9. Juni 2009

Fahrbericht Fahrbericht Seat Exeo ST 2.0 TDI CR Kein Baumarktliner

Der Seat Exeo ST
Der Seat Exeo ST © Foto: Seat

Es mag nicht gerade die dringlichste Baustelle der VW-Tochter sein. Aber die Reinkarnation des alten Audi A4 Avant als neuer Seat Exeo ST kann man dennoch als Achtungserfolg gelten lassen.




Von Martin Woldt

Kurz nach der Limousine folgt nun im August die Kombiversion. Sie trägt das ST für Sportstourer im Namen und ist, zumindest hierzulande, das eigentliche Objekt der Neugier, weil Steilheckkarossen diese Liga zu Dreivierteln dominieren.


Die schönen Kombis

Um es gleich vorwegzunehmen: Auch an dieser Operation gibt es im Grunde wie bei der Limousine nicht viel herumzumäkeln. Da, wo man im 102 PS starken Audi A4 Avant einst bei 26.150 Euro einstieg, bekommt man die Schlüssel für den gleichstarken Seat-Klon schon ab 23.290 Euro. Ob sich der einstige Audi-Slogan vom schönen Kombi, der stets Avant hieße, so eins zu eins auf den spanischen Nachfolger übertragen lässt, ist indes eine andere Frage, trotz großer Ähnlichkeiten etwa im Profil. Den auftrumpfenden Kühlergrill hat der Exeo ST natürlich nicht mitbekommen. Da ähnelt der Auftritt eher dem des Meisters der Unaufgeregtheit, dem VW Passat.

Niedrige Ladekante

Der Seat Exeo ST
Der Seat Exeo ST © Foto: Seat

Zu den wenigen Kritikpunkten des Audi A4 Avant gehörte sein im Vergleich geringes Ladevolumen. Auch im Exeo ST beträgt es auf den Einer genau wieder 442 Liter. Zur Einordnung: Im Insignia Sport Tourer von Opel hat man da knapp 100 Liter mehr zur Verfügung. Aber ähnlich wie bei diesem wird das Beladen durch eine niedrige Ladekante und eine tiefer im Dach ansetzende Heckklappe erheblich erleichtert. Umgeklappt, kommen wie einst im A4 Avant etwa 1.354 Liter Stauvolumen heraus. (Geringe Abweichungen vom Audi-Wert könnten sich durch die neu entwickelte Heckklappe ergeben.) Aber auch damit liegt er, verglichen etwa mit dem Passat Variant von VW, gut 400 Liter darunter.

Kein Lademeister

Der Seat Exeo ST
Der Seat Exeo ST © Foto: Seat

Doch wie sollte es auch anders sein. Der Audi empfahl sich nicht unbedingt als Familienkutsche oder Baumarktliner und verdankte seine hohen Zulassungszahlen in erster Linie dem Flottengeschäft wie sonstigen Gewerbekunden. Da spielt das Ladeabteil eher eine Nebenrolle. Wenngleich Seat auch einen Wendeladeboden im Angebot hat, der eine Gummi- und eine Textilseite besitzt, um im Fall des Falles dauerhafte Verschmutzungen zu vermeiden. Doch auch mit optionalem Gepäcknetz macht das aus dem ST noch keinen Lademeister. Wie übrigens auch der Platz auf der Rückbank seine Grenzen kennt. Zwar ist er weit entfernt vom Kleinwagenniveau, aber auch im Exeo ST noch lange keine Wellnessoase für Knie und Füße. Allerdings ist der Spanier doch etwas komfortabler abgestimmt und steckt kurze Bodenwellen unauffälliger weg als sein Vorbild.

Präzise Schaltung

Das Cockpit
Das Cockpit © Foto: Seat

Sieht man von den anders gearbeiteten Lenkradspeichen und den runden, statt wie einst eckigen, Gebläseöffnungen ab, sind die Cockpitunterschiede zum A4 marginal. Unter Umständen erahnt man das eigentliche Konstruktionsalter an den alles in allem eher geraden Strukturen. Jüngere Pilotenkanzeln sind eher hin zum Fahrer geneigt. Aber noch immer ist das Cockpit eine Einladung, die hält was sie verspricht. Die Lenkung ist fein abgestimmt und besitzt eine tadellose Rückmeldung vom Straßengeschen. Die manuelle Sechsgang-Schaltung kennt kurze präzise Schaltgassen und besitzt als Konzession an die Moderne eine Schaltpunktanzeige, die den optimalen Gangwechsel signalisiert. Leider noch nicht in der Deutlichkeit wie in der jüngsten Generation von Audi, die dem Fahrer durch entsprechende Fahrbgebung das Spritsparen leichter macht.

Der eigentliche Unterschied

Der Laderaum
Der Laderaum © Foto: Seat

Aber Audi A4 hin oder her, unter dem Strich ist der deutlichste Unterschied die moderne Motorengenration. Zur Auswahl stehen drei Benziner und zwei Common-Rail-Diesel. Abgesehen davon, dass es sich durchweg um Euro5-Aggregate handelt, fallen insbesondere die Selbstzünder durch ihre deutlich verbesserte Laufkultur auf. Und natürlich ist der Verbrauch gesunken. Ein A4 Avant mit 140-PS-Diesel war noch mit 6,1 Litern auf 100 Kilometern unterwegs. Der entsprechende Exeo ST mit 143 PS begnügt sich mit 5,7 Litern; weniger, um wieder den Vergleich mit Opels Sports Tourer zu suchen, der mit 130 PS 6,0 Liter verlangt.

Die Preise

Der Fortschritt bei den Benziner fällt weniger deutlich aus. Die Einstiegsversion mit 102 PS beim Audi bediente sich noch mit 7,9 Litern. 7,7 sind es nun beim gleich starken Seat. Soviel, wie ein Insignia mit 115 PS anbietet. Letzlich muss man also keine Angst haben, mit dem Exeo ST in irgendeiner Form Technik von gestern untergeschoben zu bekommen. Zumal sich doch auch die Preise etwas gemäßigt haben. Mit 23.290 Euro erfolgt der Einstieg in die Exeo-ST-Welt mit einem 102 PS starken Benziner. 27.290 Euro werden für den kleineren Diesel mit 143 PS fällig.






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