet der Seat Ibiza Ecomotive ökologischen Mehrwert mit Sportlichkeit.

Von Marc Leimann

Dass man mit vielen kleinen Schritten auch das Ziel erreichen kann, versucht derzeit Seat unter Beweis zu stellen. Man nehme ein bewährtes Aggregat aus der existenten Konzern-Motorenpalette, reduziert die Serienbereifung von 15 auf 14 Zollräder, speckt ein wenig bei der Ausstattung ab und nimmt statt des Reserverads ein Reifenkit an Bord - und schwupps sind 22 Kilo Kampfgewicht eingespart. In Summe bedeutet das 1084 statt 1106 Kilogramm Fahrzeuggewicht, einen optimierten CW-Wert, der nun 0,30 statt 0,31 beträgt und einen Topspeed, der sogar um 2 km/h auf maximale 177 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit zunimmt.

C02-Ausstoß bei 99 Gramm

Die wichtigsten Zahlen des Seat Ecomotive stehen jedoch auf einem ganz anderen Papier und stellen den eigentlichen Grund für die Markteinführung dar. Die Kundenbedürfnisse haben sich schlicht geändert: Umweltverträglichkeit ist eines der Primärziele des Seat-Fahrers. Und dem will der Konzern mit dem Seat Ibiza Ecomotive Tribut zollen. 3,8 Liter Durchschnittverbrauch auf 100 Kilometern gibt der Hersteller an, was einem CO2-Ausstoß von nur 99 Gramm CO2 pro Kilometer entspricht.

Das Logo des Seat Ibiza Ecomotive Foto: Seat

Ob diese Werte ein leeres Versprechen darstellen oder Realität werden, konnte im Rahmen des ersten Kurztests indes nicht beantwortet werden. Die bereits nachgemessenen Verbrauchswerte des Polo BlueMotion legen jedoch den Verdacht nahe, dass Seat hier kein leeres Versprechen abgab. Was die ersten Testkilometer belegen, reichen die 80 PS dem Ibiza aus, um ihn ordentlich auf die Sprünge zu helfen. Selbst mit drei erwachsenen Insassen besetzt, erschreckt der Seat Ibiza Ecomotive auch vor Steigungen auf spanischen Landstraßen nicht. Das maximale Drehmoment von 195 Nm liegt bereits bei 2200 U/min. an. Somit fühlt man sich stets ausreichend motorisiert, wenngleich der kleine knurrige Dreizylinder zu keiner Zeit in Frage stellt, ob es sich beim Motor um einen Diesel oder einen Benziner handelt.

Wertiger Innenraum

Der Innenraum des Seat Ibiza Ecomotive Foto: Seat

Im Innenraum hat Seat für den Ibiza Ecomotive an keiner Stelle Hand angelegt. Im fünften Modelljahr macht der Ibiza einen ausgereiften Eindruck. Kein Klappern oder Knirschen stört den Fahreindruck. Und selbst mit drei Erwachsenen und Gepäck an Bord kann man ausreichend komfortabel reisen. Schade nur, dass der Ecomotive serienmäßig nicht mit einem Bordcomputer ausgestattet ist. Der hätte zumindest einen ersten Indikator für den tatsächlichen Verbrauch zugelassen. Überrascht hat auch die Ecomotive-Bereifung. Trotz 14 Zollreifen im Format 165/70 erzielt der Ibiza ansprechende Kurvengeschwindigkeiten und bietet genügend Auflagefläche für adäquate Bremswege.

Absatzziele bescheiden

Die Seitenlinie des Seat Ibiza Ecomotive Foto: Seat

Bleibt abzuwarten, ob der Endkunde die Vorzüge des Ecomotive annimmt. Ein wesentliches Kriterium hierfür wird der Preis und die Differenz zum klassischen 1,4 TDI sein. Der Preis für den Seat liegt mit 14.690 Euro deutlich unter dem des Polo BlueMotion (16.300 Euro). Wie der Polo ist auch der Seat als Drei- oder Fünftürer erhältlich.

Weiterer nicht unerheblicher Faktor für den Erfolg des Fahrzeugs dürfte die steuerliche Behandlung des Ecomotive im EU-Raum sein. Holland bietet bereits heute für die Emission von lediglich 99 Gramm CO2 eine Steuerersparnis von 1000 Euro an. Da dürfte die anfallende Preisdifferenz relativ schnell reingeholt werden. Andere Staaten sind sich noch nicht ganz einig, ob der Behandlung solcher «Umweltengel». Davon wird es maßgeblich anhängen, ob die angepeilten drei bis vier Prozent Modellanteil für den Ecomotive nach unten oder oben korrigiert werden müssen.

Weitere Ecomotives denkbar

Das Heck des Seat Ibiza Ecomotive Foto: Seat

Sollte der Ibiza Ecomotive, der ab Dezember bei deutschen Händlern verfügbar ist, den erhofften Erfolg bringen, denkt man im Hause Seat bereits über weitere Sprit- und CO2-Sparwunder nach. Die Planung hierfür ist allerdings noch nicht sehr konkret, man gibt sich spanisch flexibel und möchte erst die Reaktionen des Käufers auf den Ibiza Ecomotive abwarten. Der Seat Leon wäre danach sicherlich der nächste Kandidat, der mit einem geeigneten Aggregat und den umweltorientierten, chirurgischen Eingriffen zu versehen wäre.