17. Mai 2010

Fahrbericht Seat Ibiza Cupra Der frechere GTI

Der Ibiza Cupra als sportliche Alternative
Der Ibiza Cupra als sportliche Alternative © Foto: Seat

Den neuen Polo GTI führt VW erst in diesem Jahr ein. Die Konzernschwester aus Spanien darf deshalb mit dem Ibiza Cupra in die Vorreiterrolle schlüpfen, die der sportliche Kleinwagen durchaus genießt.




Von Holger Holzer

Viel Leistung, Fahrspaß und ein aggressiver Blick: Der Seat Ibiza Cupra tritt in der Liga der hochmotorisierten Kleinwagen als frechere Alternative zum VW Polo GTI an. Zu Preisen ab 23.390 Euro gibt es 132 kW/180 PS und ein agiles, aber alltagstaugliches Fahrverhalten.


Schärfung des Profils

Der Seat Ibiza ist ein Vorreiter. Erstmals hatte bei diese Baureihe die spanische Marke den Erstzugriff auf die neue Generation der Kleinwagentechnik des Konzern: Der Ibiza kam so bereits Mitte 2008 auf den Markt, während der Polo der Hauptmarke VW erst ein Jahr später nachzog. Auch den Ibiza Cupra gibt es bereits seit vergangenem Sommer und damit rund ein Jahr früher als den VW Polo GTI. Dem Sorgenkind in der Markenpalette des VW-Konzerns sollte damit bei der Schärfung des Profils geholfen werden. Vor allem junge Kunden mit sportlichen Ambitionen will man locken und sich damit von der vernunftorientierten Schwestermarke Skoda absetzen.

Der Ibiza blickt schon in der Basisversion bissiger in die Welt als ein VW Polo oder ein Skoda Fabia. In der Cupra-Version machen große wabenförmige Lufteinlässe in mattem Schwarz, fünf schmale Schlitze unter dem Kühler und schwarze Doppelscheinwerfer die Frontansicht gegenüber dem Standardmodell noch einmal deutlich bissiger. Hinten gibt es ein mittig platziertes trapezförmiges Endrohr, einen Diffusor und Lüftungsauslässe hinter den Reifen. Dazu kommen Breitreifen auf 17-Zoll-Felgen, die den Blick auf die rot lackierten Bremssättel freigeben. Die Top-Version hebt sich dadurch deutlich von ihren schwächer motorisierten Geschwistern ab, wirkt aber niemals prollig oder übertrieben aufgemotzt.

Starkes Sportlerherz

Außerdem kann der Zweisitzer sich die geschärfte Optik leisten, denn unter seiner Haube schlägt ein starkes Sportlerherz. Der 1,4-Liter-Benziner aus der TSI-Motorenfamilie von VW kommt dank Kompressor und Turbolader auf stolze 132 kW/180 PS Leistung. Diese wird von einem serienmäßigen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe jeweils umgehend und zackig an die Vorderachse geleitet, wo ein elektronisches Sperrdifferential durchdrehende Räder verhindert.

Das kann durchaus nötig werden, denn das maximale Drehmoment zerrt den Fünfsitzer ganz ordentlich nach vorn. Und das bereits bei niedrigen Drehzahlen. Die Fahrleistungen sind fast Sportwagen-tauglich: Der Spurt von null auf 100 km/h dauert 7,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 225 km/h. Der Motorsound des kleinen Triebwerks kommt überraschend kernig-rau daher, erst bei hohen Drehzahlen wirkt der Vierzylindermotor etwas angestrengt. Den Verbrauch gibt der Hersteller mit 6,4 Litern Super an, in der Praxis ist er kaum zu erreichen. Realistischer sind rund zehn Liter.

Vernunftsmensch unter jungen Wilden

Während der Fahrt bringt der kleine Seat die Kraft recht gelassen auf die Straße. Das Fahrwerk ist knackig, aber nicht übertrieben hart, die Lenkung präzise und nicht zu direkt. So werden auch längere Fahrten auf der Autobahn nicht unnötig strapaziös. Die Vorgängergeneration des Ibiza Cupra sowie Wettbewerber wie Opel Corsa OPC oder Fiat Grande Punto Abarth gehen da deutlich ruppiger zur Sache.

Der Seat mit seinem Hightech-Motor und den Polo-Genen fühlt sich in insgesamt etwas reifer und alltagstauglicher, aber auch bereits gesetzter und synthetischer an. Unter den jungen Wilden ist er eher der Vernunftsmensch. Auch der Preis gibt sich eher erwachsen. 23.390 Euro sind kein Schnäppchen und liegen sogar über dem des technisch eng verwandten VW Polo GTI, der 22.500 Euro kostet.

Kein Schnäppchen

Dafür gibt es neben den Karosserieanbauteilen und 17-Zoll-Felgen eine nahezu komplette Ausstattung mit Klimaanlage, CD-Radio, Sportsitzen, sechs Airbags und Tempomat. Der Wolfsburger Konkurrent ist deutlich sparsamer ausgestattet, hat unter anderem in der Basisversion kein Radio an Bord. Auch die anderen Wettbewerber wie Mini Cooper S und Opel Corsa OPC liegen auf vergleichbaren Preisniveaus.

Unterm Strich verbindet der Seat Ibiza Cupra vorbildlich Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit. Der kleine Spanier macht auf der kurvigen Landstraße Laune und verdirbt diese auch auf der Autobahn und im Stadtverkehr nicht. Ganz billig ist ein Hochleistungs-Kleinwagen mit solch einem Reifegrad nicht zu haben. (mid)






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