23. November 2012

Fahrbericht Totaler Wandel Mercedes A200 CDI: Revolution für junge Reiche

Mercedes hat die A-Klasse radikal verändert. Fotos ▶
Mercedes hat die A-Klasse radikal verändert. © Mercedes

Die dritte Generation der A-Klasse zielt auf jüngere Kundschaft ab. Doch die auf sportlich getrimmte Kompaktlimousine werden sich nur gut betuchte junge Fahrer leisten können.




Erstens kommt es anders und zweites als man denkt. Wer bisher eine A-Klasse als Rentner-Fahrzeug identifizierte, wird bei der dritten Generation Augen und Ohren machen. Vor allem, wenn Bekannte oder auch mal ein Polizist sich nach dem neuen Mercedes erkundigen. "Und, mal ganz ehrlich, wie ist der so?" Der, also die A-Klasse, ist eigentlich unspektakulär. Zumindest was das Fahrverhalten angeht. Das eigentlich Besondere ist der Wandel zum Vorgängermodell. Es kommt einem vor, als mache der Kompakte aus Stuttgart eine Rolle rückwärts, vom Hochdach-Kompakten zur schnittigen Kompaktlimousine. Die soll nun vor allem jüngere Fahreransprechen.


Emotionaler Diesel für die Mercedes A-Klasse

Zumindest die, die sich den Mercedes leisten können. Denn günstig war ein polierter Stern noch nie – darin bleiben sich die Stuttgarter bei allen Veränderungen treu. So kostet der A200 CDI mit 1,8-Liter-Vierzylinder-Diesel und 100 kW/136 PS mindestens 27.787 Euro. Und beim Basispreis wird es angesichts der langen Optionsliste kaum bleiben.

Der Motor ist aber keine vernünftig-langweilige Wahl, sondern eine sportlich-emotionale und passt gut zum dynamischen Erscheinungsbild der neuen A-Klasse. Denn vor allem in der Seitenansicht fällt der Bruch zum Vorgänger deutlich auf: Konkave und konvexe Formen, unterbrochen von einer messerscharfen Kante, sorgen für Dynamik und machen den Baby-Benz schon im Stand schnell. An der Front dominiert wie bei den größeren Schwestermodellen der steile Kühlergrill mit einem wuchtigen Stern. Und von hinten erinnert der Mercedes durch seine ovalen Rückleuchten eher an die erste Generation des Audi A3 als an ein modernes Auto.

Saubere Verarbeitung im Innenraum der Mercedes A-Klasse

Auch der Innenraum der Mercedes A-Klasse hat sich gewandelt
Auch der Innenraum der Mercedes A-Klasse hat sich gewandelt © Daimler

Technik und Innenraum bezeugen aber dann die noch frische Geburt: saubere Verarbeitung, klar ablesbare Rundinstrumente, sportliche und riesige Lüftungsdüsen im SLS-Stil sowie eine Reihe von Assistenzsystemen. Dazu zählt der Tempomat mit Abstandsregelung (ab 297 Euro), Spurhalte-Assistent und Totwinkel-Assistent (892 Euro), Rückfahrkamera (345 Euro) und elektronischer Park-Assistent (803 Euro). Dinge, die man zwar nicht unbedingt benötigt, die einem aber nach einiger Zeit gefallen und die man dann nicht mehr missen möchte. Denn dank der breiten C-Säule, der winzigen Heckscheibe und der niedrigen Sitzposition fühlt man sich in der A-Klasse wie in einer dunklen Höhle und freut sich vor dem Überholmanöver über die Aufmerksamkeit und die Warnlampen des Totwinkel-Assistenten, die hektisch blinken, wenn man Gefahr läuft, fremdes Blech zu touchieren.

Auch das griffige Sportlenkrad des AMG-Pakets gefällt nach einigen Kilometern immer besser. Allerdings sind die eng geschnittenen Sportsitze in Kombination mit den 18-Zoll-Sporträdern im AMG-Paket (2808 Euro) etwas zu viel für eine vorbelastete Bandscheibe. Beim Platzangebot liegt der Mercedes zwar nicht vor seinen Mitbewerbern, geht aber immer noch als praktischer Stadtwagen mit vier Türen und einem Kofferraumvolumen zwischen 341 und 1157 Liter durch.

Fahrdynamische Mercedes A-Klasse

6,4 Liter benötigte die Mercedes A-Klasse
6,4 Liter benötigte die Mercedes A-Klasse © Daimler

Die Abstimmung macht im Alltag Spaß, vor allem, wenn man gerne flott unterwegs ist. Das Fahrwerk bügelt Unebenheiten sauber aus, schlägt selbst bei tiefen Löchern nicht durch und folgt jedem Lenkbefehl schon fast so direkt wie bei einem Sportwagen. In Sachen Fahrdynamik liegt dieser Mercedes ganz weit vorne.

Der Diesel liebt frühes Schalten und niedertouriges Fahren, zeigt aber ab 3000 Touren auch gerne seine Zähne, wenn sich die Reifen kraftvoll in den Asphalt beißen. Dabei bleibt der Selbstzünder angenehm im Hintergrund – akustisch wie auch ökonomisch. Zwar gibt Mercedes einen Durchschnittsverbrauch von 4,3 Litern auf 100 Kilometern an, im zweiwöchigen Testzyklus notierte der Bordcomputer aber 6,4 Liter– kein guter Wert, trotz zurückhaltender Fahrweise. Und selbst zu der muss man sich zwingen, denn der 140-PS-Diesel schafft locker 210 km/h und sprintet von 0 auf 100 km/h in 9,3 Sekunden.

Mercedes B-Klasse übernimmt Part der A-Klasse

Alte Kundschaft der Mercedes A-Klasse muss aufsteigen
Alte Kundschaft der Mercedes A-Klasse muss aufsteigen © Daimler

Werte, von denen die bisherigen A-Klasse-Fahrer nur träumen konnten, wenn sie denn dies überhaupt wollten.

Denn für diese ist die neue Generation der Kompaktlimousine sicher nicht mehr die ideale Wahl. Doch für die kommod angehauchte Klientel haben die Stuttgarter ja noch das Raummobil B-Klasse im Programm. Und der Absatz erfreut die Verantwortlichen in Stuttgart derzeit besonders. (SP-X)






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