20. November 2012

Fahrbericht Golf GTI-Jäger Opel Astra OPC: Ständige Versuchung

Der Opel Astra OPC ist das Topmodell der Astra-Baureihe. Fotos ▶
Der Opel Astra OPC ist das Topmodell der Astra-Baureihe. © Opel

Mit dem Opel Astra OPC ist das Topmodell der Baureihe aus Rüsselsheim äußerst rasant unterwegs. Der Kompaktsportler verleitet nicht nur akustisch zur ständigen Grenzüberschreitung im Straßenverkehr.




Kein Zweifel: Opel hat schon bessere Zeiten gesehen. Zeiten zum Beispiel, in denen sich bürgerliche Limousinen oder Coupés mit ihren dynamischen Ablegern geradezu ideal ergänzten und der Marke mit dem Blitz ein echtes sportliches Image gaben. Opel GT, Manta i200 und Kadett GT/E sind längst passé, aber einen kompakten sportliche Knaller gibt es bei den Rüsselsheimern auch heute noch zu kaufen: den Astra OPC.


Opel Astra OPC mit aggressivem Außendesign

Der von der Opel-Sportabteilung vom dreitürigen Astra GTC abgeleitete Straßensportler setzt sich bei Antrieb und Optik deutlich vom Schwestermodell ab. Die breite, weit aufgerissene Maul, der – sagen wir es vorsichtig – auffällige Heckspoiler und die unbescheidenen 19-Zoll-Felgen signalisieren dem gemeinen Golf GTI-Fahrer ziemlich geradeheraus: Mach dich vom Acker! Unterstützt wird der optische Auftritt von einem entsprechenden Sound. Der Vierzylinder faucht seine Leistungsbereitschaft heraus und unterstützt diese durch ein tiefes Grollen vor allem im unteren Drehzahlbereich.

Diesen allerdings will der Fahrer eines Astra OPC gerne schnell durchqueren, um in den echten Spaßabschnitt zu kommen, der ab 2500 U/min beginnt. Der turbounterstützte Vierzylinder giert geradezu danach, kräftig in Anspruch genommen zu werden. Immerhin 280 Pferdestärken werden durch den ersten Gastritt zum Leben erweckt. Gut, dass das Fahrwerk des Astra von Haus aus schon zu den sehr guten in der Kompaktklasse zählt und von den Ingenieuren im Opel Performance Centrum – eben OPC – daher recht einfach auf die deutlich höheren Belastungen angepasst werden konnte.

Opel Astra OPC in sechs Sekunden auf 100

Der Opel Astra OPC verfügt auch über Alltagsqualitäten
Der Opel Astra OPC verfügt auch über Alltagsqualitäten © Opel

Das Triebwerk stellt tatsächlich in jeder Fahrsituation derart bullige Leistung und Drehmoment bereit, dass man sich im Alltag schon sehr beherrschen muss. Beim Durchdrücken des Gaspedals einen kleinen Moment zu lange dem aggressiven Motorsound gelauscht und schon marschiert die Nadel Richtung 80, 90, 100 km/h. Letztere werden immerhin sechs Sekunden nach dem Start erreicht. Und es geht zügig weiter, so dass man sogar auf Landstraßen – in der Stadt sowieso – schnell die gültigen Tempolimits ignoriert hat. Der Astra OPC lädt zu gefährlichen Spielchen ein.

Dabei hat dieser Opel durchaus noch einen kleinen Rest an Alltagsqualitäten. Die Sitze sind hart und eng, aber nicht zu hart und eng. Das Fahrwerk ist mehr als straff, aber eben auch nicht bretthart. Eigentlich haben die Entwickler die Balance zwischen Auftritt und Alltag also noch ganz gut eingehalten. Nur will der Dreitürer nicht brav sein und verleitet seinen Fahrer immer wieder zu kleineren Verkehrsdelikten, die sich schnell zu größeren auswachsen können. Ganz schön anstrengend, dieser Astra.

Opel Astra OPC giert nach Sprit

Auch das Cockpit des Opel Astra OPC sieht sportlich aus
Auch das Cockpit des Opel Astra OPC sieht sportlich aus © Opel

Viel hilft viel dachten sich seine Entwickler und gaben ihm von allem entsprechend (zu) viel mit auf den Weg. Selbst die schön abgestuften, natürlich nur manuell zu schaltenden sechs Gänge verleiten zu mehr: mehr Schalten, mehr Gas, mehr Beschleunigung, mehr Tempo. Ein kleines Wunder, dass angesichts dieses Potenzials und der lediglich an die Vorderachse weitergeleiteten Kräfte die Traktionskontrolle nicht öfter eingreifen muss. Allerdings fuhren wir bei überwiegend gutem Wetter, bei schlechteren Straßenverhältnissen wird es vielleicht anders aussehen.

Nicht mal ansatzweise zu zügeln war angesichts der stets Leistung abfordernden Grundausrichtung dieses Autos auch der Verbrauch. Wobei der Normwert von 8,1 Litern echt in Ordnung ginge, auch 9 oder 9,5 Liter hätten wir uns gefallen lassen. Der Astra OPC schert sich um unsere Wünsche wenig: Über 11 Liter standen am Ende unsers 14-Tage-Tests als Durchschnittswert auf der Uhr, bei sehr schnellen Autobahnetappen ging es auch gerne Richtung 15 Liter. Sparsam geht natürlich anders.

Ständige Versuchung im Opel Astra OPC

Dilemma im Opel Astra OPC
Dilemma im Opel Astra OPC © Opel

Die Verbrauchsorgien im OPC relativieren auch den eigentlich fairen Grundpreis: 34.250 Euro gehen für einen relativ komplett ausgestatteten Kompaktsportler – selbst das Navi ist inklusive - mit derartigem Motor in Ordnung. Aber man muss halt auch den einen oder anderen Extra-Tankstopp mit einkalkulieren. Und das geht ins Geld.

So fährt sich der Astra OPC auch in ein Dilemma. Seine Optik, seine Federung, sein Sound und die Art seiner Leistungsentfaltung machen ihn zu einem Auto für die eher jüngere Generation. Die wiederum kann sich ein Auto in dieser Preisklasse und mit einem derartigen Verbrauch wohl nur in den seltensten Fällen leisten. So bleibt der Über-Astra ein seltener Anblick auf unseren Straßen. Macht nichts, die wenigen Exemplare fallen auf und erinnern die anderen Verkehrsteilnehmer daran, dass Opel nicht nur eine große Tradition in bürgerlichen Sportwagen hat, sondern diese auch heute noch aufrechterhält. Frei nach dem Motto: Wir leben (Sport-)Autos. (SP-X)






Mehr zur Marke Opel

Besser als VW GolfOpel Astra mit hoher Wertstabilität

Käufer eines Opel Astra können sich freuen. Denn der Kompaktwagen der Rüsselsheimer besitzt nach dem Forecast der Experten von Bähr & Fäss eine hohe Wertstabilität.


500 Millionen investiertOpel startet Serienproduktion des Insignia

Der Insignia ist das Aushängeschild von Opel. Nun ist das erste für einen Kunden bestimmte Modell in Rüsselsheim vom Band gelaufen. Der Autobauer hat 500 Millionen Euro in die Produktion investiert.


SUV startet unter 17.000 EuroOpel nennt Preis für Crossland X

Der Opel Crossland X soll den Absatz beflügeln. Nun hat der Rüsselsheimer Autobauer den Preis für sein neues Modell bekannt gegeben.



Mehr aus dem Ressort

Der Kia Sorento Masterpiece kostet über 60.000 Euro
Auf 200 Exemplare limitiertes SUVKia Sorento Masterpiece: Das Meisterstück als Krönung

Mit dem Sorento nahm Kia in Europa Fahrt auf. Ganz klar, dass die Koreaner dem zum Imageträger avancierten Geländegänger ein besonderes Meisterstück widmen.


Mazda hat den CX-5 nur äußerlich scheinbar unverändert gelassen
Erstmals Zylinderabschaltung beim SUVMazda CX-5: Bestseller auf Golf-Wegen

Die zweite Generation des Mazda CX-5 hat sich auf den ersten Blick im Vergleich zur ersten Auflage nicht großartig verändert. Doch der unternehmenseigene Bestseller hat sich grundlegend gewandelt.


Suzuki schickt den Swift in die sechste Generation
Sechste Generation des KleinwagensSuzuki Swift: Beschwingt in Richtung Vierziger

Suzuki offeriert ab dem 13. Mai die sechste Generation des Swift. Dank einer Plattformdiät lässt sich der Kleinwagen nun viel agiler und sicherer über die Straßen bewegen.