Letzter Ausgang Exeo

Seat Exeo

Der Seat Exeo © Foto: Seat

Audi verhilft Seat auf die Sprünge. Die abgelegte A4-Generation aus Ingolstadt kann sich für die angeschlagene Konzernschwester aus Spanien zum Glücksfall entwickeln.

Von Thomas Flehmer

Nicht nur in Deutschland wird gejammert. Der spanische Automarkt ist weitaus stärker von der Wirtschaftskrise betroffen. Das bekommt auch Seat zu spüren. Die spanische VW-Tochter ist schon seit längerer Zeit angeschlagen und erhält jetzt Hilfe von der Konzernschwester aus Ingolstadt für den Einstieg in die bisher verwaiste Mittelklasse. Innerhalb von nur 18 Monaten wurde die 2007 abgelegte A4-Plattform ins spanische Martorell geschafft, um dort, am Firmensitz von Seat, den letzten Ausweg in eine glücklichere Zukunft zu gehen. Dabei ist der Name Programm. Exeo leitet sich vom lateinischen Exire (= herausgehen) ab.

Ingolstädter Schatten

Auch wenn die Spanier über 1800 Teile gegenüber dem Audi A4 verändert haben, so ist doch jederzeit der Ingolstädter Schatten sicht- und - im wahrsten Sinnen des Wortes - erfahrbar. Sicher wurde der Single-Frame-Kühlergrill mit den vier Ringen - das absolute Markenzeichen der Audianer - gegen ein Seat-kompatibles Gesicht eingetauscht, das etwas spitzer wirkt.

Auch das Heck wurde umgestaltet, wobei die Heckleuchten denen des A4 in gewisser Weise immer noch sehr ähneln. Noch deutlicher treten die Ähnlichkeiten im Innenraum hervor, hier fühlt man sich dem Frankenland sehr nah, lediglich das «S» anstatt der Ringe auf dem Lenkrad verweist auf den spanischen Ursprung. Instrumente oder Bedienelemente - Audi lässt grüßen. Doch das ist geschenkt, der Auftritt an sich scheint sehr gelungen. So wurde der Exeo auf den ersten Testfahrten rund um Malaga von den Einheimischen sehr aufmerksam beobachtet - zu Recht.

Laufruhige Diesel

Heckleuchten markieren den Unterschied zum A4 Foto: Seat

Denn auch die exzellenten Fahreigenschaften wurden gleich mit importiert. So stehen zu Anfang drei Benziner und zwei Diesel zur Verfügung. Die beiden Selbstzünder mit 105 kW / 143 PS und 125 kW /172 PS - ein dritter 88 kW / 120 PS starker Dieselmotor ergänzt ab September den Auftritt - wurden gleich mit der Commonrail-Technik ausgestattet, die selbst im Volkswagenkonzern erst seit kurzer Zeit die Pumpe-Düse-Aggregate abgelöst haben.

Beide Diesel agieren dabei sehr laufruhig und auch eine Anfahrschwäche ist kaum wahrnehmbar. Das Fahrwerk zeigt keinen Respekt vor unwegsamen Strecken, die 4,66 Meter lange Limousine lässt sich sehr sicher lenken. Die Schaltwege sind etwas zu lang ausgelegt, aber das macht dem komfortablen und zugleich sportlichen Auftritt nichts aus.

Sportlich und sparsam

Grüße aus dem Frankenland Foto: Seat

Denn bereits mit dem kleinen Dieselaggregat sind die Insassen gut und fix unterwegs. 9,2 Sekunden dauert es bis zum Überschreiten der 100 km/h, beim stärkeren Selbstzünder geht es 0,8 Sekunden schneller. Doch auch im dreistelligen Bereich kann der Exeo weiterhin gut beschleunigen und dank sechs Gängen trotzdem sparsamer unterwegs sein. Seat hat den Verbrauch mit 5,5 und 5,9 Litern angegeben, der neue Audi A4 steht mit jeweils 5,3 Litern in der Liste.

Allerdings lässt man sich immer wieder unbemerkt zu höheren Geschwindigkeiten, die sich natürlich auch auf den Verbrauch auswirken, so dass ein Liter mehr auf 100 Kilometern einkalkuliert werden sollte, was für eine Limousine mit Premiumcharakter aber auch kein schlechtes Zeugnis darstellt. Um dem Ausdruck von Luxus auch ein anständiges Gesicht zu verleihen, sollte auf die serienmäßigen 16 Zöller verzichtet und sofort die angebotenen 17 oder gar 18 Zoll großen Pneus geordert werden.

Sieben Airbags serienmäßig

Gute Serienausstattung Foto: Seat

Ansonsten ist der Exeo schon in der Basisausstattung «Reference» schon mit sieben Airbags, ABS, ESP, Bordcomputer, elektrischen Fensterhebern, CD-Radio und Isofix-Kindersitz-Sicherungssystemen schon gut ausgestattet. Mit einem Einstiegspreis von 21.990 Euro für den 1,6 Liter großen Basisbenziner, der über 75 kW / 102 PS verfügt, ist der Exeo auch gegenüber dem Vorbild rund 3000 Euro günstiger.

Der aktuelle A4 startet sogar erst bei 25.900 Euro, allerdings mit einem 1.8 Aggregat und 120 PS. Mit dem identischen Preis startet der kleine Diesel, der größere Selbstzünder ist 3000 Euro teurer. Aber das ist eigentlich kein Grund zum Jammern - und zwar nicht nur für die geplagten Spanier.