6. August 2008

Fahrbericht Mercedes C 220 CDI T-Modell Passat der Besserverdienenden

Das T-Modell der C-Klasse von Mercedes
Das T-Modell der C-Klasse von Mercedes © Foto: AG/Flehmer

Wer um jeden Preis auffallen will, kauft sich keine Mercedes C-Klasse. Der C 220 CDI T-Modell ist im Hause Mercedes wohl der größte gemeinsamer Teiler. Viele wollen ihn und noch viel wichtiger: niemand hat etwas gegen ihn.




Von Stefan Grundhoff

Denn die Schwächen des beliebten Volumen-Stuttgarters sind allzu rar gesät. Bereits der Vorgänger und sein Urahn erfreuten sich bei den Kunden europaweit einer großen Beliebtheit. Beide waren eine Spur hausbackener als das aktuelle C-Klasse-Modell der Baureihe W 204. Doch niemand dürfte sich wohl eine C-Klasse kaufen, weil ihn sein Design aus den Schuhen haut. Gerade das T-Modell ist der Passat der Besserverdienenden. Denn neben den unzähligen Stärken konnten sich der hohe Basispreis und eine alles andere als üppige Komfortausstattung auch in die heutige Baureihe retten.


Karge Serienausstattung

Man sieht ihn Tag für Tag auf Autobahnen oder auf der überfüllten Leopoldstraße im Herzen Münchens. Viele nutzen gerade den jüngst erstarkten 220er Diesel als bequemen Kilometerfresser für das berufliche Alltaggeschäft und private Leidenschaften. Viele bleiben mit dem mindestens 36.979 Euro teuren Basismodell und einigen Extras gerade noch unter der magischen Dienstwagengrenze, die viele Firmen bei maximal 40.000 Euro legen.

So reicht es zumindest noch für Sitzheizung (310 Euro), Einparkhilfe (690 Euro) und das unverzichtbare Navigationssystem (ab 1.260 Euro). Schön, wenn es sogar noch Xenonlicht (993 Euro) oder Ledersitze (ab 1.939 Euro) in die Wahlliste schaffen.

Ordentlicher Diesel

Typischer Mercedes-Innenraum
Typischer Mercedes-Innenraum © Foto: Mercedes

Serienmäßig im Preis des C 220 T enthalten ist eine ordentliche Dieselmotorisierung. Der 2,2 Liter große Commonrail-Diesel schöpft aus vier Brennkammern 125 kW/170 PS und ein maximales Drehmoment von 400 Nm. Davon hätten Familienväter oder Dienstwagenbesitzer vor Jahren nur träumen können. Für diese Leistung, sowie 0 auf 100 km/h in 8,9 Sekunden oder 224 km/h Spitze wären allemal sechs Zylinder und knapp drei Liter Hubraum nötig gewesen.

Doch so macht einem die überlange Preisliste die Auswahl zwischen den Modellen leicht und lässt besonders den wenig innovativen Benziner im Regen stehen. Wer einen sparsames T-Modell kauft, will um den 2.000 Euro günstigeren, aber recht trägen 200 CDI mit 136 PS gerne herumkommen. Und da - anders als bei den Hauptkonkurrenten - Alternativen mit rund 200 PS fehlen, bliebe so nur das mittlerweile auch nicht mehr ganz frische C 320 CDI. Der bietet 224 PS und prächtige Fahrleistungen, kostet jedoch 6.500 Euro mehr und verbraucht deutlich mehr. So landen die meisten Kunden zwangsläufig beim C 220 CDI T. Da passen Leistung, Preis und Auto am besten zusammen.

Warten auf neue Motoren

Eckig statt trendig-rund
Eckig statt trendig-rund © Foto: AG/Flehmer

Nach einem spürbaren Anfahrloch geht es ab 2.000 Touren - leer oder beladen - munter zur Sache. Dabei hat man nie das Gefühl so kraftvoll und sparsam unterwegs zu sein, wie die Konkurrenz aus München oder Ingolstadt. Trotzdem passt das Gesamtpaket aus Motor, etwas hakeligem Sechsganggetriebe und exzellent abgestimmten Fahrwerk. Die Lenkung ist angenehm präzise und der über 1,6 Tonnen schwere Kombi lässt sich straff und dynamisch bewegen ohne dabei unkomfortabel zu sein. Schon der Optik wegen sollte man der Mercedes C-Klasse jedoch mindestens einen 17-Zoll-Radsatz gönnen. Die serienmäßigen 16-Zöller mit schmalen 205er Reifen sehen allzu schwächlich in den Radhäusern aus.

Statt der versprochenen 6,1 Liter Diesel auf 100 Kilometern lag der Durchschnittsverbrauch im Praxistest letztlich bei 7,5 Litern. Kein schlechter Wert, aber für einen knappen Liter weniger Durst ist man mit einem 3er BMW bereits mit sechs Zylindern und über 200 PS unterwegs. Die Stuttgarter warten nicht nur sehnsüchtig auf neue Benziner, sondern auch auf ein neues Dieseltriebwerk, das im April nächsten Jahres kommen soll. Das kann - wenn gewünscht - auch erstmals mit einer siebenstufigen Automatik kombiniert werden. Derzeit fehlen einer C-Klasse so energiesparende Details wie entkoppelbare Nebenaggregate, Start-Stopp-Automatik oder ein regeneratives Bremssystem.

Kein Lastenträger

Ausbaufähiger Kofferraum
Ausbaufähiger Kofferraum © Foto: Mercedes

Dass die Mercedes C-Klasse kein echter Lastenträger ist, versteht sich von selbst. Doch in der Mittelklasse setzt man mit 485 Liter eine knappe Bestmarke vor dem neuen Audi A4 Avant mit 480 Litern. Leicht zurück die anderen Konkurrenten mit 460 Litern (BMW 3er Touring) oder 417 Litern (Volvo V50). Der Kofferraum des Schwaben lässt sich durch Umklappen der Rücksitze mit ebener Ladefläche auf 1500 Liter erweitern. Die Ladekante ist angenehm breit und niedrig, unter dem Ladeboden gibt es zusätzlich einen en Stauraum. Für 250 Euro bekommt man den «Fixkit» - ein Set aus Ladegutschienen und Befestigungselementen - das an sich selbstverständlich und daher serienmäßig sein sollte.

Das gilt eingeschränkt auch für den Satz Teleskopstangen, mit dem man den Laderaum variabel unterteilen kann und den klappbaren Transportkorb. Bei Nichtbenutzung wird das Werkzeug unter dem Kofferraumboden verstaut. Hier wurde nachgedacht. Leider nicht bei einer separat zu öffnenden Heckscheibe, die auch einem T-Modell der C-Klasse gut zu Gesicht stehen würde. Für Freude sorgt dagegen die elektrische Heckklappe, die zwar 416 Euro Aufpreis kostet, jedoch gerne geordert werden dürfte.

Auch als Gebrauchter beliebt

Weiterhin pompöse Front
Weiterhin pompöse Front © Foto: AG/Flehmer

Praktisch und angenehm präsentiert sich auch der Innenraum. Das Platzangebot geht in Ordnung und auch groß gewachsene Personen sitzen vorn und eingeschränkt auch im Fond bequem. Eng wird es jedoch, wenn drei Personen in die zweite Reihe sollen. Für mehr als vier Leute ist der C 220 CDI T nichts. Nicht nur anspruchsvolle Piloten freuen sich über das griffige Steuer und die gute Bedienbarkeit, würden sich jedoch edlere Oberflächen und vielleicht auch einmal einen modernen Blinkerhebel wünschen, der nicht in Form einer Schlangengurke in Richtung Seitenscheibe ragt. Auch den Tempomaten könnte man leicht in das sehr gute Bedienkonzept des Multifunktionslenkrades einbinden. Es wäre an der Zeit.

Der Mercedes C 220 CDI T war und ist ein Liebling der breiten Masse. Das wird langfristig auch so bleiben. Denn neben dem hohen Basispreis und der kargen Komfortausstattung erfreut sich besonders das dieselbetriebene T-Modell auf dem Gebrauchtwagenmarkt - auch nach vielen Jahren - einer großen Beliebtheit. Doch gerade ein moderner Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung und Turboaufladung würde der C-Klasse gut zu Gesicht stehen. Dann würden sich auch mehr Kunden gegen einen C 220 CDI T entscheiden können und müssten nicht zur Konkurrenz abwandern.






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