Kleider machen Leute

Clio Renault Sport Gordini

Der Clio Renault Sport Gordini eignet sich gut zum Driften © Foto: Renault

Die sportliche Sektion von Renault hat eine Legende hervorgekramt. Doch der Clio Gordini ist nicht mehr als ein auf Rallyesport gemachter Clio Renault Sport – den Kunden gefällt es trotzdem.

Von Thomas Flehmer

VW hat es vorgemacht. Eine auffällige Lackierung, dann noch eine Dachreling und einen angedeuteten Unterfahrschutz an den Polo montiert - fertig war der Cross Polo. Ein Kleinwagen, der aussah, als würde kein Gelände der Welt ihn aufhalten. Doch auf die Fahreigenschaften abseits des Asphalts verzichteten die Wolfsburger. Kein Allradantrieb oder sonstige Sperrdifferentiale, die den Weg durch Matsch und Schlamm erleichtern könnten.

Markante Rallyestreifen

Renault Sport verfolgt dieses Konzept auf anderen Wegen. 45 Jahre, nachdem Amedee Gordini den mittlerweile legendären R8 Gordini für das französische Unternehmen erschuf, nutzt der sportliche Ableger des Herstellers nun die Prominenz Gordinis.

Neben dem Twingo erhält auch der Clio die auch 1965 für den R8 benutzte markante blaue Lackierung mit den ebenso markanten zwei weißen Rallyestreifen, die sich von der Front über das Dach bis in den Heckbereich ziehen. Dunkel getönte Scheiben hinter der B-Säule sowie 17 Zoll-Leichtmetallräder unterstreichen die sportlichen Ambitionen, die sich im Innenraum fortsetzen.

Zahlreiche Extras

Streifen statt Ziernaht Foto: Renault

Hier lassen sich die Insassen auf Sportsitzen mit schwarz-blauem Leder nieder, das Lenkrad ist ebenso in diesen Farben bezogen. Wo Renault Sport sonst eine rote Ziernaht als Nullstellung am Lenkrad angebracht hatte, wird die Geradeausstellung streifenmäßig angezeigt.

Natürlich steht der Name Gordini auf den insgesamt vier Einzelsitzen und auch die Fußmatten tragen den Namen des Erbauers der Sportlimousine aus den sechsziger Jahren. Zahlreiche Extras wie Klimaautomatik, Tempomat, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Navigationssystem oder die schwarz-blaue Lederpolsterung schmücken den sportlichen Clio.

Kein Leistungszuwachs

Fahrspaß inklusive Foto: Renault

Das für sportliche Fahrer etwas zu groß geratene Lenkrad aber deutet darauf hin, dass die sportlichen Ansprüche der Gordini-Legenden im Rallye-Sport - immerhin wurde .der aus Italien eingewanderte Franzose mit dem Beinamen "Der Hexer" geehrt - eher optischer Natur sind. Denn der 2,0-Liter-Motor mit 148 kW/201 PS wurde für die spezielle Gordini-Version nicht noch einmal verstärkt, sondern treibt auch den normalen Clio Renault Sport an.

Sicher, auch damit ist man sehr sportlich unterwegs. In lediglich 6,9 Sekunden sind die 100 km/h erreicht und mit einer Spitzengeschwindigkeit von 224 km/h können diverse andere Verkehrsteilnehmer auf der linken Autobahnspur überrascht werden. Auch ist das Fahrwerk des sportlichen Renault-Ablegers wieder hervorragend gestaltet und ermöglicht nicht nur dank des gut zu schaltenden Sechsgangsgetriebes spritzige Kurvenfahrten mit ordentlich Fahrspaß, den das erst spät einsetzende ESP weiter fördert.

Optisches Tuning

Die Rallyestreifen deuten auch am Heck ihre Herkunft an Foto: Renault

Doch unterm Strich bleibt der Gordini technisch gesehen ebenso ein Clio Renault Sport wie aus dem Polo ein verkleideter und teurerer Cross Polo wird. Die zahlreichen Extras schlagen mit 2500 Euro Aufpreis zu Buche, sodass der Gordini Renault Sport bei 25.300 Euro beginnt, während der "normale" Clio Renault Sport schon bei 22.800 Euro beginnt.

Doch wie der Trend beim Tuning hin zu optischen Reizen geht, ist auch die Gordini-Variante für die sportlich betonten Kunden äußerst lukrativ. 18,5 Prozent aller Clio Renault Sport- Interessenten haben Kaufanträge für die Gordini-Version bestellt. Kleider machen eben Leute.

Vorheriger ArtikelInlands-Automarkt bleibt mau
Nächster ArtikelSag Baby zu mir
Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam noch das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit Beginn 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.