12. April 2007

Fahrbericht Opel Corsa 1.3 CDTI: Kompakte Kuschelecke

Der Opel Corsa 1.3 CDTI
Der Opel Corsa 1.3 CDTI © Foto: press-inform

Opels Kleinster ist erwachsen geworden. Das Auto mit dem Hai im Handschuhfach taugt mit der entsprechenden Ausstattung zum behaglichen Reisemobil. Leider gehen dabei auch ein paar Kleinwagen-Eigenschaften verloren.




Von Sebastian Viehmann

Wer im Jahr viele tausend Kilometer abreißt, will es gemütlich haben und ist gern mit einem sparsamen, aber flotten Dieselmotor unterwegs. Vor allem kompakte Autos aus München und Ingolstadt sind da als Dienstwagen und Reise-Flitzer begehrt. Voll ausgestattet sprengt aber schon ein Audi A3 oder 1er von BMW irgendwann die 30.000er-Marke. Warum dann nicht auf ein paar Pferdestärken verzichten und trotzdem die volle Komfort-Dröhnung genießen - für 10.000 Euro weniger?


Partikelfilter nur mit Aufpreis

Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht, mit einem Opel Corsa 1.3 CDTI «Edition» als Dreitürer zum Grundpreis von 15.982 Euro. Dazu kam das Sichtpaket (Regensensor, automatische Abblendung für Innenspiegel und Scheinwerfer), das Sommerpaket (unter anderem Klimaautomatik), das Winterpaket (unter anderem Sitz- und Lenkradheizung), das Technikpaket (Tempomat und Bordcomputer), Kurven- und Abbiegelicht, eine Einparkhilfe, 15 Zoll-Leichtmetallfelgen, CD-Radio mit 6-fachem CD-Wechsler sowie ein DVD-Navigationssystem mit Farbbildschirm. So ausgerüstet kostete der Testwagen knapp 20.500 Euro.

Seit April bietet Opel für den Corsa allerdings neue Modelle an, statt der Edition-Ausstattung gibt es jetzt die Sondermodelle «Catch Me» und «Catch Me Now» (als 1.3 CDTI mit 90 PS ab 16.740 Euro), die eine bessere Ausstattung und Preisvorteile mitbringen. Die Preise haben trotzdem etwas angezogen, so dass unser Testwagen nach der neuen Liste knapp 21.000 Euro kosten würde. Ohne Navi (1920 Euro) bleibt die Summe unter der 20.000er Marke. Ärgerlich: Ein Dieselpartikelfilter kostet immer noch 540 Euro Aufpreis, serienmäßig ist der Ruß-Schlucker nur beim 1.7 CDTI.

Ablagen-Armut im Cockpit

Wenig Platz für Ablagen
Wenig Platz für Ablagen © Foto: press-inform

Wenn es stimmt, dass der erste Eindruck der entscheidende ist, hätte der Corsa schon in den ersten Minuten gewonnen. Die zweifarbigen Polster und das Armaturenbrett empfangen die Passagiere in Schwarz und warmem Rot, die Mittelkonsole mit Klavierlack bringt einen Hauch Edel-Ambiente an Bord. Die stimmungsvolle Beleuchtung sorgt für Behaglichkeit, das Platzangebot ist großzügig - im neuen Corsa kann man es sich richtig schön kuschelig machen.

Auf der Rückbank freilich wird es für große Personen ein wenig eng. Beim Innenraum-Design haben sich die Rüsselsheimer richtig ausgetobt und sich sogar verewigt: Im Handschuhfach gibt es ein kleines Haifisch-Symbol, das Sinnbild der schnittigen Corsa-Karosserie. Leider herrscht ansonsten Ablagen-Armut im großen Cockpit. Ein paar mehr Staumöglichkeiten fürs Handy oder Kleinkram hätten es ruhig sein dürfen.

Gute Bedienungs-Ergonomie

Gute Bedienung
Gute Bedienung © Foto: press-inform

Auf den zweiten Blick nerven weitere Kleinigkeiten: Der Lichtschalter ist tief unten außer Sicht links neben dem Lenkrad vergraben. Vor allem das Ein- und Ausschalten der Nebelleuchten wird zur unfreiwilligen Übung für den Tastsinn. Völlig unzureichend ist die Kofferraumbeleuchtung: Eine kleine Funzel im unteren Teil des Gepäckabteils versucht tapfer, beim Beladen etwas Licht zu spenden. Sobald man die mit einem Gepäckstück verdeckt, herrscht totale Finsternis. Dafür schluckt der Kofferraum, den man durch eine horizontale Trennwand zweigeteilt nutzen kann, 285 Liter - in dieser Klasse sehr ordentlich. Leider ist die Ladekante ziemlich hoch.

Gelungen ist das Info-Terminal an der Mittelkonsole, das sich bei allen Lichtverhältnissen gut ablesen lässt. In der Info-Nische haben das Navi und die Anzeige des Bordcomputers ihre Heimat. Die Fernbedienung geht mit drei Knöpfen am Lenkrad spielend leicht von der Hand. Nach einer Eingewöhnungszeit kann man Navigation, Klima, Bordcomputer und die Audioanlage bedienen, ohne auch nur einmal die Hand vom Lenkrad zu nehmen. Von dieser Bedienungs-Ergonomie kann sich so mancher Hersteller eine Scheibe abschneiden. Auch der Tempomat, der als Drehschalter in den Blinkerhebel integriert ist, sorgt nicht für Fingerkrämpfe wie zum Beispiel die fummeligen Tasten im Meriva.

Eingeschränkte Sicht beim Spurwechsel

Das Heck des Corsa
Das Heck des Corsa © Foto: press-inform

Die elegante Corsa-Karosserie mit dem ansteigenden Heck und den dicken C-Säulen vermittelt zwar Geborgenheit und Wohlfühl-Atmosphäre im Innenraum, hat aber handfeste Nachteile. Für einen praktischen City-Flitzer ist das fast vier Meter lange Auto nicht nur eine Spur zu groß geworden, sondern auch zu unübersichtlich.

Vor allem beim Dreitürer ist die Sicht nach hinten und beim Spurwechsel arg eingeschränkt. Auch die große Windschutzscheibe sorgt nicht immer für Freude - zum Beispiel, wenn man sie komplett von Eis befreien muss. Zudem hat die Lüftung bei beschlagenen Scheiben arg zu kämpfen und benötigt eine Ewigkeit, bis die Scheibe komplett frei gepustet ist. Dafür machen Sitz- und Lenkradheizung die ersten Fahrminuten erträglicher.

Tauglich auch für längere Reisen

Platz im Kofferraum
Platz im Kofferraum © Foto: press-inform

Einmal in Fahrt gebracht, macht der kleine Rüsselsheimer eine Menge Spaß. Die Lenkung ist angenehm direkt, das Fahrwerk straff, aber nicht unkomfortabel und absolut Langstrecken-tauglich. Nur auf Querfugen wird es etwas holprig. Nachts sorgt das Kurven- und Abbiegelicht für erhellende Momente in dunklen Ecken. Wer es nicht besonders eilig hat, wird mit dem Kompromiss «Weniger Motorleistung, dafür mehr Ausstattung» ausgezeichnet leben.

Der 1.3-Liter Diesel mit 90 PS, den es auch in einer 75 PS-Variante gibt, sorgt für ordentlichen Vortrieb. Das maximale Drehmoment von 200 Newtonmetern liegt schon ab 1750 Umdrehungen an, in der Stadt lässt sich der kleine Opel sehr flott bewegen. Auch auf Landstraße und Autobahn macht der Diesel eine gute Figur, selbst bei der Höchstgeschwindigkeit von 172 Km/h bleibt das Motorengeräusch im Rahmen. Das Sechsgang-Schaltgetriebe lässt sich weich und flüssig bedienen.

Durchschnittsverbrauch nicht erreicht

Den Durchschnittsverbrauch gibt Opel mit 4,6 Litern an. Wir erzielten einmal einen Durchschnittsverbrauch von 4,7 Litern - aber nur außerorts und mit extrem zurückhaltender Fahrweise. Realistisch sind Durchschnittsverbräuche zwischen fünf und sechs Litern. Allerdings treiben Gewicht und Energiebedarf der Komplettausstattung natürlich auch den Verbrauch ein wenig in die Höhe.






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