11. Dezember 2012

Fahrbericht Keine schleichende Verzichtserklärung Opel Meriva 1.4 Turbo LPG: Gut im Saft

Der Opel Meriva 1.4 Turbo LPG ist sparsam, aber nicht spaßarm.
Der Opel Meriva 1.4 Turbo LPG ist sparsam, aber nicht spaßarm. © Opel

Autogasfahrzeuge sind zumeist etwas langsamer unterwegs als reine Benziner. Der Opel Meriva 1.4 LPG kann dagegen voll mithalten – dank Turboaufladung, die bei anderen Herstellern fehlt.




Von Holger Holzer

Autogas-Fahrzeuge sind bei den Kraftstoffkosten sparsam, aber beim Fahren eher spaßarm. Meist arbeitet unter der Haube ein kleiner und ältlicher Benziner, dem durch die LPG-Diät zusätzlich Leistung entzogen wird. Opel geht einen anderen Weg und bietet seinen relativ neuen 1,4-Liter-Turbo in einer 88 kW/120 PS starken Gasvariante an – unter anderem beim Mini-Van Meriva.


47.000 Kilometer benötigt der Autogas-Meriva bis zur Amortisierung

Als Familienauto ist der Meriva prädestiniert für den Einsatz von Autogas. Wer vor allem den Nachwuchs von A nach B fährt oder den Wochenendeinkauf im Discounter erledigt, braucht keinen Langstrecken-Diesel und kommt an der Tankstelle trotzdem mit wenig Geld aus. Knapp 80 Cent kostet der Liter Autogas. Auch wenn man den systembedingt um rund 20 Prozent höheren Verbrauch eines LPG-Motors berücksichtigt, ist das noch deutlich billiger als Superbenzin. Im Test genehmigte sich der Gas-Meriva rund neun Liter LPG auf 100 Kilometern. Kosten: 7,20 Euro. Im reinen Benzinbetrieb brauchte der Opel knapp 7,5 Liter. Kosten hier: 11,63 Euro (bei einem Superpreis von 1,55 Euro/Liter).

Allerdings ist die LPG-Version mit mindestens 22.520 Euro rund 2100 Euro teurer als die reine Benzinversion (einen vergleichbaren Diesel gibt es ab 22.400 Euro) mit ansonsten gleichen Motor. Bis der Aufpreis hereingefahren ist, vergehen gut 47.000 Kilometer oder je nach Fahrprofil rund vier bis fünf Jahre. Allerdings können weiter steigende Spritpreise die Rechnung günstiger machen – ein nicht ganz unwahrscheinliches Szenario. Autogas ist zunächst bis 2018 steuerbegünstig, Preiserhöhungen von Seiten der Mineralölkonzerne fallen somit nicht so stark ins Gewicht.

Opel Meriva LPG dank Turbo flott unterwegs

Das Cockpit des Opel Meriva LPG entspricht den Benziner-Versionen
Das Cockpit des Opel Meriva LPG entspricht den Benziner-Versionen © Opel

Die Kosten-Nutzen-Rechnung beim Meriva weicht nicht groß von der bei anderen Autogasfahrzeugen ab – ob werksseitig oder nachträglich auf LPG-Betrieb umgerüstet. Die eigentliche Besonderheit des Opel ist der Turbomotor, der bei anderen Herstellern gar nicht zu bekommen ist und an den sich nur wenige Nachrüster heran trauen.

Während viele andere Gasautos also echte Schleicher sind, ist der Meriva durchaus flott unterwegs. Der Vierzylinder steht schon bei niedrigen Touren gut im Saft, und lässt auch bei höherer Drehzahl kaum nach. Der Sprint von null auf 100 km/h dauert 11,8 Sekunden und damit nur minimal länger als beim reinen Benzinermodell. Ein Rennwagen ist der Mini-Van damit natürlich nicht, aber auch keine fahrende Verzichtserklärung.

Moderne Motoren von Opel für Autogas-Betrieb

Der Autogas-Tank des Opel Meriva ist in der Reserveradmulde verbaut
Der Autogas-Tank des Opel Meriva ist in der Reserveradmulde verbaut ©

Der kleine Unterschied bei der Längsdynamik erklärt sich vor allem aus dem geringeren Energiegehalt von Autogas, der auch für den tendenziell höheren Verbrauch verantwortlich ist. Die anderen Nachteile von LPG-Antrieben halten sich beim Opel allerdings in Grenzen: So ist das Motorengeräusch im Gasbetrieb nur einen Nuance lauter und rauer als im Benzinbetrieb. Und auch das Umschalten auf Gas kurz nach dem Losfahren – gestartet wird immer mit Super – ist kaum wahrnehmbar. Bei manchen anderen Modellen klingt es so, als hätte sich irgendwo ein unter Spannung stehendes Blechteil gelöst.

Auch beim Platzangebot muss der LPG-Fahrer kaum Einschränkungen hinnehmen. Bis auf den Antrieb bleibt der Meriva im Grunde so, wie man ihn kennt: als geräumigen und variablen Fünfsitzer mit ordentlichem Federungskomfort und neutralem Fahrverhalten. Auch die hinten angeschlagenen Fondtüren bleiben unverändert. Der 38,4 Liter große Gastank findet in der Reserveradmulde Platz, für eventuelle Reifenpannen liegt ein Reparaturset bei. Das Cockpit entspricht dem der Benziner-Versionen – einzig der Knopf zum Umschalten zwischen Gas- und Benzinbetrieb in der Mittelkonsole verrät den besonderen Kraftstoff. Der Vorrat an beiden Spritsorten wird jeweils über die gleiche analoge Tankanzeige im Zentralinstrument angegeben, je nachdem welcher Betriebsmodus gerade aktuell ist. An das Bastel-Flair einiger anderer Autogasmodelle erinnert hier nichts. Opel montiert seine LPG-Modelle in Rüsselsheim komplett selbst, integriert sie dementsprechend sauber und setzt sogar eigens für den Gasbetrieb gebaute Motoren ein.

Überzeugendes Konzept von Opel für Meriva

Äußerlich gleicht der Autogas-Meriva den anderen Mini-Vans
Äußerlich gleicht der Autogas-Meriva den anderen Mini-Vans © Opel

Das Alles-aus-einer-Hand-Konzept beim Meriva kann durchaus überzeugen. Die fugenlose Umrüstung, der moderne gasoptimierte Motor und ein fairer Aufpreis machen den Mini-Van zur interessanten Wahl für Familien, die ihre Tankstellenkosten drücken wollen. Wie häufig bei alternativ angetriebenen Autos lohnt aber vorher ein genaues Nachrechnen. Denn wirklich profitieren kann nur, wer auch genug fährt. (SP-X)






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