8. Juli 2009

Fahrbericht Opel Insignia OPC Die Kirsche auf der Torte

Opel Insignia OPC
Opel Insignia OPC © Foto: Opel

Der Insignia hat sich für Opel zu einem Verkaufsrenner entwickelt. Nun bringen die Rüsselsheimer die OPC-Variante mit 325 PS auf den Markt. Es ist der bislang stärkste Serien-Opel im Portfolio.




Von Frank Mertens

Opel kann auch sportlich. Nachdem die Rüsselsheimer gerade erst die Sparversion des Insignia auf den Markt gebracht haben, schiebt der Autobauer ab Herbst die Sportvariante seines Verkaufsschlagers hinterher. Zu bestellen sein wird das neuste Modell dann sowohl als Fließ- und Stufenheck als auch als Sports Tourer.


Stärkste Serien-Opel

Der Insignia OPC markiert dabei nicht nur das Aushängeschild der Baureihe, sondern ist zugleich auch der stärkste bislang gebaute Serien-Opel. Der 2.8 V6-Turbo-Benziner stellt dabei stattliche 325 PS und ein maximales Drehmoment von 435 Newtonmeter zur Verfügung. Das sind Leistungsdaten, die sich vielversprechend anhören. Aber soviel PS wollen auch ordentlich auf die Straße gebracht werden.

Das Cockpit im Opel Insignia OPC
Das Cockpit im Opel Insignia OPC © Foto: Opel

Doch gerade daran krankte es bislang bei den OPC-Modellen. Der Frontantrieb wirkte angesichts der eingehauchten Leistung doch arg überfordert. Opel hat daraus gelernt und bringt den Insignia OPC mit einem Allradantrieb auf den Markt. Die Rüsselsheimer haben gut dran getan. Denn dank des Allradantriebs eröffnen sich für ein OPC-Modell gänzlich neue fahrdynamische Möglichkeiten. Während man sich früher beim Beschleunigen noch an einem nervigen Zerren an der Vorderachse stören musste, bringt der Insignia mit der Kraft der vier Räder seine Leistung ohne Beanstandungen souverän auf die Straße.

So beschleunigt er in gerade einmal sechs Sekunden auf Tempo 100. Den Zwischenspurt von 80 km/h auf 120 km/h absolviert er im fünften Gang in 7,1 Sekunden. Der Spaß an der Beschleunigung endet bei 250 km/h, elektronisch abgeregelt versteht sich.

Harmonische Kraftentfaltung

4-Kolben Brembo-Bremsen am Opel Insignia OPC
4-Kolben Brembo-Bremsen am Opel Insignia OPC © Foto: Opel

Seine Kraftentfaltung geschieht jenseits von 2000 Touren ausgesprochen harmonisch. Die immerhin 1825 Kilogramm schwere Limousine hängt oberhalb dieses Drehzahlbereichs willig am Gas. Nicht ganz überzeugen kann indes die Sechsgang-Schaltung, die nicht nur über zu lange Schaltgassen verfügt, sondern auch leicht hakelig zur Sache geht. Für das Serienfahrzeug besteht hier noch Nachbesserungsbedarf.

Durch einen neu entwickelten Mittel- und Endschalldämpfer haben die Akkustik-Ingenieure dem Insignia OPC zugleich einen satten Motorsound verpasst. Unterhalb von 2000 Umdrehungen wird er aufgrund seiner Frequenz allerdings von einem empfindlichen Gehör als unangenehm empfunden, wie erste Testfahrten im Hunsrück zeigten.

Neue Vorderradaufhängung

Der V6-Motor im Opel Insignia OPC leistet 325 PS
Der V6-Motor im Opel Insignia OPC leistet 325 PS © Foto: Opel

Insbesondere abseits der Autobahnen fühlt sich der Insignia OPC in seinem Element. Vor allem bei flotten Kurvenfahrten konnte der Insgnia seine Stärken ausspielen. Dazu trägt nicht nur das Allradsystem in Kombination mit einer elektronischen Differenzialsperre für die Hinterachse bei, sondern auch eine neue konzipierte Vorderradaufhängung. So kommen beim Insignia keine McPherson-Federbeine mehr zum Einsatz, sondern zwei neue Hochleistungsfederbeine (HiPerStrut). Sie sorgen durch eine spezielle Konstruktion dafür, dass das Auto möglichst von störenden Krafteinflüssen verschont bleibt und ein noch besseres Kurvenverhalten an den Tag legt. Die Massen an der Vorderachse konnte übrigens um stattliche 25 Prozent reduziert werden.Dazu beigetragen hat insbesondere eine deutliche Gewichtsreduktion der Vier-Kolben-Bremsanlage von Brembo.

Was die Theorie verspricht, hält der Insignia auch in der Praxis. Selbst von schnell aufeinander folgenden Kurvenfahrten lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen und bleibt souverän in der Spur. Vom Verbrauch lässt sich das nicht sagen: Er liegt bei sportlicher Fahrweise knapp zwei Liter über den Herstellerangaben von 11,4 Litern auf 100 Kilometern.

Eine feine Sache ist das Fahrwerkssystem FlexRide, das sich mittels Knopfdruck den individuellen Vorlieben anpasst. Neben der Standardeinstellung kann der Insignia-Fahrer durch einen Knopfdruck an der Mittelkonsole zwischen einem Sport- und einem OPC-Modus wählen. Diese Fahrmodi sorgen für eine härtere Fahrwerksauslegung beziehungsweise ein direkteres Ansprechverhalten der Lenkung und des Gaspedals.

Guter Komfort

Die Seitenlinie des Opel Insignia OPC
Die Seitenlinie des Opel Insignia OPC © Foto: Opel

Selbst wer sich für die sportliche Einstellung entschieden hat, kann im Insignia ausgesprochen komfortabel unterwegs sein. Dafür sorgen auch die exzellenten Recaro-Sportsitze. Dank der Vielzahl ihrer Einstellmöglichkeiten wurde ihnen das Gütesiegel «Aktion Gesunder Rücken» verliehen. Günstig sind die Recaro-Sitze indes nicht. Zum Basispreis von 44.900 Euro für den Viertürer kommen dann noch einmal 1600 Euro hinzu. Viel Geld, aber die Ausgabe lohnt sich. Der Fünftürer steht übrigens mit 45.290 Euro und der Sports Tourer mit 46.375 Euro in der Preisliste. Für diese Preise bekommt der Kunde aber auch ein durchaus gelungenes Fahrzeug vor die Tür gestellt. Der Innenraum ist nicht zu beanstanden, bietet optisch und haptisch einen guten Eindruck. Seinen Härtetest durchlief der Insignia OPC übrigens auf der Nordschleife des Nürburgrings.

Dort wurde er von den Testfahrern ohne Beanstandungen über 487 Runden gehetzt. Das entspricht einer Länge von über 10.000 Kilometer. «Überträgt man dies auf den Alltag, dann hat der Insignia OPC einen Test über 180.000 Kilometer bestanden», sagte der ehemalige LeMans-Sieger Manuel Reuter.

Kein Massenprodukt

Das Heck des Opel Insignia OPC
Das Heck des Opel Insignia OPC © Foto: Opel

Als Absatzgarant wird der Insignia OPC im Gegensatz zum Serien-Modell nicht fungieren können. Doch darum geht es auch nicht, wie Opel-Vize Alain Visser sagte. «Der Insignia soll unser Angebot nach oben abrunden. Es ist das feurige Chili in unserem Portfolio. Oder man kann sagen: Er ist die Kirsche auf der Torte.»

Seit dem Marktstart der OPC-Modellreihe im Jahr 1999 wurden lediglich 50.000 Einheiten in den verschiedenen Baureihen verkauft. Doch der Insignia OPC hat angesichts seines für einen Sportwagen fast schon dezenten Auftritts gute Chancen, für die eine oder andere Überraschung zu sorgen.






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