16. Januar 2006

Fahrbericht Seat Altea FR: Spanischer Familiensportler

Das Lüftungsgitter beim FR ist nun ganz in schwarz gehalten
Das Lüftungsgitter beim FR ist nun ganz in schwarz gehalten © Foto: Mertens/nz

Seat setzt ganz auf Sportlichkeit. Dazu präsentieren die Spanier mit dem Altea «FR» einen 170 PS starken Diesel. Nicht nur der Preis des Familiensportlers ist konkurrenzfähig.




Von Frank Mertens

Sportliche Autos haben in der Regel einen Nachteil: Sie taugen nichts für Familien. Deshalb haben bei der Kaufentscheidung diejenigen schlechte Karten, die zwar den Wunsch nach einem besonders sportlichen Untersatz haben, ihn jedoch nicht in Einklang bringen können mit dem benötigten Platz für die Familienangehörigen. Doch Seat zeigt, dass man beides miteinander vereinbaren kann. Dazu bringt die zum VW-Konzern gehörende Marke Ende März den Altea «FR» auf den Markt.


Sportlichkeit als Imageträger

Zwanzig Monate nach der Einführung des Altea, der sich im zurückliegenden Jahr weltweit 60.000 Mal verkaufte, wollen sich die Spanier mit dem «FR» noch stärker als bisher als sportliche Marke positionieren. «Kein Wettbewerber bietet diese Leistung in Kombination mit der Variabilität eines Fünf-Sitzers an», sagt Marketing-Direktor Joan Miquel Malagelada.

Entsprechend steht die Zielgruppe für den Altea «FR» fest. «Wir wollen die Käufer erreichen, die neben ausreichend Platz den Wunsch nach noch mehr Sportlichkeit als in unseren Fahrzeugen mit Sportpaket verspüren», erklärt Malagelada. Und Platz bietet der «FR» genug. Im Fond können selbst Großgewachsene bequem sitzen - und der Kofferraum bietet 409 Liter, dank der verschiebbaren Rückbank werden es sogar bis zu 510 Liter. Für einen Sportwagen ein glänzender Wert.

Der 170 PS-Diesel im FR
Der 170 PS-Diesel im FR © Foto: Werk

Nachdem bei den von Seat angebotenen TDI-Motoren das Leistungsspektrum bislang bei 140 PS endete, werkelt im «FR» ein um 30 PS stärkeres Aggregat. Dieses Mehr an Leistung haben die Spezialisten im Centro Tecnico im Seat-Werk im spanischen Martorell durch Modifikationen im Motormanagement herausgekitzelt.

So wurde unter anderem nicht nur die Geometrie des Turboladers optimiert, sondern vor allem der Druck der Dieseldirekteinspritzung mit der Piezo-Pumpe-Düse-Technik erhöht. Dadurch entstand nicht nur ein Zuwachs bei Motorleistung und Drehmoment, sondern auch ein vibrationsärmeres Aggregat mit reduzierten Emissionen. Der «FR» erfüllt die Euro 4 und ist serienmäßig mit einem Dieselpartikelfilter ausgestattet.

Hang zum Understatement

Das verchromte Doppelendrohr
Das verchromte Doppelendrohr © Foto: Werk

Doch nicht nur beim Motor hat Seat Hand angelegt, sondern auch beim Erscheinungsbild. Das hat man indes äußerst behutsam getan. Nur Insidern wird auf den ersten Blick auffallen, dass es sich um einen «FR» handelt. Von vorn unterscheidet sich der Familiensportler vom bisherigen Altea nur durch einen veränderten Stoßfänger, an dessen unterem Ende ein durchgängig in schwarz gehaltenes Lüftungsgitter prangt.

Gleich in den Blick fallen die für einen «FR» typischen silbergrau lackierten Seitenspiegel. Am Heck, an dem dezent der «FR»-Schriftzug zu sehen ist, wurde der untere Bereich ebenfalls komplett in schwarz gehalten. Das Doppelendrohr ist verchromt.

Die Sportsitze im Altea
Die Sportsitze im Altea © Foto: Werk

Im Innenraum wird indes sofort klar, mit wem man es zu tun hat: Auf die Sportsitze ist mittig der «FR»-Schriftzug aufgestickt. Das Logo findet sich auch auf dem neu gestalteten Sportlenkrad, dem Schaltknauf und auf dem Drehzahlmesser der Instrumententafel. Zur besseren Lesbarkeit wurde die Instrumententafel weiß unterlegt.

Die Armaturentafel, die leider auch im «FR» weiterhin durch seine Plastikanmutung negativ auffällt, ist in Grau und Schwarz gehalten. Wer in den Altea «FR» einsteigt, wird indes eines vermissen: In Chrom gehaltene Einstiegsleisten und Sportpedalen. Weshalb man darauf verzichtet hat, ist unverständlich. Sie würden dem «FR» einfach gut zu Gesicht stehen und seinen sportlichen Auftritt weiter unterstreichen.

Nachbessern angesagt

Das Sportlenkrad liegt gut in der Hand
Das Sportlenkrad liegt gut in der Hand © Foto: Werk

Doch das hat man offensichtlich auch bei Seat erkannt. Hier will man, wie Malagelada auf Nachfrage sagte, vielleicht noch bis zum Marktstart nachbessern. Dem angenehmen Understatement, das der «FR» vermittelt, würden diese Details auf jeden Fall nicht schaden.

Wer den Vierzylinder startet, wird gleich angenehm überrascht: Im Vergleich zum bekannten 140 PS-TDI präsentiert sich das neue Aggregat, wie von den Seat-Verantwortlichen versprochen, in der Tat deutlich laufruhiger. Unsere Ausfahrt führt uns von Estepona nach Ronda. Vor uns liegen rund 60 Kilometer durch die bergige Landschaft Andalusiens: Eine Strecke, auf der der «FR» zeigen kann, was in ihm steckt.

Das Heck des FR
Das Heck des FR © Foto: Werk

Das speziell auf das neue Aggregat abgestimmte Sechsgang-Getriebe lässt sich mühelos und exakt durch die Schaltgassen bewegen. Und das ist auch nötig, wenn man die Stärken dieses neuen Alteas wirklich erfahren will. Sein maximales Drehmoment von 350 Nm entfaltet der «FR» bei 1800 Umdrehungen in der Minute. Seine Maximalleistung von 125 kW/170 PS ist bei 4200 U/min. erreicht.

Dabei verrichtet der neue Motor seine Arbeit ohne Beanstandungen, auch wenn man sich in einigen Situationen sogar noch etwas mehr Spritzigkeit von dem ihm wünschen würde. Die bietet vielleicht der «FR» mit der 2.0 TFSI-Maschine mit 200 PS, die Seat noch in diesem Jahr anbieten will. Doch auch so können sich die Beschleunigungswerte des Dieselaggregats sehen lassen: Von Null auf 100 km/h beschleunigt er in guten 8,6 Sekunden. Seine Spitzengeschwindigkeit liegt bei 208 km/h.

Glänzendes Fahrwerk

Starkes Doppel: Vorder- und Rückseite des FR
Starkes Doppel: Vorder- und Rückseite des FR © Foto: Mertens/nz

Nachdem sich bereits das Fahrwerk des bisherigen Alteas Bestnoten verdiente, ist das des «FR» nochmals um einen Tick besser geworden. Dazu wurde im Vergleich zum Sportfahrwerk die Bodenfreiheit nochmals um sieben Millimter reduziert. Zudem wurden die Federn um 15 Prozent härter eingestellt sowie der Durchmesser der Stabilisatoren vergrößert. Das trägt zu einer Fahrdynamik mit hohen Spaßfaktor bei.

Der «FR» lässt sich so mit hohen Geschwindigkeiten durch die Kurven jagen, ohne ihn merklich aus der Ruhe bringen zu können. Und wenn es doch in den Grenzbereich geht, greift das ESP behutsam ein. Dass die Lenkung weniger Servounterstützung als im 140 PS-Altea zugestanden bekam, kommt der Sportlichkeit zugute: Der leicht erhöhte Kraftaufwand für die Lenkbewegungen sorgt für eine noch bessere Rückmeldung. Die gut konturierten Sporsitze bieten sehr guten Seitenhalt bei der Kurvenhatz.

Preis unter 26.000 Euro

Der Schaltknauf des FR liegt gut in der Hand
Der Schaltknauf des FR liegt gut in der Hand © Foto: Werk

Damit die Bremsen auch der höheren Leistung gewachsen sind, wurden sie von Seat größer dimensioniert. Vorne kommen Scheiben mit 312 mm Durchmesser (288 mm beim Altea mit 140 PS) und hinten mit 286 mm (255 mm) zum Einsatz. Als Durchschnittsverbrauch gibt Seat 6,2 Liter an. Doch das ist ein Wert, den nur die erreichen werden, die ausgesprochen ökonomisch unterwegs sein wollen - und damit eigentlich nicht zur Zielgruppe des «FR» gehören dürften. Bei unseren Testfahrten lag der Verbrauch bei rund neun Litern - bei zugegeben sehr flotter Fahrweise.

Der Preis für den «FR» steht noch nicht fest: Er wird sich aber knapp unter 26.000 Euro bewegen. Dafür erhält der Kunde ein komplett ausgestattetes Fahrzeug: Zur Serienausstattung gehören neben der Climatronic, 17-Zoll-Leichtmetallräder, Sportsitze, Sportlenkrad, Nebelscheinwerfer und CD-Radio.. Ein hervorragendes Preisleistungsverhältnis für ein Auto, das einen glänzenden Kompromiss beim Wunsch nach Sportlichkeit und Platz für die Familie bietet.






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