14. August 2009

Fahrbericht Range Rover Sport Supercharged Eine Rippe weniger

Der neue Range Rover Sport auf Pfadfindertour
Der neue Range Rover Sport auf Pfadfindertour © Foto: Land Rover

Auch die neue Range Rover Sport-Generation wird wohl vornehmlich mit dem Asphalt Vorlieb nehmen. Dabei ist das Luxus-SUV auch für das schwierigste Gelände präpariert.


Von Thomas Flehmer

Weniger ist manchmal mehr. Nur noch mit zwei anstatt vorher drei Lamellen am Kühlergrill ist der Range Rover Sport des Modelljahrgangs 2010 unterwegs. Doch der Verzicht auf eine Rippe hat dem Auftritt des Flaggschiffs von Land Rover gut getan. Die Front, deren Scheinwerfer nun mit LED-Licht leuchten, wirkt frischer als das Vorgängermodell. Der Auftritt unterstreicht trotzdem weiterhin die Potenz, die das 4,97 Meter lange SUV durch seine natürliche Form ausstrahlt.

Weiterer Komfort für den Innenraum

Aufgefrischt wurde auch der Innenraum. Das komfortable Leder oder die edlen Holzoberflächen, die auch schon im Vorgänger eine mobile Landhaus-Atmosphäre erzeugten, sind erhalten geblieben. Dafür wurde die Mittelkonsole neu gestaltet. Zahlreiche Knöpfe verschwanden oder wurden umgesetzt, sodass Fahrer und Beifahrer während der Fahrt nicht durch eine unübersichtliche Bedienungsfläche im Blickfeld abgelenkt werden.

Die Ledersitze wurden noch einmal komfortabler ausgelegt, verfügen über genügend Sitzfläche und Seitenhalt. In britischer Tradition thront man eher als dass man sitzt. Auch auf den drei hinteren Sitzen muss man sich nicht einengen, sondern kann die Fahrt genießen.

Spürbarer Gangwechsel

Der Innenraum wurde noch weiter aufgewertet
Der Innenraum wurde noch weiter aufgewertet © Foto: Land Rover

Und genossen werden kann das Dahingleiten. Trotz des Namenszusatzes «Sport» ist kein Aufröhren der 510 PS des 5,0 Liter-Achtzylinders mit Twin-Kompressor, der schon die Jaguar-Modelle XF und XK antreibt, zu hören. Der Range Rover Sport präsentiert fast bescheiden leise seine Kraft. 625 Nm drücken einen beim Start ebenso in die Sitze wie es ein Porsche Cayenne Turbo S mit zehn PS weniger auch tut.

Während der Jaguar XK mit identischem Aggregat ohne merkliche Durchzugsunterbrechung der Höchstgeschwindigkeit entgegen jagt, ist beim Spurt des bis zu 2,78 Tonnen schweren Boliden der Gangwechsel schon spürbar. Trotzdem vergehen lediglich 6,2 Sekunden bis zum Erreichen des dreistelligen km/h-Bereichs.

14,9 Liter für 100 Kilometer

Leider ohne Spritsparende Maßnahmen wie Start-Stopp-System unterwegs
Leider ohne Spritsparende Maßnahmen wie Start-Stopp-System unterwegs © Foto: Land Rover

Zwar sank der Kraftstoffverbrauch gegenüber dem 4,2 Liter-V8 des Vorgängers dank einem neuen Einspritzsystem, Ansaugkrümmer mit variabler Länge sowie ein rascheres Aufwärmen des Motors um 5,7 Prozent, doch - und das ist der Wermutstropfen beim Range Rover Sport Supercharged - bleiben unterm Strich 14,9 Liter Superplus für 100 Kilometer, die dank der Fahrfreude nur auf dem Papier Bestand haben werden.

Start-Stopp-Systeme oder ein Downsizing der Motoren stehen noch nicht auf dem Programm. Da schlucken die Hybrid-Modelle der Lexus-SUV deutlich weniger. Und weniger bedeutet in diesen Zeiten mehr.

Sechszylinder als Alternative

Auch auf nassem Untergrund jederzeit beherrschbar
Auch auf nassem Untergrund jederzeit beherrschbar © Foto: AG/Flehmer

Wer mit weniger zufrieden ist, greift zum 3.0 Sechszylinder-Diesel, der ebenfalls schon beim Jaguar XF eingesetzt wird und aus der Kooperation zwischen Ford und PSA Peugeot Citroen stammt. Der Range Rover begnügt sich mit 30 Pferdchen weniger als die 275 PS starke Jaguar-Schwester und 9,2 Litern Diesel.

Hier wird man beim Sprint zwar nicht so stark in die Sessel gedrückt wie beim ebenfalls Euro 5 erfüllenden Supercharged, doch 243 Gramm CO2-Ausstoß beim Sechszylinder Diesel belasten das Umweltgewissen weniger als die 348 Gramm des Achtzylinders. Hier ist weniger deutlich mehr.

Beeindruckende Geländeeigenschaften

Sieht wie ein Unfall aus, ist aber eine kontrollierte Abfahrt ins Gelände
Sieht wie ein Unfall aus, ist aber eine kontrollierte Abfahrt ins Gelände © Foto: AG/Flehmer

Für ein Mehr sorgt auch die breite Einsatzbereitschaft des Edel-Geländewagens. Eigentlich ist er zu schade, abseits der Straßen durch schlammige Wege oder durch Flüsse zu fahren. Aber ausgestattet mit adaptiver Fahrwerkssteuerung mit Niveauregelung und optimierten Dämpfereinstellungen sowie Brembo-Bremsanlage und Bergabfahrkontrolle und Berganfahrhilfe avanciert das Edel-SUV zum Pfadfinder.

Egal, ob schlammige Waldwege mit Steigungen oder Gefälle im höheren zweistelligen Gradbereich, oder auch Flüsse - für den Range Rover Sport stellen sie kein Hindernis dar. Beeindruckend, wie sich das edle, aber doch kastenförmige Gefährt, den jeweiligen Bodenunebenheiten anpassen kann und sich förmlich streckt.

Ab 61.600 Euro

Sicher durch die Fluten
Sicher durch die Fluten © Foto: Land Rover

Strecken müssen sich auch die Interessenten. Ein gut gefüllter Geldbeutel sollte schon vorhanden sein. Allein 61.600 Euro sind beim Einstieg für den Dreiliter-Diesel zu berappen, der Fünfliter Supercharged beginnt bei 82.200 Euro. Der vergleichbare Porsche Cayenne Turbo beginnt sogar noch knappe 30.000 Euro später. Trotzdem würden man sich auch schon beim Range Rover Sport wünschen, dass weniger mehr wäre.