Von Thomas Flehmer
Was war das für ein Krampf. Jahrelang sperrte sich Porsche gegen die Einpflanzung eines Dieselmotors in auch nur irgendeinem Modell der eigenen Marke. Unvereinbar sei ein Selbstzünder mit der Philosophie der Sportwagenschmiede aus Zuffenhausen. Doch irgendwann brach das Eis – man muss sagen: zum Glück.
Diesel als Brücke für Viele
Mit dem Cayenne als Testobjekt konnten die Ingenieure nicht viel falsch machen. Das Luxus-SUV taugt schon von seiner Art her nicht zum reinen Sportwagen, auch wenn Porsche draufsteht. So wurde das Stiefkind, das eher in den USA favorisiert wurde, in heimischen Gefilden schief angesehen – schon allein als spritfressender Geländewagen.
Der drei Liter große Selbstzünder mit 176 kW/240 PS und 550 Newtonmetern schlägt nun eine Brücke für viele. Zum einen kann der Einstiegspreis von 59.834 Euro von einer breiteren Schicht bewältigt werden, zum anderen sind die später anfallenden Kosten nicht ganz so hoch - und auch der Stigmatismus des Spritfressers kann nicht angewendet werden.
Gemütliches Cruisen
Denn der Sechszylinder zeigt sich – für Porsche ungewohnt – äußerst sparsam. Lediglich 7,8 Liter im Berliner Stadtverkehr flossen über 100 Kilometer durch die Schläuche, auch bedingt durch das einwandfrei funktionierende Stopp-Start-System. Für den 2,1 Tonner ein grandioser Wert, auch wenn zahlreiche Stadtautobahnkilometer darunter waren. Porsche gibt den Wert mit 8,7 Litern an.
Und auf der Jagd nach dem günstigsten Verbrauch kam dann auch heraus, dass der Cayenne sich hervorragend zum gemütlichen Cruisen eignet. Das achtstufige Automatikgetriebe schaltete schnell hoch – bei knapp über 50 km/h leuchtete im übersichtlichen Display schon der fünfte Gang auf. Ein wenig schneller und der Sechste folgte sogleich.
Auf der Autobahn setzte sich der Fahrspaß fort. Je nach Verkehrslage fuhr das 4,85 Meter lange SUV zwischen 120 und 200 Stundenkilometern und blieb dabei deutlich unter zehn Litern. Einen Porsche sportlich mit 9,5 Litern bewegen zu können, reißt selbst den Cayenne aus der zuvor skeptisch beurteilten Zone.
Und bei einem Tempo über 200 km/h bewegte sich der Geländewagen schon sehr nah an der Höchstgeschwindigkeit von 218 km/h. Auf der Rolle bei unrealistischen Bedingungen wurden dem Cayenne 6,6 Liter notiert – sicherlich erreichbar, aber nur, wenn auf den Fahrspaß verzichtet wird, denn der Cayenne Diesel bieten kann.
Ausstattung von bis zu 35.000 Euro
Auch wenn die Kurven nicht so genommen werden können wie bei den anderen Baureihen des Sportwagenherstellers, der Cayenne vermittelt Fahrfreude auf seine eigene Art. Klobig wie die 2,1 Tonnen nun mal sind, vermitteln die zahlreichen und kostspieligen Helfer und Ausstattungselemente sehr viel mehr Fahrspaß als das Mobil nur als Spielzeug für die Fahrt zum Kindergarten zu nutzen.
Je nach Geldbeutel können den knapp 60.000 Euro noch ein paar mehr Scheine im Wert von bis zu 35.000 Euro folgen. Dann fehlt aber wirklich nichts mehr. Aber auch ohne die Zusatzausstattungen lässt es sich auch in der Basisversion schon an Bord aushalten.
Warum Hybrid?
Für die Dieselverweigerer von Porsche stellt sich jetzt aber die Frage: Wieso noch Hybrid? Das rund 20.000 Euro teurere Modell verlangt nicht unbedingt nach weniger Kraftsoff, wird aber zumeist in den USA gefragt sein. In dem Land, in dem häufiger Gas- und Bremspedal verwechselt werden.










