8. März 2012

Fahrbericht Komfortable Alternative zu VW Tiguan und Co. Renault Koleos dCi 175 4x4: Gelungene Verwandlung

Dem Renault Koleos hat das Facelift gut getan
Dem Renault Koleos hat das Facelift gut getan © Renault

Renault hat den Koleos den rustikalen Anforderungen eines SUV zum Teil angepasst. Das äußerst komfortable Fahrwerk lässt den kompakten Geländegänger etwas schwerfällig agieren.




Von Holger Holzer

Wenn es nicht läuft, muss man die Strategie umstellen. Das weiß auch Renault. Die Franzosen haben ihren Kompakt-SUV Koleos daher mit einem umfassenden Facelift neu positioniert. Was ihm an Flair und Fahrdynamik im Wettbewerb mit Ford Kuga und Co. fehlt, soll nun purer Luxus ausgleichen. Als der Koleos 2008 auf den Markt kam, wirkte er ein wenig wie ein Schnellschuss. Die Franzosen hatten bis dato den sich abzeichnenden SUV-Boom nahezu ignoriert. Als die Konkurrenten dann Verkaufsrekord an Verkaufsrekord reihten, musste man reagieren. Da Allradtechnik und eine passende Plattform in den eigenen Regalen nicht zu finden waren, bediente man sich der Hilfe zweier Kooperationspartner. Nissan steuerte das 4x4-System sowie zahlreiche weitere Komponenten aus dem rustikaleren X-Trail bei, die Produktion übernahm Samsung in Korea.


Viel Chrom für den Renault Koleos

Die Kundschaft goutierte die Angebotserweiterung jedoch nicht, so dass Renault im Sommer 2011 reagiert. Aus dem eher preiswerten Modell (ab 24.900 Euro) mit dem etwas ausdruckslosen Gesicht wurde ein mindestens 28.990 Euro teures Edel-SUV mit viel Chrom und bulligem Kühler.

Der stärkere der beiden Allraddiesel (127 kW/173 PS), der zum Test antritt, kostet ab 34.490 Euro, gleicht das aber mit einer umfassenden Ausstattung aus. An Bord finden sich zahlreiche Posten, die bei der Konkurrenz Aufpreis kosten, etwa Zwei-Zonen-Klimaautomatik, 18-Zoll-Leichtmetallräder, Einparksensoren, ein Tempomat oder die Dachreling.

Pfiffige Details im Renault Koleos

Hochwertige Verarbeitung im Renault Koleos
Hochwertige Verarbeitung im Renault Koleos © Renault

Nach dem Erklettern des rückenfreundlich hohen Fahrersitzes überzeugt die neue Ausrichtung zunächst. Hochwertig wirkende Kunststoffe, allerlei Chrom-Zierrat und die – für die Franzosen ansonsten nicht unbedingt typische – gute Verarbeitung sorgen für Wohlfühlklima. Neben geräumigen Ablagen machen auch pfiffige Details wie ein ausklappbarer Sphären-Spiegel für den Blick auf die rückwärtige Bank das Leben an Bord angenehm.

Für die Fondpassagiere gibt es serienmäßige Klapptische an den Lehnen der Vordersitze. Wer sperriges Gepäck einlädt, kann mit einem Hebelzug vom Kofferraum aus die Rückenlehnen der zweiten Reihe quasi ferngesteuert umlegen. Und auch die Lehne des Beifahrersitzes ist wegklappbar. Wirklich praktisch.

Übertriebener Sport-Verzicht des Renault Koleos

Gelände kann der Renault Koleos auch
Gelände kann der Renault Koleos auch © Renault

Umso mehr fallen Schwächen bei der Bedienung auf: Winzige Knöpfchen machen die Radiosteuerung während der Fahrt zur Glückssache, ein kompliziertes Konglomerat von Schaltern auf der Mittelkonsole zwischen den Sitzen verlangt Blindflug bei der Navi-Einstellung.

Wie man es von einem Franzosen erwartet, geht es während der Fahrt eher komfortabel zu. Der Koleos übertreibt es mit dem Sport-Verzicht allerdings ein wenig. Eine deutliche Wankneigung in Kurven und frühes Untersteuerung sorgen in Kombination mit der synthetisch wirkenden Lenkung für einen schwerfälligen Eindruck. Auch im Stadtverkehr wirkt der Koleos mit seinem großen Wendekreis und seiner schlechten Übersichtlichkeit wie ein unbeweglicher Koloss. Dabei ist sein 127 kW/173 PS starker 2,0-Liter-Diesel prinzipiell durchaus gelungen. Vor allem außerhalb von Ortschaften überzeugt er mit gutem Durchzug bei niedrigen Touren und kultivierten Manieren.

Behäbiges Fahrverhalten als Minuspunkt für den Renault Koleos

Der Allradantrieb des Renault Koleos verrichtet gute Arbeit
Der Allradantrieb des Renault Koleos verrichtet gute Arbeit © Renault

Einen guten Job macht auch der in Kombination mit dem großen Diesel serienmäßige Allradantrieb. Die Traktionshilfe schaltet sich frühzeitig bei drohendem Traktionsverlust zu, was vor allem beim Anfahren auf nasser Straße nötig ist. Wer sich in Matsch oder Schnee richtig festgefahren hat, kann eine elektronische Differentialsperre aktivieren und sich mit der starren Kraftverteilung auf beide Achsen befreien. Als dritter Modus kann der Allradantrieb komplett deaktiviert werden, was in der Praxis aber keine Spritsparvorteile hat. Der Verbrauch liegt so oder so bei rund 7,5 Litern auf 100 Kilometern.

Unterm Strich zeigt sich der Koleos als komfortable Alternative zu Tiguan und Co. – vor allem, was die Ausstattung und die pfiffigen Details angeht. Mit seinem behäbigen Fahrverhalten kann er in dem hart umkämpften Segment aber keine Punkte machen. (SP-X)






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