26. Juni 2007

Fahrbericht Saab 9-3: Schwedische Offensive

Der neue Saab 9-3 SportCombi
Der neue Saab 9-3 SportCombi © Foto: AG/Mertens

Saab hat den 9-3 einer gründlichen Überarbeitung unterzogen. Der Bestseller im Modellprogramm der Schweden wurde zudem mit neuen Motoren ausgestattet. Was der 1.9 TTiD kann, zeigt unser Test.




Von Frank Mertens

Eines ist klar: Die Marke Saab ist für den Mutterkonzern GM ein Luxus. Im zurückliegenden Jahr konnte der schwedische Autobauer von seinen zwei Baureihen 9-5er und 9-3er gerade einmal etwas mehr als 133.000 Fahrzeuge absetzen. Das entspricht zwar einem Absatzplus von über elf Prozent zum Vorjahr, doch von anderen Premiumherstellern wie Audi (905.000 Autos in 2006) ist man damit weit entfernt. In Deutschland beispielsweise musste sich Saab im zurückliegenden Jahr mit knapp 5300 verkauften Fahrzeugen zufrieden geben.


SUV angekündigt

Mit seiner Außenseiterrolle kann der schwedische Autobauer aber offensichtlich gut leben. Dass man Wachstum nicht allein mit zwei Baureihen und BioPower-Modellen erreichen kann, ist den Verantwortlichen am Firmensitz in Trollhättan bewusst. Deshalb hat Saab-Chef Jan Ake Jonsson im Gespräch mit der Autogazette bereits den Bau eines SUV angekündigt, ohne sich jedoch auf ein Datum festlegen zu lassen. Ein Marktstart im Jahr 2009 scheint jedoch wahrscheinlich.

Doch zunächst konzentrieren sich die Saab-Verantwortlichen auf das Hier und Jetzt - und das ist die Auffrischung des 9-3er. Ihm wurde nicht nur ein optisch neuer und deutlich ansprechender Auftritt verpasst, sondern er wurde auch mit neuen Motoren ausgestattet. Dazu gehört neben dem um 30 PS gesteigerten 2.8 V6 Turbo-Benziner mit 206 kW/280 PS auch der von uns im SportCombi getestete zweistufig aufgeladene 1.9 Liter-Turbodiesel mit 132 kW/180 PS. Das von Saab TTiD bezeichnete Aggregat wird für alle drei Karosserie-Varianten angeboten.

Spontanes Ansprechverhalten

 Der neue 1.9 TTiD-Motor im Saab 9-3 SportCombi hat 180 PS
Der neue 1.9 TTiD-Motor im Saab 9-3 SportCombi hat 180 PS © Foto: AG/Mertens

Und der neue Motor machte bei den Testfahrten an der Westküste von Schweden einen ausgesprochen agilen Eindruck, überzeugte durch sein spontanes und kraftvolles Ansprechverhalten. Seine Kraft bringt der Fronttriebler ohne Mühe auf die Straße. Die Lenkung vermittelt eine direkte Rückmeldung. Der Turbodiesel verfügt über ein maximales Drehmoment von 400 Nm, das er zwischen 1850 und 2750 Umdrehungen in der Minute zur Verfügung stellt. Seine Leistung entfaltet der 1.9 TTiD dabei ausgesprochen unaufgeregt - und vor allem leise. Dass man in einem Diesel unterwegs ist, ist kaum zu hören.

Das manuelle Sechsganggetriebe verrichtet einen guten Job und passt von der Charakteristik deutlich besser zum 9-3er SportCombi als das Sechsgang-Automatik-Getriebe (Aufpreis 2200 Euro). Die Automatik verfügt zwar über einen Sportmodus, der über einen Schaltknopf an der Mittelkonsole bedient wird, doch das Ansprechverhalten reicht trotzdem nicht an das des manuellen Getriebes heran. Ein Blick auf die Beschleunigungswerte unterstreicht das: Manuell sprintet der Saab von 0 auf 100 km/h in 9,1 Sekunden, mit der Automatik sind es 0,4 Sekunden länger. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 220 km/h.

Guter Verbrauch

Der Innenraum im neuen Saab 9-3
Der Innenraum im neuen Saab 9-3 © Foto: Werk

Auch der Minderverbrauch von 0,7 Liter ist ein Argument, sich für das manuelle Getriebe zu entscheiden. Auf 100 Kilometer verbraucht der 1.9 TTiD gerade einmal 6,4 Liter, ein überzeugender Wert für ein Fahrzeug dieser Leistungsklasse. Zugleich liegt der C02-Ausstoß mit 173 Gramm pro Kilometer auch niedriger als bei der Automatik (192 g/km).

Anfang kommenden Jahres wird die 9-3er-Baureihe noch weiter aufgewertet. Dann bringen die Schweden einen Allradantrieb heraus, den sie Cross-Whell-Drive (XWD) nennen. Der Vierradantrieb wird zunächst aber nur für die Aero-Versionen der Limousine und des Kombis in Verbindung mit dem 280 PS starken 2.8 V6-Turbomotor angeboten. Die Drehmomentverteilung liegt dabei im Normalfall bei etwa 90 Prozent auf der Vorder- und zehn Prozent auf der Hinterachse.

Wie Saab-Sprecher Patrick Munsch sagte, verfüge XWD gleich über zwei Innovationen in der Getriebe-Technologie. Da ist zum einem die Vorabaktivierung der Hinterräder zur Steigerung der Traktion beim Anfahren, wodurch ein Durchdrehen der Vorderräder verhindert wird. Zum anderen verfügt XWD unter anderem über ein optional erhältliches aktives Sperrdifferenzial für eine variable Drehmoment-Verteilung zwischen den Hinterrädern.

Guter Eindruck vom Allradsystem

Das Heck des Saab 9-3 SportCombi
Das Heck des Saab 9-3 SportCombi © Foto: AG/Mertens

Das System machte bei den ersten Testfahrten in einem 9-3 SportCombi einen glänzenden Eindruck. Selbst flotte Kurvendurchfahrten auf Schotterpisten stellten das Allradsystem vor keine großen Schwierigkeiten. Erstaunlich einfach lässt sich der Saab mit einigen kleinen Lenkeingriffen in der Spur halten. Schade nur, dass XWD zunächst nur für das Topmodell angeboten wird. Zum Preis des Allradsystems machte Saab noch keine Angaben.

Doch zurück zu dem von uns getesteten 9-3 SportCombi. Der gute Gesamteindruck des neuen Motors im Zusammenspiel mit dem Fahrwerk wird leider durch einige kleine Details im Innenraum getrübt. Da sind zum einen die Sitze zu nennen: Sie sind zwar durchaus bequem, doch die Seitenwangen hätten zur Steigerung des Seitenhaltes bei flotten Kurvenfahrten durchaus höher ausfallen können. Leicht nervig ist zudem, dass die silberne Zierleiste des Armaturenbrettes je nach Sonnenstand in der Windschutzscheibe zu sehen ist. Dass sind zwar Kleinigkeiten, doch von einer Premiummarke kann man anderes erwarten. Schließlich ruft Saab für den SportCombi 1.9 TTiD in der Einstiegsvariante 32.450 Euro auf.









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