21. April 2008

Fahrbericht Renault Laguna Grandtour 2.0 dCi Automatik Annäherung an die Oberklasse

Der neue Renault Laguna Grandtour
Der neue Renault Laguna Grandtour © Foto: Renault

Der neue Renault Laguna Grandtour lädt dank eines dynamischen Design und durchzugskräftigen Motoren förmlich zur Spritztour ein. Doch nicht alle Insassen werden sich an der Fahrt erfreuen.




Von Thomas Flehmer

Das einstige Renault-Sorgenkind mausert sich. Mit der dritten Generation des Laguna haben die Franzosen mit Abstrichen den Anschluss des Mitteklassemodells an die Oberklasse geschafft. Das Design des Kombis ist absolut gelungen, der bekannte und bewährte 2.0 Dieselmotor mit Rußpartikelfilter gehört zu den besten Aggregaten, die derzeit unterwegs sind. Und auch nach der Pannenstatistik des ADAC hat der Laguna einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht, wenn auch noch mit dem alten Modell.


Annäherung an Coupe

Im Zeichen der verstärkten Coupe-Annäherung vieler Marken - so ist auch die neue C-Klasse von Mercedes aufgetreten - tritt auch der neue Laguna Grandtour sportiver auf. Die 4,80 Meter zwischen vorderem und hinterem Stoßfänger wurden zu einem äußerst attraktivem Paket verschnürt.

Die lange Motorhaube mit dem großen Scheinwerfern erinnert an die französischen Reiselimousinen früherer Jahrzehnte, die zum Heck stark abfallende Seitenlinie vermittelt edle Sportlichkeit. Der von den großen Rückleuchten eingerahmte Renault-typische Birzel passt sich gut in das Gefüge der Heckklappe ein.

Edler Innenraum - billiger Blink-Mechanismus

Der Innenraum wirkt äußerst edel
Der Innenraum wirkt äußerst edel © Foto: Renault

Auch innen präsentiert sich Laguna in seiner von uns gefahrenen Topvariante «Initiale» äußerst edel. Mit Leder gepolsterte Sitze in Anthrazit, die Seitenhalt und Komfort zugleich geben, laden zum Einsteigen ein. Die gut erreichbaren Instrumente sowie die verwendeten Materialien besitzen ebenso Oberklasse-Niveau. Die Dekorleisten aus Holz sind Geschmackssache.

Dagegen fällt der Blink-Mechanismus total ab. Zum einen gibt es keinen Komfort-Blinker, zum anderen wird der Innenraum mit Tönen erfüllt, die die ersten Tennis-Videospiele auf dem Schwarz-Weiß-Fernseher erzeugt hatten.

Kein Platz für die Füße

Schnittiges Heck
Schnittiges Heck © Foto: Renault

Ebenfalls kein Oberklasse-Niveau bieten die Sitze im Fond. Zum einen ist die Sitzfläche etwas kurz bemessen, zum anderen passen die Füße nicht unter die vorderen Sitze, so dass eine längere Ausfahrt für die Insassen hinten nicht unbedingt zu den angenehmen Dingen des Lebens zählt. Da schafft der um zwölf Millimeter auf 2,76 Meter gewachsene Radstand nur wenig Abhilfe.

Um so pfiffiger erweist sich der Laguna zum Lastentransport. Per Tastenzug ist die im Verhältnis 60:40 geteilte Rückbank mit einem Griff niedergelegt und lässt eine ebene Fläche von 2,01 Metern Länge entstehen. Das Gepäckvolumen steigt zeitgleich von 508 auf 1593 Liter an.

Fahrspaß pur

Fahrfreude ist gegeben
Fahrfreude ist gegeben © Foto: Renault

Eine Wonne ist dagegen das Fahrerlebnis. Zwar muss man beim 110 kW/150 PS starken 2,0 Dieselmotor mit Sechsgang-Automatikgetriebe warten, bis die 2000 U/min erreicht sind, doch stehen die 340 Nm voll und ganz zur Verfügung. Wird der Laguna auf Drehzahl gehalten, so kann er mühelos mit den Oberklassemodellen mithalten. Dass der Sprint in lediglich zehn Sekunden vonstatten gehen soll, scheint untertrieben. Und auch die angegebenen 203 km/h Höchstgeschwindigkeit konnten auf dem Tacho um weitere zehn km/h getoppt werden. Dank guter Dämmung bleiben die Motorengeräusche auch in hohen Geschwindigkeitsbereichen außen vor und vermitteln den Insassen ein Dahingleiten, wenn die Straßenlage es hergibt.

Natürlich wurden gleichzeitig auch die Verbrauchswerte gesteigert. Auf der „Heizer“-Strecke Berlin - Leipzig und zurück benötigte der Laguna bei äußerst schneller Fahrt 10,5 Liter. Hier existiert über weite Strecken noch kein Tempolimit und man kann dem Fahrspaß frönen. Die von Renault angegeben 5,7 Liter sind dagegen nur zu halten, wenn die 120 oder 130 km/h strikt ausgefahren werden. In der Stadt dagegen benötigte der Grandtour - allerdings auch mit einigen Stadtautobahn-Kilometern 9,1 Liter und damit 0,5 Liter weniger als angegeben.

Sechs Sterne angepeilt

Platz für mehrere Golftaschen
Platz für mehrere Golftaschen © Foto: Renault

Klar, dass bei dem Laguna die Sicherheit groß geschrieben wird. 2001 war das Modell das erste Auto, das fünf Sterne beim Euro-NCAP erreichte. Die neue Ausgabe wurde mit aktiven Kopfstützen, Airbags mit Doppelkammersystem für Brust und Becken und Durchrutsch-Schutz bei den Gurten optimiert, sodass nun sogar sechs Sterne angepeilt werden, wenn es diese Kategorie in Zukunft geben sollte.

Während der Laguna Grandtour als Basis-Benziner bei 22.300 Euro startet, müssen für den 2.0 dCi FAP Automatik in der Version Initiale 35.550 Euro angelegt werden. Die beiden Ausstattungspakete Confort und Luxe mit u.a. Klimaautomatik, Licht- und Regensensor, Tempopilot, schlüsselloses Einstiegssystem, anklappbaren Seitenspiegeln sind dann schon enthalten. Sie machen einen Aufpreis von 1600 Euro aus. Seitenairbags hinten für 300 Euro, Reifendruckkontrolle für 220 Euro oder ein Panorama-Glasdach für 900 vervollständigen den Einstieg in die obere Mittelklasse.

Dass dieser Einstieg ohne Sorgen vonstatten geht, soll durch die Garantie über 150.000 Kilometer abgedeckt werden. So wird sich erst in drei Jahren herausstellen, ob das einstige Sorgenkind zum Vorzeigeschüler herangewachsen ist.






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