20. Dezember 2012

Fahrbericht Um 21 Zentimeter gewachsen Maserati Quattroporte: Fit machen für China

Der Maserati Quattroporte ist die schnellste Serien-Limousine der Welt.
Der Maserati Quattroporte ist die schnellste Serien-Limousine der Welt. © Maserati

Zehn Jahre hat es gedauert, bis Maserati den neuen Quattroporte präsentiert. Bei der schnellsten serienmäßigen Limousine der Welt müssen die Insassen allerdings als anderswo zum Standard gehörende Komfortelemente verzichten.




Ganze zehn Jahre hat es gedauert, bis Maserati nun den neuen Quattroporte präsentiert. Ende Januar 2013 kommt zum 50sten Quattroporte-Jubiläum die sechste Generation der einzig wirklichen italienischen Luxus-Limousine dann auch in den Handel. Der fünfsitzige Viertürer ist stärker und zeitgemäß auch um 20 Prozent sparsamer als der Vorgänger. Gewachsen ist er auch: 5,26 Meter sind es in der Länge von der vorderen zur hinteren Stoßstange, ein Plus von 21 Zentimetern. Davon profitieren hauptsächlich die Fondinsassen. Wichtig ist das vor allem für den chinesischen Markt, die Nummer zwei für den Maserati-Absatz, nach den USA, denn dort sind prestigeträchtige Chauffeurs-Limousinen sehr gefragt. Beim ersten Platznehmen in der zweiten Reihe bemerkt man sofort die großzügigen Raumverhältnisse. Anders als bei Coupés mit vier Türen läuft man hier nicht Gefahr sich beim Einsteigen den Kopf zu stoßen. Außerdem sparen sich die Italiener so eine gesonderte Variante mit verlängertem Radstand.


Maserati Quattroporte startet bei 103.000 Euro

Im nächsten Jahr kann der noble Quattroporte in drei Variationen zu Preisen ab 103.000 Euro erworben werden. Dafür gibt es ab dem zweiten Quartal 2013 die Einstiegsmotorisierung, einen 3.0-Liter-V6-Biturbo-Benziner mit 301 kW/410 PS und 550 Newtonmetern Drehmoment. Mit der identischen Motorisierung kommt zum gleichen Zeitpunkt eine Allradversion zum Preis ab 110.000 Euro. Den Anfang macht bereits Ende Januar 2013 das Top-Modell, ein 3.8-Liter-V8-Biturbo mit 390 kW/530 PS und bis zu 710 Newtonmetern Drehmoment. Der durchschnittliche Verbrauch des 1,9-Tonners liegt bei 11,9 Litern auf 100 Kilometern. Das entspricht einer CO2-Emission von 278 Gramm je Kilometer. Um auch wirklich eine sehr sehr sportliche Limousine auf die Beine zu stellen, haben die Ingenieure aus Modena (Maserati) alle Motoren gemeinsam mit den Ingenieuren aus Maranello (Ferrari) entwickelt. Vorerst stehen die bei Ferrari gefertigten Triebwerke aber exklusiv Maserati zur Verfügung.

Bei unseren ersten Testfahrten mit dem V8-QP, wie ihn eingefleischte Maserati-Fans gern abgekürzt nennen, waren es knapp 20 Liter auf 100 Kilometer, wobei der Fairness halber erwähnt werden sollte, dass wir in den französischen See-Alpen fahrspaßorientiert unterwegs waren. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 307 km/h ist der neue Quattroporte übrigens die schnellste serienmäßig gefertigte Limousine weltweit. Der Preis: ab 145.000 Euro.

Rennwagen-Feeling beim Gangwechsel des Maserato Quattroporte

Toller Sound im Maserati Quattroporte
Toller Sound im Maserati Quattroporte © Maserati

Maserati ist beim neuen Viertürer der Tradition verpflichtet. Schließlich war bereits der allererste Quattroporte aus dem Jahr 1963 mit 240 km/h die schnellste viertürige Limousine seiner Zeit. Kein Wunder, wurde doch damals einfach ein aktueller Formel-1-Motor unter die Haube der QP verbaut. Geschaltet werden alle drei Versionen der neuesten Generation mit einer Achtgang-Automatik. Beim Cruisen schaltet diese nahezu unmerklich rauf und runter. Wenn man aber das Gaspedal ganz durchdrückt, und die volle Leistung bis in den Drehzahlbegrenzer abruft, gibt es bei jedem Gangwechsel einen rennwagentypischen Schlag ins Kreuz ergänzt durch einen paukenschlagartigen Ohrenschmaus aus dem Auspuff.

Auch beim Herunterschalten kann man diesen Klang, auch zum Vergnügen anderer, provozieren – herrlich! Gestartet werden die Triebwerke übrigens per Knopfdruck, links vom Lenkrad! Der edle und gleichermaßen schöne wie schwere Funkschlüssel aus gebürstetem Aluminium kann getrost in der Hosentasche bleiben. Aus dem gleichen Material sind die übergroßen und zum Glück feststehenden Schaltpaddel am Lenkrad.

Wer technikverliebt ist und nach Fahrerassistenz-Systemen à la Spurhaltung, elektrischer Lenkung, Abstandsradar oder Nightvision sucht, den muss Maserati enttäuschen. Derlei gibt es ebenso wenig, wie einen elektrischen Kofferraumdeckel, Luftfederung oder LED-Beleuchtung. Dafür ist die Rückbank 60 zu 40 umklappbar, wodurch das Kofferraumvolumen von 530 Litern ganz schnell fast verdreifachen lässt.

Maserati Quattroporte hält optische Treue zum Vorgängermodell

Der Maserati-Dreizack ist in die Kopfstützen integriert
Der Maserati-Dreizack ist in die Kopfstützen integriert © Maserati

Optisch bleibt die Neuauflage dem Vorgänger treu, unterscheidet sich aber unter anderem durch schmalere Scheinwerfer, rahmenlose Seitenscheiben, eine nach hinten ansteigende Gürtellinie und einen flacheren Kühler. Der schwarze Schlund bleibt prägnant und in der Mitte thront weiterhin der bekannte Dreizack. Im Innenraum kommen wie gewohnt duftendes Leder und edle Hölzer zum Einsatz. Der Dachhimmel verwöhnt die Sinne mit streichelzartem Alcantara und das Armaturenbrett ist komplett mit gefüttertem Leder verkleidet.

Die sportlichen Ledersitze sind, wie es in dieser Klasse Standard ist, elektrisch verstellbar. Nur die Kopfstützen müssen hier von Hand in der Höhe verstellt werden. Ein schönes Detail ist der erhabene Dreizack, an den wir den Hinterkopf anlehnen. Ein geschmackvoller Kontrast zum beige-braunen Innenraum unseres Testwagens sind die beiden blauen Tachoscheiben der Geschwindigkeitsanzeige und des Drehzahlmessers. Ein wenig die Nase rümpfen könnte man über den Blinker-Wischwasch-Hebel. Der wurde stumpf aus dem Großserien-Chrysler-Regal in den Quattroporte implantiert. Dagegen wirkt wiederum die ovale Analog-Uhr oberhalb der Mittelkonsole sehr edel.

Hohe Ansprüche an den Maserati Quattroporte

Kaum Kritikpunkte am Innenraum des Maserati Quattroporte
Kaum Kritikpunkte am Innenraum des Maserati Quattroporte © Maserati

Zurzeit verkauft Maserati etwas über 6000 Einheiten pro Jahr. Ab dem Jahr 2015 sollen es bereits 50.000 verkaufte Automobile alle zwölf Monate sein, verrät Maserati-Chef Harald Wester. Um dieses ambitionierte Ziel auch zu erreichen, kommt nach dem neuen Quattroporte für 2013 dann 2014 ein kleinerer QP namens Ghibli, auch mit Dieselmotoren auf den Markt – als Konkurrenz für Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse. 2015 folgt dann ein SUV mit dem Namen Levante, der auch ausschließlich in Italien gefertigt werden soll. (SP-X)






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Maserati

Fünf Brüder gründeten 1914 die Marke mit dem Dreizack, der eine Hommage an die Heimatstadt Bologna ist und im richtigen Leben den Neptunbrunnen der Stadt ziert. Bereits zur Gründung hatten sich die Brüder ausschließlich dem Rennsport verschrieben, die größten Erfolge kamen allerdings erst in den 50er Jahren. Der Argentinier Juan Manuel Fangio gewann 1957 auf einem Maserati sein fünftes Championat. Nachdem Citroen Ende der 60er Jahre 60 Prozent an dem italienischen Unternehmen hielt, übernahm Fiat 1993 das Kommando und gliederte vier Jahre später Maserati bei Ferrari ein. Seit 2005 ist Maserati aber wieder ein eigenständiges Unternehmen im Fiat-Konzern, arbeitet aber weiterhin eng mit Ferrari zusammen.



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