15. Februar 2007

Fahrbericht Mercedes SLR 722: Ein Hauch von Formel 1

Mercedes SLR 722 Edition
Mercedes SLR 722 Edition © Foto: press-inform

Mercedes hat seinen schnellsten Untersatz, den SLR, noch elitärer gemacht. 722 Edition heißt die limitierte Serie, die einen Standard-SLR beinahe blass erscheinen lässt.




Von Stefan Grundhoff

Nur 150 Kunden werden das Vergnügen haben, sich einen SLR 722 Edition in die eigene Großgarage zu stellen. Oder besser gesagt 149 - denn zumindest ein Exemplar dürfte sich Mercedes selbst für sein Stuttgarter Museum reserviert haben. Ist es schon unwahrscheinlich, einen Serien-SLR auf der Straße zu sehen, so grenzt der Zufallskontakt mit einem 722er an einen Lottogewinn. Den kann man auch gut brauchen. „Viele der 722er Kunden haben bereits einen normalen SLR in der Garage stehen“, sagt Markenmanager Patrick Marinoff beiläufig. Na dann! Wer noch auf der Suche nach dem geeigneten Sportgerät für den Sommer ist, muss sich sputen: Die Serie ist auf 150 Fahrzeuge begrenzt. Und in diesem Jahr ist ohnehin nichts mehr zu machen.


«Die meisten Fahrzeuge sind bereits vergeben», so Mercedes-Sprecher Stefan Diehl. Das nötige Kleingeld von 400.000 Euro - selbstverständlich zzgl. Mehrwertsteuer - wird vorausgesetzt. Dafür bekommt man einen Supersportler, der praktisch keine Grenzen kennt. Es ist nicht die Höchstgeschwindigkeit von 337 km/h oder das Beschleunigungspotenzial von 0 auf Tempo 100 in 3,7 Sekunden. Nein, derartige Beschleunigungswerte bekommt man auch anderswo. Es ist das Gefühl von Formel 1, das der erlauchten Kundschaft nicht nur beim Beschleunigen, sondern bereits bei der Ausfahrt aus der eigenen Garage den Atem raubt. Carbon, Leichtbau und Alcantara wohin das Auge auch schaut. Es ist eng und man fühlt sich schnell - egal was der Tacho auch zeigt.

Mit 650 PS unterwegs

Mercedes SLR 722 Edition
Mercedes SLR 722 Edition © Foto: press-inform

Kaum ein anderes Auto schafft es perfekter, ein kompromissloser Rennwagen zu sein und gleichzeitig auf Nobel-Coupé zu machen. Denn wer denkt, dass man im SLR 722 Edition einen buckelharten Begleiter für ein paar flotte Runden in Monza oder Hockenheim bekommt, unterschätzt die Fähigkeiten des Mercedes Entwicklungsteams. AMG, Mercedes und McLaren - jeder hat hier das Beste seiner Fähigkeiten eingebracht und so kann man den 650 PS starken Renner überraschend kommod im alltäglichen Straßenverkehr bewegen.

Auf nervöse Blicke der Umgebung und einen Auflauf bei jedem Ampel- oder Tankstopp sollte man sich einstellen. Der Showeffekt ist im Basispreis bereits inbegriffen. Endlich einmal wieder ein Fahrzeug, in dem sich der Fahrer nicht Insasse, sondern Pilot nennen darf und Durchschnittsverbrauch ebenso wenig interessiert wie CO2-Ausstoß. Die paar handvoll Kunden, die sich diesen Luxusschlitten einverleiben, machen den Braten fraglos auch nicht mehr fett.

Mercedes SLR 722 Edition
Mercedes SLR 722 Edition © Foto: press-inform

Stattdessen genießt der Fahrer vor dem Starten bereits den Einstieg in die graue Flunder. Die Tür schwingt lautlos nach oben und signalisiert ebenso wie die Rennsportsitze, dass der Pilot nicht allzu füllig sein sollte. Die Sitze selbst könnten gerade für einen Boliden dieser Klasse enger anliegen und im Schulterbereich mehr Seitenhalt bieten. Auch die statische Neigung der Rückenlehne wird nicht alle Fahrer gleichermaßen begeistern. Doch man kann sicher sein: wer 476.000 Euro auf den Tisch des Hauses legt, bekommt einen Sitz auf den Leib geschneidert, der keinerlei Wünsche offen lässt.

Die „722“ - zu Ehren von Stirling Moss

Während das Gestühl angepasst wird, kann man sich ganz nebenbei Gedanken über den Ursprung des Namens SLR 722 Edition machen. Mit diesem Sondermodell zelebriert Mercedes-Benz den Erfolg von Rennsportlegende Sir Stirling Moss, der bei der Mille Miglia des Jahres 1955 die Startnummer 722 trug. Zusammen mit seinem Beifahrer Dennis Jenkinson gewann Moss damals eines der härtesten Autorennen der Welt - in einem Mercedes 300 SLR.

Mercedes SLR 722 Edition
Mercedes SLR 722 Edition © Foto: press-inform

Während der ganz besondere SLR von Handarbeit bei McLaren im britischen Woking hergestellt wird, kommt sein Kraftpaket unter der endlos langen Haube aus Affalterbach. Der 5,5 Liter große Achtzylinder wird durch einen mechanischen Lader zwangsbeatmet, was ihm nicht nur 478 kW / 650 PS, sondern auch 820 Nm Drehmoment und Dampf in allen Lebenslagen entlockt. Die so wichtige Verbindung von Front-Mittelmotor und angetriebener Hinterachse übernimmt die bekannte Fünfgang-Automatik mit manueller Schaltebene. Am besten, der Pilot entscheidet sich gleich für das Getriebeprogramm Sport. Satt klacken die einzelnen Gangstufen hoch und herunter, sodass man sich einen Eingriff über die Lenkradpaddel getrost sparen kann.

Elitäre Fahreigenschaften

Mercedes SLR 722 Edition
Mercedes SLR 722 Edition © Foto: press-inform

Trotz eines Leergewichts von knapp 1,8 Tonnen und eines Radstandes von 2,70 Metern ist der SLR wieselflink unterwegs. Im Vergleich zum Serien-SLR wurden 44 Kilogrammn eingespart. 18 Kilogramm davon entfallen allein auf den Alu-Radsatz des 722ers. Der Fahrer spürt davon nur wenig. Der Airsplitter an der Frontschürze erhöht den Anpressdruck um 128 Prozent.

Wichtiger als die schnöden Zahlen aus weißem Papier ist das Fahrgefühl. Sowohl bei geringen als auch bei hohen Geschwindigkeiten fährt sich das limitierte Prunkstück präziser und bissiger als sein Bruder ohne dabei nervös zu werden. Ein Genuss ist nicht nur die Beschleunigung, sondern insbesondere das Bremsverhalten. Dank vergrößerten Keramikbremsen steht der Schlitten aus Tempo 100 in unter 35 Metern. Dabei bleibt er stoisch ruhig und verlangt dem Fahrer kein besonders Können ab.

Mercedes SLR 722 Edition
Mercedes SLR 722 Edition © Foto: press-inform

Für all diejenigen, die zu spät kommen oder eben keine 476.000 Euro ausgeben möchten, gibt es einen Strohhalm: Den Chronographen TAG Heuer SLR bekommt man bereits für rund 3.500 Euro - ebenfalls streng limitiert und sicher nicht nur bei den alljährlichen Clubtreffen ein heißes Smalltalk-Thema. Egal ob mit oder ohne Auto.






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