3. August 2006

Fahrbericht Mercedes GL: Als Diesel eine Offenbarung

Der Mercedes GL 420 CDI
Der Mercedes GL 420 CDI © Foto: Werk

Mercedes will ab Anfang September mit dem GL auf dem deutschen Markt die Konkurrenz in Unruhe versetzen. Die Chancen dafür stehen gut, vor allem mit dem 420 CDI. Der Luxus-SUV beeindruckt nicht nur mit seinem mächtigen Drehmoment.




Von Jürgen Wolff

In den USA läuft er schon seit Monaten auf den Highways und im Gelände. Bei uns wird es den Luxus-SUV Mercedes GL als modifizierte Europa-Version ab Anfang September geben. Und mit einem traumhaften V8-Diesel. Wie weit die Diesel-Entwicklung mittlerweile gediehen ist, macht auf der Rennstrecke der Audi R10 deutlich, der mit einem V12-TDI die 24 Stunden von Le Mans gewann. Und auf der Straße wie im Gelände der neue Vier-Liter-CDI, den Mercedes auch im Super-SUV GL verbaut.


Kein Nageln

Wer im GL 420 CDI den Startknopf drückt, der merkt erst einmal - fast gar nichts. Das soll ein Diesel sein? Kein Nageln, kein Vibrieren. Nur wer auf den Drehzahlmesser schaut und seine Ohren nach dem leisen Grummeln unter der Motorhaube spitzt, bekommt überhaupt mit, dass sich was verändert hat. Wer dann noch den Automatikhebel am Lenkrad auf «D» rückt und das Gaspedal drückt, wird nur an einem merken, dass er in einem Diesel sitzt: dem schier unbändigen Vortrieb. 225 kW/306 PS holt Mercedes aus den 3996 ccm der acht Zylinder - und ein gigantisches Drehmoment von 700 Nm bei 2200 U/min. Und das, räumen die Mercedes-Ingenieure bei einem ersten Ausflug ein, ist schon künstlich eingebremst. Mehr würde der Antriebsstrang auf Dauer nicht verkraften.

Aber auch die 700 Nm reichen problemlos, um dem leer schon 2,5 Tonnen schweren Dickschiff zu exzellenten Fahrwerten zu verhelfen. Den Spurt von 0 auf 100 km/h schafft der GL 420 CDI in nur 7,6 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Für Kraft und Ruhe des überarbeiteten Bi-Turbo-V8 sorgen neben der variablen Turbinengeometrie und einer gegenläufigen Ausgleichswelle vor allem die Common-Rail Hochdruckeinspritzung der dritten Generation mit bis zu 1600 bar Einspritzdruck, auf 175 bar angehobenem Zünddruck, bis zu fünf Kraftstoff-Injektionen je Einspritzvorgang, speziellen Lochdüsen und neuen Piezo-Injektoren mit präzisen Einspritzzeiten.

Empfehlenswerte Automatik

Das Cockpit im GL
Das Cockpit im GL © Foto: Werk

Die siebenstufige Automatik passt bestens zu diesem bulligen Motor. Ob sanftes Anfahren im Stadtverkehr, Kickdown beim Überholen auf der Landstraße oder gefühlvolles Schuckeln über Offroad-Pisten - die Abstimmung ist perfekt. Und wer selbst bestimmen will, wann der Motor wie zu drehen hat, für den funktioniert die manuelle Wahl der Fahrstufe nahezu verzögerungsfrei über die Tasten am Lenkrad. Allerdings: Mit den von Mercedes als Durchschnittsverbrauch berechneten 11,8 Litern auf 100 km dürfte in jedem Fall schwerlich auszukommen sein.

Der in den USA gebaute GL ist vor allem für den dortigen Markt entwickelt worden; rund zwei Drittel der Produktion sollen gar nicht erst verschifft werden. Bereits in den ersten beiden Monaten sind in den Staaten rund 5000 Stück verkauft worden. Wenn der GL ab dem 2. September dann auch bei den europäischen Händlern steht, wird er sich allerdings in einigen nicht ganz unwesentlichen Punkten von der US-Version unterscheiden. Der Europa-GL ist straffer ausgelegt, die in Europa kaum nachgefragte dritte Sitzreihe ist nicht serienmäßig sondern nur optional.

Offroad-Paket serienmäßig

Das Heck des Luxus-SUV
Das Heck des Luxus-SUV © Foto: Werk

Dafür ist das Offroad-Paket, für das man beim «kleinen» Bruder ML noch extra zahlen muss, beim GL serienmäßig. Die Ausstattung macht ihn zum luxuriösen Geländegänger, der auch vor schwierigen Aufgaben nicht kneift. Im Paket enthalten sind Sperren für Mitteldifferential und die verstärkte Hinterachse sowie die Geländeuntersetzung. Dazu kommt die elektronische Traktionsregelung 4ETS, die das Antriebsmoment an Rädern mit guter Bodenhaftung erhöht und die Räder mit geringerer Traktion abbremst. Ohnehin schon an Bord: Allradantrieb, Offroad-ABS, die Bergabfahrhilfe DSR, das adaptive Dämpfungs-System ADS und eine Luftfederung, die auch für eine verstellbare Bodenfreiheit zwischen 19,7 und maximal 30,7 Zentimeter sorgt.

Gut nicht nur in grobem Gelände, sondern auch, wenn der GL mal baden geht: 60 Zentimeter Wattiefe gibt Mercedes an - und ein Trail mit zahlreichen Flussquerungen belegt diese Angabe spritzig. Auch die anderen relevanten Kenndaten weisen den GL als echten Offroader aus: Die Böschungswinkel betragen vorne 33 Grad und hinten 27 Grad, der Rampenwinkel von 23 Grad entspricht dem des Jeep Wrangler - ebenso wie die Steigfähigkeit von 100 Prozent. Der Kippwinkel beträgt 35 Grad.

Ideales Transportauto

Der V8-Diesel im GL
Der V8-Diesel im GL © Foto: Werk

Die meisten GL-Käufer werden mit ihrem Luxusliner ohnehin so gut wie nie ins Gelände stechen - und eher seine Fähigkeiten auf Asphalt schätzen. Die 3,5 Tonnen Anhängerlast etwa machen ihn zum idealen Auto für Pferde- und Bootsbesitzer. Mehr als fünf Meter Länge und ein Radstand von über drei Metern geben seinen Passagieren samt Gepäck Platz satt - und machen ihn zum heimlichen S-Klasse-Kombi.

Die Sitze im Mercedes GL
Die Sitze im Mercedes GL © Foto: Werk

1240 Liter misst der Laderaum bei kompletter fünfsitziger Europa-Bestuhlung - das ist fast das doppelte des klassischen E-Klasse-Kombis aus dem gleichen Haus und in etwa das gleiche wie beim VW Multivan. Maximal stehen im GL 2300 Liter Laderaum zur Verfügung und eine Laderaum-Länge von 2,13 Metern. Innen herrscht der Luxus pur - was man bei einem Grundpreis von 79.460 Euro auch erwarten darf. Und nicht heißt, dass man doch schon wunschlos glücklich wäre. Nach Art des Hauses gehört zum üppigen Grundpreis eine ebenso üppige Liste mit orderbarer Zusatzausstattung.






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