«Ach, das sind Welten»

Mercedes S 63 AMG

Das Showcar S 63 AMG unterwegs auf dem Circuit Paul Ricard
Das Showcar S 63 AMG unterwegs auf dem Circuit Paul Ricard © Daimler

Mercedes schickt im September den neuen S 63 AMG mit einem neuen Motor auf den Markt. Die Luxuslimousine ist dann mit 544 PS und 571 PS zu haben – das sind Leistungsdaten, die auch den einstigen Rennfahrer Hans Heyer faszinieren.

Von Frank Mertens

«Ach, das sind Welten.» Gerade hat Hans Heyer auf der Rennstrecke Paul Ricard im franzöischen Le Castellet einige Runden im neuen Mercedes S 63 AMG gedreht. Der 67-Jährige ist begeistert. «Diese Leistungsentfaltung, diese Fahrdynamik, einfach faszinierend», sagt der Mann, der am 25. Juli 1971 zusammen mit seinem Partner Clemens Schickentanz Zweiter beim 24-Stunden-Rennen von Spa Francorchamps wurde und damit für eine faustdicke Überraschung gesorgt hatte. «Uns hatte eigentlich niemand auf der Rechnung», erinnert sich Hans Heyer.

Erinnerung an 1971

Damals, vor fast genau 39 Jahren, sind die beiden Rennfahrer auch in einem AMG unterwegs gewesen – einem 300 SEL 6.8 AMG. Nun steht der feuerrote Viertürer auf dem Circuit Paul Ricard in der Boxengasse Seite an Seite mit dem S 63 AMG. Das Showcar trägt wie damals der 300 SEL die Startnummer 35 – und auch sonst soll die derzeit sportlichste Luxuslimousine der Affalterbacher mit ihrem Auftritt an den großen Erfolg von Heyer/Schickentanz erinnern.

Der Mercedes S 63 AMG und der 300 SEL
Zusammen in der Box: Der S 63 AMG und der 300 SEL Daimler

Die AMG-Rennversion basierte seinerzeit auf dem 300 SEL 6.3, der es auf eine Leistung von 250 PS und eine Spitzengeschwindigkeit von 220 km/h brachte, schneller war damals keine andere Luxuslimousine. Dank einer Vergrößerung des Hubraums von 6330 ccm auf 6835 ccm wuchs die Leistung des Achtzylinders auf 428 PS an. Somit brachte es der getunte V8 nicht nur auf ein maximales Drehmoment von 608 Newtonmeter, sondern auch auf einen Topspeed von 265 km/h.

«Auf der Geraden hat uns damit keiner etwas vorgemacht», sagt Heyer, der in Le Castellet natürlich auch mit seinem Tirolerhut unterwegs war, seinem Markenzeichen. Hier an der Rennstrecke sieht man Vergangenheit und Gegenwart von AMG - und die Zeitreise fasziniert.

Angekommen in der Neuzeit

Hans Heyer mit seinem Tirolerhut
Hans Heyer mit seinem Tirolerhut Daimler

Doch jetzt ist jetzt – und die Neuzeit ist der S 63 AMG. Ein Auto, das ebenso begeistert ie damals der 300 SEL. Sein Auftritt ist ebenso imposant wie die Bereifung von 275/35 R 20 an der Vorder- und 325/30 R 20 Gummis an der Hinterachse.

Das Auto in Le Castellet ist zwar ein Showcar, doch es gibt einen Ausblick auf die Serienversion. Unter der Haube werkelt ein neues Triebwerk, das im September auf den Markt kommen wird: ein 5,5-Liter-V8-Biturbomotor. Dieses Aggregat löst den 6.3 Liter-Motor ab, der den S 63 AMG bislang auf Vordermann brachte.

Der Mercedes SEL beim Rennen 1971 in Spa
Der 300 SEL beim Rennen 1971 in Spa Daimler

Mit diesem neuen Motor schreibt AMG sein Ziel fort, seine Verbräuche bis zum Jahr 2015 um bis zu ein Drittel zu reduzieren. Ein Ziel, das noch der frühere AMG-Chef Volker Mornhinweg ausgegegeben hat, der nun das Transportergeschäft von Mercedes verantwortet. Unter Ola Källenius, dem neuen Chef in Affalterbach, bleibt dieses Ziel bestehen, natürlich. «Die Verringerung der Verbräuche ist für uns ein ganz, ganz wichtiges Thema», sagt der gebürtige Schwede.

Der S 63 AMG und der SEL 300 unterwegs auf der Rennstrecke
Generationswechsel: Alt und neu unterwegs auf der Rennstrecke Daimler

Mit Blick auf den S 63 AMG bedeutet das eine Verbrauchsreduktion im Vergleich zum Vorgänger von 25 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Der aktuelle S 63 AMG verbraucht 3,9 Liter weniger als der 6.3 V8. In der Automobilindustrie sind so etwas Quantensprünge, vor allem auch deshalb, weil AMG die Leistung des Motors nochmals um 19 beziehungsweise 46 PS gesteigert hat.

So bringt es die Serienversion auf eine Leistung von 544 PS beziehungsweise 571 PS, wenn man sich denn für die Version mit dem AMG-Performance-Package entschieden hat. Das bedeutet je nach Version ein maximales Drehmoment von 800 respektive 900 Newtonmeter.

Die Felgen am S 63 AMG von Mercedes
Die fetten Reifen des S 63 AMG AMG

Kein Wunder, dass es angesichts dieser Leistunsgdaten für den Fahrer kein Halten mehr gibt. In 4,5 Sekunden schnellt der S63 AMG mit seinem glänzend arbeitenden AMG Speedshift 7-Gang-Sportgetriebe auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 250 km/h elektronisch begrenzt – was sich bei einem Auto dieser Klasse nicht wirklich erschließt. Wer mehr Speed will, wird zum Kauf des Performance-Package gedrängt. Dort kann man dann auch mit 300 km/h unterwegs sein – wo so etwas denn abseits einer Rennstrecke möglich ist. Wer sich für das Performance-Paket entscheidet, bekommt als Dreingabe übrigens ein Fahrertraining - was übrigens allen Kunden eines solchen Autos zu empfehlen ist. Denn soviel Leistung benötigt auch einen erfahrenen Fahrer.

Das Heck des Mercedes S 63 AMG
Das Heck des S 63 AMG, die Serienversion kommt im September Daimler

Neben der Reduzierung des Hubraums trug unter einer Vielzahl von Maßnahmen auch die Gewichtsreduktion des Getriebes um sechs Kilo zur Kraftstoffeinsparung bei. Im Stadtverkehr wird der Kunde dann auch in den Genuss eines Start-Stopp-Systems kommen, so er denn nicht im Sportprogramm unterwegs ist. Denn dann funktioniert das System nicht. Wer jetzt meint, dass ein Auto mit 544 PS und einem CO2-Ausstoßes von 246 Gramm pro Kilometer nicht mehr in unsere Zeit passt, kann beruhigt sein. AMG peilt in diesem Jahr nach den Worten von Källenius mit einem Absatz quer durch die Modellpalette von 18.000 Einheiten. Bei diesen Stückzahlen bleiben die Klimafolgen überschaubar.

Und bedenkt man, dass der 300 SEL 6.8 damals auf einen Verbrauch von 50 Litern auf 100 Kilometern kam, dann erscheint der aktuelle S 63 AMG trotz seiner enormen Leistung geradezu als Spritsparmodell.

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.