18. Oktober 2012

Fahrbericht Einstieg ins Wachstumssegment Opel Mokka: Aufwärts mit dem Mini-SUV

Der Opel Mokka präsentiert sich ohne Schwächen. Fotos ▶
Der Opel Mokka präsentiert sich ohne Schwächen. © AG/Mertens

Opel setzt mit dem Mini-SUV Mokka auf deutliches Wachstum. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Das neueste Modell der Rüsselsheimer bringt fast alles mit, um den Absatz zu beflügeln.




Von Frank Mertens

Der Markt der Geländewagen wächst und wächst. Doch davon konnte der Rüsselsheimer Autobauer Opel bislang nicht profitieren. Die Nachfrage nach dem Opel Antara vollzieht sich in homöopathischen Dosen. In den ersten neun Monaten des Jahres konnte die GM-Tochter von ihrem SUV gerade einmal 1914 Einheiten absetzen.

Doch nun unternimmt Opel einen neuen Anlauf – und der dürfte erfolgsversprechend sein. Mit dem Mokka bringt Opel einen kleinen Geländewagen im so genannten subkompakten Segment auf den Markt – und die Kunden scheinen geradezu auf dieses Modell der Rüsselsheimer gewartet zu haben.


Europaweit 40.000 Bestellungen für Mokka

So liegen europaweit bereits etwas mehr als 40.000 Vorbestellungen vor, darunter 10.000 aus Deutschland, wie Opel-Vertriebschefin Imelda Labbé berichtet. "Diese Zahlen zeigen, wie gut dieses Fahrzeug bei den Kunden ankommt." Labbé rechnet perspektivisch mit einer hohen Nachfrage nach dem Mokka, auch wenn sie sich auf konkrete Absatzerwartungen nicht festlegen lassen möchte. Sie verweist vielmehr auf das Potenzial im Segment, das seit 2009 um 140 Prozent gewachsen ist. "Eine Trendwende ist nicht in Sicht, entsprechend gehen wir von weiterem Wachstum aus."

Das Cockpit im Opel Mokka
Das Cockpit im Opel Mokka © Opel

Die Chancen dafür stehen gut. Denn mit dem Mokka bringt Opel ein Auto in einem Segment auf den Markt, das neben der Kompaktklasse zum zweitwichtigsten gehört. Doch was bedeutet das in reinen Stückzahlen für den deutschen Markt? Schaut man sich die Absatzzahlen der Hauptmitbewerber wie dem Nissan Juke, Mitsubishi ASX, dem Mini Countryman oder dem Skoda Yeti an, von dem per September etwas mehr als 17.000 Einheiten verkauft wurden, dann müsste sich der Mokka bei einem jährlichen Absatz irgendwo um die 20.000 Einheiten bewegen.

Design spricht breite Zielgruppe an

Ofroad mit dem Opel Mokka
Ofroad mit dem Opel Mokka © Opel

Damit der Mokka eine möglichst breite Zielgruppe anspricht, erhielt er zwar ein modernes Design, doch auf allzu viele expressiven Spielereien wie beispielsweise beim Juke wurde verzichtet. Schließlich sollen keine potenziellen Käufer verschreckt werden. Das Ergebnis lässt sich dann auch sehen: der 4,28 Meter lange Mokka wirkt sportlich, dank seiner stark bis zur C-Säule ansteigenden Seitenlinie liegt er dynamisch auf der Straße.

Doch wie fährt sich der neue Mokka so? Dass dürfte gerade auch die 40.000 Kunden interessieren, die sich ohne Probefahrt für den Mokka entschieden haben, dessen Preis bei 18.990 Euro für den 1.6 Liter Einstiegsbenziner mit 115 PS beginnt.

Gut, sehr gut sogar. Sie müssen ihre Entscheidung nicht bereuen. Vor allem dann nicht, wenn sie sich für den von uns getesteten 1.4 Liter Turbo-Benziner mit 140 PS entschieden haben. Es ist ein Aggregat, das seine Sache ausgesprochen überzeugend macht und dank eines maximalen Drehmoments von 200 Nm den 1350 Kilo schweren Mokka gut auf Touren bringt. In 9,9 Sekunden sprintet er auf Tempo 100, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 190 km/h an. Den Weg dorthin verrichtet der Allradler ohne Beanstandungen.

Da das maximale Drehmoment zwischen dem langen Drehzahlband von 1850 bis 4900 Umdrehungen anliegt, lässt es sich mit dem Mokka recht schaltfaul unterwegs sein kann. Der Durchschnittsverbrauch für den 1.4er wird mit 6,4 Litern angegeben, was einem CO2-Ausstoß von 149 g/km entspricht. Bei den Testfahrten wurde dieser Wert indes verfehlt, hier standen 8,1 Liter auf dem Bordcomputer, allerdings mit schnelleren Autobahnpassagen.

Opel Mokka mit gutem Fahrkomfort

Seite an Seite: Der Opel Mokka
Seite an Seite: Der Opel Mokka © AG/Mertens

Auch am Fahrkomfort gibt es nichts zu kritisieren. Der ab der Ausstattungsvariante Edition serienmäßig mit 18-Zoll Leichtmetallfelgen und 215/55er-Reifen ausgestattete Mokka verfügt über einen sehr guten Federungskomfort und schluckt schlechte Straßenverhältnisse souverän. Dass dürfte auch an der Hinterachse liegen, die jeweils für den Front- und den Allradantrieb abgestimmt wurde. Trotz seiner Höhe von 1,66 Metern lässt sich der Mokka auch in flotter gefahrenen Kurven nicht aus der Ruhe bringen; Wankbewegungen halten sich in Grenzen – so muss es sein.

Gesteigert wird der Fahrkomfort zudem durch die Sitze mit dem Gütesiegel "Aktion Gesunder Rücken" (AGR), die eine Vielzahl von Einstellmöglichkeiten bieten. Dass dieser Sitz den Fahrer nachhaltig entlastet und ihn entspannter am Ziel ankommen lässt, hat mittlerweile übrigens auch VW erkannt: Die Wolfsburger bieten den AGR-Sitz nun auch im neuen Golf VII an.

Mit Blick auf den Innenraum des neuen Mokka gibt es nichts zu beanstanden. Die Materialien sehen ansprechend aus, fühlen sich ebenso an – man kann sich in dem Kleinen recht wohl fühlen. Mit Blick auf den Kofferraum sollte man vom Mokka indes nicht zu viel erwarten, schließlich ist er im subkompakten Segment unterwegs: Das bedeutet, dass sich nur 356 Liter Gepäck verstauen lassen, bei umgeklappter Rückbank sind es 785 Liter. Das ist okay, mehr aber auch nicht.

Ausreichend Platz im Fond

Der Opel Mokka
Der Opel Mokka © Opel

Viel wichtiger dürfte sein, dass auf der Rückbank zwei Erwachsene bequem Platz nehmen können, selbst wenn sie größer als 1,80 Meter sind. Sie brauchen sich weder über zu wenig Knie- noch Kopffreiheit beklagen. Wer über den Kauf eines Mokka nachdenkt, der sollte sich indes auch für eine Rückfahrkamera entscheiden. Denn der Blick nach hinten ist doch arg eingeschränkt. Sie kostet 270 Euro, ist aber nur zusammen mit dem Navi 600 (700 Euro) bestellbar. Wer mit unserem Testwagen unterwegs sein will, muss dafür mindestens 23.790 Euro bezahlen.

Wer lieber Diesel fährt, kann dies indes auch tun. Dafür bietet Opel den 1.7 CDTI mit 130 PS, der mit 23.380 Euro in der Preisliste steht; mit Allradantrieb noch 2000 Euro mehr fällig. Doch muss es unbedingt der Diesel sein? Nein, muss es nicht. Der Verbrauch liegt hier zwar bei nur 4,5 Litern, doch dafür muss der Fahrer in Kauf nehmen, einen doch recht präsenten Motor zu bewegen. Der Diesel bietet ohne Frage gute Fahrleistungen – in 10,5 Sekunden ist Tempo 100 erreicht – doch deutlich kultivierter ist man im 1.4er Turbobenziner unterwegs. Er ist entsprechend auch die Kaufempfehlung.

Der Opel Mokka von vorn und hinten
Der Opel Mokka von vorn und hinten © AG/Mertens

Opel selbst geht davon aus, dass sich je 45 Prozent der Käufer für den 1.4er-Benziner und den 1.7 CDTI entscheiden. Mit dem Mokka hat Opel einen überzeugenden Allrounder auf die Straße gebracht. Er bringt damit alles mit, die Absatzzahlen der Rüsselsheimer zu beflügeln. Vor allem ist der Mokka auch ein Auto, das nicht nur in Deutschland auf ein großes Interesse stoßen dürfte. Auch für den Wachstumsmarkt Russland spielt das Modell eine wichtige Rolle.






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