Verkehrte Welt

Mazda 3 2.0 L MZR i-Stop

Der Mazda 3 © Foto: Mazda

Sprit sparen ist angesagt beim Mazda 3 mit Start-Stopp-Automatik. Doch bei kalten Temperaturen schlägt der 151 PS starke Kompaktwagen fast schon gnadenlos zu.

Von Thomas Flehmer

Die Maßnahmen sind aller Ehren wert. Im vergangenen Jahr stattete Mazda seinen 3er mit einem Start-Stop-System aus, um Kraftstoff einzusparen und in die Sphären zu gelangen, die der Klassenprimus VW Golf benötigt. An der Ampel oder dem Bahnübergang schaltete sich der Motor aus, wenn der in Leerlauf geschaltet und der Fuß von der Kupplung genommen wurde. Rund ein halber Liter konnte so eingespart werden.

Strenge Temperaturen

Der derzeit strenge Winter macht den Spritsparern aber einen Strich durch die Rechnung. Bei Temperaturen zwischen minus fünf und 15 Grad sind die Bemühungen zumeist erfolglos. Die Kälte macht dem System zu schaffen, sodass im 14-tägigen Testzeitraum nur zwei Mal die Bemühungen von Erfolg gekrönt waren, als der Motor nach einer längeren Fahrt an der Ampel ruhte und nach dem Herunterdrücken des Kupplungspedals sofort wieder ansprang.

Neben den eisigen Temperaturen sind es dann auch vor allem die Heizung samt Gebläse, die den Einsatz des Start-Stopp-Systems zunichte machen und den Motor nicht zur Ruhe kommen lassen, damit die Batterie nicht vorzeitig ihren Geist aufgibt.

151 PS für die Stadt

Für die Stadt übermotorisiert Foto: Mazda

Lange Gesichter hinter dem Volant gibt es in dieser Zeit nicht nur wegen des nicht funktionierenden Systems, sondern auch aufgrund des für heutige Verhältnisse hohen Verbrauchs. Hier rächen sich die 111 kW/151 PS, die unter der Haube gut und zuverlässig arbeiten.

Die Pferdchen wollen gefüttert werden und bei den derzeitigen Temperaturen stärker als im Sommer. Mazda gibt den Verbrauch in der Stadt schon von vornherein mit hohen 9,3 Litern Superbenzin an. Mit dem richtigen Luftdruck auf den Pneus blieb der Mazda knapp darunter. Doch 151 PS für die Stadt sind auch reichlich übermotorisiert.

Heu für die Pferde

Spritziger Auftritt Foto: Mazda

Auf der Autobahn hingegen werden die Pferdchen dagegen gern in Kauf genommen. Zwar soll der Sprint immer noch 10,4 Sekunden dauern, doch man fühlt sich selbst auf der linken Spur nicht untermotorisiert. Bis zur Spitzengeschwindigkeit von 206 km/h zieht der Kompakte gut mit, ohne dass Gespräche aufgrund des lauten Motorengeräusches untergingen.

Aber auch hier fordern die Pferde ihr Heu. Die von Mazda angegebenen 5,4 Liter waren zu keiner Zeit erreichbar. Bei diesen Temperaturen muss sowieso mehr Kraftstoff eingerechnet werden. Allerdings pendelte sich der Verbrauch bei 8,3 Litern ein - wohlgemerkt bei einer Geschwindigkeit zwischen 120 und 140 km/h. Lässt man der Kraft unter der Haube freie Lauf, war der zweistellige Verbrauchsbereich auch schnell erreicht, vor allem auch deshalb, weil der 3er sich sehr ordentlich schalten und fahren lässt.

Wenig Platz im Fond

Typisches Mazda-Innenleben Foto: Mazda

Denn die Lenkung ist sehr direkt und gut austariert, sodass Unebenheiten von den Insassen kaum wahrgenommen werden. Die Sitzflächen dagegen könnten ein Stückchen länger sein und die Fahrgäste auf den hinteren Sitzen würden sich über ein wenig mehr Beinfreiheit auch nicht beschweren.

Fast schon traditionell mit Knöpfen überfrachtet ist das Lenkrad und auch die Bedienknöpfe der Mittelkonsole lassen besonders bei eingeschaltetem Licht im Dunklem eine gewisse Pilotenkanzel-Atmosphäre aufkommen. Doch die Bedienung erschließt sich schnell und man gewöhnt sich schnell, wann was gedrückt werden muss.

Kleines Navi

Ungewöhnlich ist dagegen der Preis. Während das Einstiegsmodell mit einer 1,6 Liter großen Benzinmaschine bei 16.990 Euro startet, beginnt der sehr gut ausgestattete 2.0 MZR i-Stop in der Version Prime Line bei 24.690 Euro. Kommen noch 720 Euro für das kleine Navigationssystem, das älteren Autofahrern aber nicht unbedingt liegen wird, hinzu, sowie 480 Euro für die Metallic-Lackierung, die den sportlichen Auftritt des äußerlich sehr dynamisch wirkenden Mazda 3 unterstreicht. Wenn nur der ebenfalls sportliche Verbrauch nicht nur bei höheren Temperaturen eingedämmt werden würde.