Nissan Leaf: Riesenspaß für Wenige

Ab 36.990 Euro

Der Nissan Leaf ist kein günstiges Vergnügen.
Der Nissan Leaf ist kein günstiges Vergnügen. © Nissan

Der Nissan Leaf verleitet zu einem entspanntem Fahren selbst im stärksten Berufsverkehr. Leider zeigt der Japaner auch deutlich auf, warum Elektroautos in Deutschland noch lange Zeit eine Nischenfunktion ausüben werden.

Von Thomas Flehmer

Elektroautofahren macht Spaß – riesigen Spaß. Das leise Dahingleiten selbst im stärksten Berufsverkehr wirkt entspannend auf die Insassen. Wer es sportlicher mag, verblüfft die Limousinenfahrer mit dynamischen Ampelstarts. Nissan stellt mit dem Leaf ein familientaugliches Elektromobil zur Verfügung – also alles tutti?

Nissan Leaf mit großem Radstand

Das Auto des Jahres 2011 in Europa und World Car of the Year wird den urbanen Bedürfnissen des Alltags voll gerecht. Fünf Personen finden bequem auf gut konturierten Sitzen Platz. Die Länge von 4,45 Metern und ein Radstand von 2,70 Metern – herbeigeführt durch den Elektromotor, der kleiner als ein Verbrennungsmotor ist - sichern die nötige Kniefreiheit zu. Bei einer Höhe von 1,55 Metern laufen auch die Köpfe keine Gefahr, etwaige Beulen einzufahren.

Bei dem Gepäck muss etwas aufgepasst werden. Zwar schluckt der Leaf 330 Liter Volumen, doch da die Ladekabel im Boden untergebracht sind, die durch zwei abnehmbare Klappen geschützt sind, darf das Gepäck nicht allzu viel wiegen, damit die Klappen nicht brechen. Bei umgeklappten Rücksitzen und dann 680 Litern sollten die schweren Gegenstände deshalb gleich hinter den Vordersitzen platziert werden.

Ladevorgang beim Nissan Leaf rund acht Stunden

Der Nissan Leaf ist kein günstiges Vergnügen.
Acht Stunden dauert der Ladevorgang beim Nissan Leaf AG/Flehmer

Das Fahrwerk und die Lenkung sind gut aufeinander abgestimmt, komfortabel, straff und direkt zugleich. Neben dem leisen Dahingleiten ist der Fahrkomfort vollends gegeben. Der Fahrer kann zwar zwischen vielen Knöpfen und Einstellungen wählen, gewöhnt sich aber schnell daran. Vor allem deshalb, weil zumeist die Einstellung "Energie-Info" auf dem Display gewählt wird. Dort wird dann neben der Restreichweite auch noch die Stromversorgung von Klimaanlage und Co angezeigt.

Diese Informationseinstellung ist so ziemlich die wichtigste im Leaf, da die Reichweite des Elektroautos begrenzt ist. Je nach Fahrweise der Vorgänger stehen bis zu 200 Kilometer nach einem Ladevorgang, der an der haushaltsüblichen Steckdose zwischen acht und neun Stunden dauert. Allerdings nimmt die Reichweite auf den ersten Kilometern schnell ab, solange, bis das Auto warm gefahren ist.

Keine Reichweitenängste beim Nissan Leaf in der Stadt

Der Nissan Leaf ist kein günstiges Vergnügen.
Die Form des Nissan Leaf ist sehr individuell Nissan

Anschließend ist der Stromfuß des Fahrers dafür zuständig, ob die angegebene Restreichweite eher theoretischer Natur ist. Wird der 80 kW / 109 PS starke Elektromotor allzu sehr angetrieben, wird mehr Energie benötigt und die Restreichweite schwindet schneller. Denn dank 280 Newtonmetern gewinnt der Leaf jeden Ampelsprint und versprüht eine gewisse Sportlichkeit und Fahrfreude. Rollt der Wagen dagegen und wird ein wenig abgebremst, lädt sich das Kontingent wieder auf. In der Stadt blieben vom Ausgangspunkt 145 Kilometer Restreichweite nach 80 Kilometern noch 40 Kilometer Restreichweite übrig. In den kälteren Jahreszeiten wird dann die Heizung noch einige Kilometer fressen.

Somit sind keine Ängste in der Stadt zu befürchten, mit dem Leaf liegen zu bleiben. Organisiert sein sollte die Alltagsfahrt schon. In den zwei Wochen Testzeitraum kam der Leaf alle drei Tage im Berliner Norden ans Kabel. Anders sieht es aus, wenn das Kaffeekränzchen bei Tante Erna aus Neuruppin ansteht. Die knapp 70 Kilometer über Autobahn und Landstraße laufen entspannt ab, da der Leaf lediglich bis 145 km/h mitzieht. Spätesens dann kann vor der Rückfahrt bei Tante Erna auch noch der Eierlikör genossen werden, da der Leaf neuen Strom benötigt und die Rückfahrt etwas später ansteht.

Stattlicher Preis für Nissan Leaf

Der Nissan Leaf ist kein günstiges Vergnügen.
Der Elektromotor des Nissan Leaf AG/Flehmer

So ist der Leaf fast schon auf den Stadtverkehr beschränkt und das ist die Krux – natürlich nicht nur des Leafs. Aber im Falle des elektrischen Japaners müssen schon stattliche 36.990 Euro investiert werden, um in den Genuss des elektrischen Fahrens zu gelangen. Dann sind die Kosten für die Batterie, die bei anderen Herstellern geleast werden muss, schon mit eingerechnet. Aber es sind halt 36.990 Euro, die die Meisten – selbst die Umwelt- und Technikfans – verschreckt. Somit bleibt elektrisches Fahren ein riesiger Spaß für Wenige.