Schnickschnack und Sparpotential

Fahrbericht Mini Cabrio Cooper S

Das neue Mini Cabrio © Foto: Mini

Im Versuch den Mini-Kult auszudehnen, macht die Marke auch vor sinnfreier Technik keinen Halt. Immerhin haben Cooper- und Cooper-S-Version ihre Verbrauchswerte deutlich absenken können.

Von Martin Woldt

Während die übrige Branche mit Leichtlaufreifen, verbesserten Luftwiderstandswerten und dergleichen längst eine neue Askese zelebriert, erklärt Mini den Spaß zur saisonlosen Pflichtübung. Das würde in der allgemeinen Ungewissheit über den Kurs der Autobauer noch nicht mal besonders auffallen. Aber ein Cabrio im Schnee ist eine Provokation an sich. Schon in Detroit, wo die zweite Generation der offenen Spaßkanone ihre Weltpremiere feierte, durchbrach sie eine Wand aus imitierten Eiswürfeln und posierte mit dem vereisten Antlitz froststarrer Modells. Motto: Bläst uns der Wind auch noch so ins Gesicht. Man kann zu allen Zeiten Spaß haben.

Ausdauerwettbewerb

Allways open! - so lautet der Slogan, mit dem Mini auf der Welle selbst ernannter Extremsportler surft und macht das offene Fahren zum Ausdauerwettbewerb, solange man das von oben eindringende Wasser noch aus dem Innenraum abschöpfen kann. Anders als andere Hersteller, die natürlich auch den Cabrio-Einsatzzeitraum längst über die warmen Sonnentage hinaus ausgedehnt haben, wird der Nonsens bei Mini sogar instrumentalisiert. Der neue neben dem Drehzahlmesser angeordnete «Allway-open-Timer» ist ein völlig sinnfreies Gerät, mit dem sich automatisch die Zeit messen lässt, die man im offenen Auto unterwegs ist.

In 15 Sekunden offen

Kombiniertes Schiebe- und Faltdach Foto: Mini

Zugegeben, es ist denkbar einfach, in den offenen Modus zu wechseln. Noch bei Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h lässt sich das Faltdach in zwei Stufen per Kippschalter neben der zentralen Innenraumleuchte einfahren. Stufe 1 fungiert wie schon beim Vorgänger zunächst wie ein etwa 25 Zentimeter breites Schiebedach, ehe sich dann in Stufe 2 auch die Dachholme aus ihrer Verankerung in der A-Säule lösen und das Ganze sehr flach in 15 Sekunden hinter den Rücksitzen in der Karosse verschwinden lassen.

Weniger sichtbar als beim Vorgänger sind die Bügel des Überrollschutzes. Sie überragen nicht mehr die Kopfstützen der Rücksitze und verbessern so die früher oft kritisierte Übersicht nach hinten. Zugleich strecken sie den optischen Eindruck des um acht Zentimeter auf 3,72 Meter gewachsenen Fahrzeuges in der durchaus gelungenen Absicht, eine Art Roadster-Silhouette zu vermitteln.

Plus im Kofferraum

Trotz kaum veränderter Abmaße gibt es ein Plus beim Stauvolumen zu vermelden. Weniger im eigentlichen Kofferraum, der mit 120 Litern (bei eingefahrenem Dach) und 170 Litern (geschlossen) etwa die alten Maße behielt. Aber die neue Konstruktion der Überrollschutzbügel erlaubt eine günstigere Verbindung zum hinteren Fahrgastraum, wodurch in Verbindung mit den getrennt klappbaren Rücksitzen 660 Liter Stauvolumen entstehen, 55 mehr als beim Vorgänger. Sie lassen sich über die sehr simpel nach unten ausklappbare Hecköffnung ohne großen Aufwand beladen.

Folter auf der Rückbank

Das Mini Cabriolet Foto: Mini

So großzügig die Kofferraumverhältnisse erscheinen, so bescheiden bleiben die Möglichkeiten auf der Rückbank. Sie sind nach wie vor keine Einladung an einen dritten oder vierten Passagier, der Mühe hätte seine Füße irgendwo zu unterzubringen. Auch hätte eine belegte Rückbank Konsequenzen für den Fahrspaß vorn. Sie würde den Einsatz des zwingend notwendigen, 250 Euro teuren Windschotts verhindern. Und dann hörte der Spaß schnell auf. Weil die vergleichsweise steil aufragende Windschutzscheibe allein kaum ausreicht, den kalten Fahrtwind an den Passagieren vorbeizuleiten.

Mit Turbo und Direkteinspritzung

Der Innenraum Foto: Mini

Dafür sind deutliche Fortschritte unter der Motorhaube zu vermelden. Zwar hat die Leistung im getesteten Cooper S gar keinen so großen Sprung von 170 auf 175 PS gemacht, gleichwohl sorgen Turboaufladung und Benzindirekteinspritzung für deutlich mehr Dynamik. In nach wie vor 7,4 Sekunden geht es von null auf hundert, um in der Spitze 222 km/h zu erreichen. Doch wie sich das Potential über das von 220 auf 240 Newtonmeter gestiegene Drehmoment entfaltet, birgt ungleich mehr Spaßpotential als aller Schnickschnack um den Allways-open-Timer.

Der Verbrauch in dem neuen Aluminiummotor konnte gegenüber dem alten Aggregat deutlich von 8,3 auf 6,4 Liter gesenkt werden. Beim 120 PS starken Cooper sank der Verbrauch trotz fünf PS mehr von 7,3 auf 5,7 Liter je 100 Kilometer. Allenfalls der Motorsound scheint mit den neuen Benzinern etwas rauer geworden zu sein.

Diesel kommt später

Cooper und Cooper S bilden mit 22.500 und 26.500 Euro zur Markteinführung Ende März zunächst die Speerspitze der neuen Motorisierungen. Später ergänzen die 211 PS starke John Cooper Works Version und eine Dieselvariante die Palette.