29. Januar 2009

Fahrbericht Fahrbericht Mini Cabrio Cooper S Schnickschnack und Sparpotential

Das neue Mini Cabrio
Das neue Mini Cabrio © Foto: Mini

Im Versuch den Mini-Kult auszudehnen, macht die Marke auch vor sinnfreier Technik keinen Halt. Immerhin haben Cooper- und Cooper-S-Version ihre Verbrauchswerte deutlich absenken können.




Von Martin Woldt

Während die übrige Branche mit Leichtlaufreifen, verbesserten Luftwiderstandswerten und dergleichen längst eine neue Askese zelebriert, erklärt Mini den Spaß zur saisonlosen Pflichtübung. Das würde in der allgemeinen Ungewissheit über den Kurs der Autobauer noch nicht mal besonders auffallen. Aber ein Cabrio im Schnee ist eine Provokation an sich. Schon in Detroit, wo die zweite Generation der offenen Spaßkanone ihre Weltpremiere feierte, durchbrach sie eine Wand aus imitierten Eiswürfeln und posierte mit dem vereisten Antlitz froststarrer Modells. Motto: Bläst uns der Wind auch noch so ins Gesicht. Man kann zu allen Zeiten Spaß haben.


Ausdauerwettbewerb

Allways open! - so lautet der Slogan, mit dem Mini auf der Welle selbst ernannter Extremsportler surft und macht das offene Fahren zum Ausdauerwettbewerb, solange man das von oben eindringende Wasser noch aus dem Innenraum abschöpfen kann. Anders als andere Hersteller, die natürlich auch den Cabrio-Einsatzzeitraum längst über die warmen Sonnentage hinaus ausgedehnt haben, wird der Nonsens bei Mini sogar instrumentalisiert. Der neue neben dem Drehzahlmesser angeordnete «Allway-open-Timer» ist ein völlig sinnfreies Gerät, mit dem sich automatisch die Zeit messen lässt, die man im offenen Auto unterwegs ist.

In 15 Sekunden offen

Kombiniertes Schiebe- und Faltdach
Kombiniertes Schiebe- und Faltdach © Foto: Mini

Zugegeben, es ist denkbar einfach, in den offenen Modus zu wechseln. Noch bei Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h lässt sich das Faltdach in zwei Stufen per Kippschalter neben der zentralen Innenraumleuchte einfahren. Stufe 1 fungiert wie schon beim Vorgänger zunächst wie ein etwa 25 Zentimeter breites Schiebedach, ehe sich dann in Stufe 2 auch die Dachholme aus ihrer Verankerung in der A-Säule lösen und das Ganze sehr flach in 15 Sekunden hinter den Rücksitzen in der Karosse verschwinden lassen.

Weniger sichtbar als beim Vorgänger sind die Bügel des Überrollschutzes. Sie überragen nicht mehr die Kopfstützen der Rücksitze und verbessern so die früher oft kritisierte Übersicht nach hinten. Zugleich strecken sie den optischen Eindruck des um acht Zentimeter auf 3,72 Meter gewachsenen Fahrzeuges in der durchaus gelungenen Absicht, eine Art Roadster-Silhouette zu vermitteln.

Plus im Kofferraum

Trotz kaum veränderter Abmaße gibt es ein Plus beim Stauvolumen zu vermelden. Weniger im eigentlichen Kofferraum, der mit 120 Litern (bei eingefahrenem Dach) und 170 Litern (geschlossen) etwa die alten Maße behielt. Aber die neue Konstruktion der Überrollschutzbügel erlaubt eine günstigere Verbindung zum hinteren Fahrgastraum, wodurch in Verbindung mit den getrennt klappbaren Rücksitzen 660 Liter Stauvolumen entstehen, 55 mehr als beim Vorgänger. Sie lassen sich über die sehr simpel nach unten ausklappbare Hecköffnung ohne großen Aufwand beladen.

Folter auf der Rückbank

Das Mini Cabriolet
Das Mini Cabriolet © Foto: Mini

So großzügig die Kofferraumverhältnisse erscheinen, so bescheiden bleiben die Möglichkeiten auf der Rückbank. Sie sind nach wie vor keine Einladung an einen dritten oder vierten Passagier, der Mühe hätte seine Füße irgendwo zu unterzubringen. Auch hätte eine belegte Rückbank Konsequenzen für den Fahrspaß vorn. Sie würde den Einsatz des zwingend notwendigen, 250 Euro teuren Windschotts verhindern. Und dann hörte der Spaß schnell auf. Weil die vergleichsweise steil aufragende Windschutzscheibe allein kaum ausreicht, den kalten Fahrtwind an den Passagieren vorbeizuleiten.

Mit Turbo und Direkteinspritzung

Der Innenraum
Der Innenraum © Foto: Mini

Dafür sind deutliche Fortschritte unter der Motorhaube zu vermelden. Zwar hat die Leistung im getesteten Cooper S gar keinen so großen Sprung von 170 auf 175 PS gemacht, gleichwohl sorgen Turboaufladung und Benzindirekteinspritzung für deutlich mehr Dynamik. In nach wie vor 7,4 Sekunden geht es von null auf hundert, um in der Spitze 222 km/h zu erreichen. Doch wie sich das Potential über das von 220 auf 240 Newtonmeter gestiegene Drehmoment entfaltet, birgt ungleich mehr Spaßpotential als aller Schnickschnack um den Allways-open-Timer.

Der Verbrauch in dem neuen Aluminiummotor konnte gegenüber dem alten Aggregat deutlich von 8,3 auf 6,4 Liter gesenkt werden. Beim 120 PS starken Cooper sank der Verbrauch trotz fünf PS mehr von 7,3 auf 5,7 Liter je 100 Kilometer. Allenfalls der Motorsound scheint mit den neuen Benzinern etwas rauer geworden zu sein.

Diesel kommt später

Cooper und Cooper S bilden mit 22.500 und 26.500 Euro zur Markteinführung Ende März zunächst die Speerspitze der neuen Motorisierungen. Später ergänzen die 211 PS starke John Cooper Works Version und eine Dieselvariante die Palette.






Mehr zur Marke Mini

Hinterrad- statt AllradantriebMini schickt Buggy zur Dakar

Mini feiert Premiere auf der traditionellen Dakar-Rallye. Zwischen Bolivien, Peru und Argentinen wird Anfang des kommenden Jahres erstmals ein Buggy des britisch-deutschen Teams über Sand und Berge düsen.


Studie auf der IAAMini beschreitet elektrischen Weg

Nur wenige Monate nach dem ersten Plugin-Hybrid präsentiert Mini auf der IAA eine vollelektrische Studie. Die Einführung des ersten rein elektrischen Fahrzeugs der BMW-Tochter lässt aber noch auf sich warten.


Wegen BrexitBMW überdenkt Produktionsstandort für Elektro-Mini

BMW denkt über eine Verlegung der Produktion des elektrischen Mini aus dem Stammwerk im britischen Oxford nach. Mögliche Zölle als Folge des Brexit könnte die BMW-Tochter auf diesem Weg umgehen.



Mehr aus dem Ressort

Nissan gibt dem Micra eine neue Basis.
Kleinwagen mit drei ZylindernNissan Micra 1.0: Der kleine Nachzügler

Nissan stellt den Micra auf eine neue Basis. Trotz eines fehlenden Turbos findet sich der Kleinwagen nicht nur im urbanen Einsatzgebiet gut zurecht.


Subaru hat auch den neuen XV markentypisch ausgestattet
Kompaktklasse-SUV mit Boxermotor und AllradantriebSubaru XV: Zwischen Nutzwert-Fahrzeug und Lifestyle-Mobil

Die Subaru-typischen Markenzeichen trägt auch der neue XV rustikal mit sich. Doch das Kompaktklasse-SUV gibt auch außerhalb des Nutzwert-Areals eine gute Figur ab.


Die Alpine kommt im zweiten Quartal 2018 auf den Markt
Sportwagen mit 252 PSAlpine A110: Die Legende kehrt zurück

Alpine belebt den Mythos wieder. Die sportliche Renault-Tochter kehrt mit dem kleinen A110 zurück, der viel Fahrfreude bietet und keine Probleme haben wird, sich im Kreis der Etablierten zurechtzufinden.