25. Juli 2008

Fahrbericht Maserati Quattroporte S Heißer Tanz mit dem Dreizack

Maserati Quattroporte S
Maserati Quattroporte S © Foto: Maserati

Wenn ein Auto mit der schlichten Modellbezeichnung «Viertürer» gestandenen Sportwagenfahrern eine Gänsehaut auf den Rücken zaubert, kann es sich nur um einen Maserati handeln. Besser, schneller, schöner - der neue Quattroporte S ist da.




Von Patrick Solberg

Seit 2003 kann man sich auch mit einer Limousine wieder guten Gewissens und besten Selbstverstrauens an den Rennstrecken dieser Welt sehen lassen. Der Maserati Quattroporte gewann fünf Jahre lang Auszeichnung um Auszeichnung, sorgte selbst bei der Konkurrenz für viel Applaus und gilt heute wohl als schönste Limousine weltweit. Doch das Beste ist bekanntlich der Feind des Guten - der neue Maserati Quattroporte S ist noch sehenswerter und nicht durch die neue Frontansicht kraftvoller.


Achtzylinder mit 430 PS

Unter der Haube arbeitet ein 4,7 Liter großer Achtzylinder mit 430 PS. Vorsicht - je höher die Umdrehungen, desto mehr schwinden einem die Sinne. Und ein Quattroporte hat schon vielen den Kopf verdreht. Seit Markteinführung wurden mehr als 15.000 Fahrzeuge weltweit verkauft. Erfolgreicher war kein anderer Maserati.

In diesen elitär-sportlichen Limousinenkreisen ist die Konkurrenz dünn gesät. Da gibt es kaum mehr als BMW M5, Audi S8, Mercedes S 63 AMG oder Jaguar XJR, doch die Mischung aus Sportlichkeit, Dynamik, Eleganz und Understatement bekommt kaum ein anderer Hersteller so perfekt arrangiert, wie die zunehmend ambitionierter werdenden Norditaliener aus Modena.

Die Straße im Blick - der Fahrer im Maserati  Quattroporte S
Die Straße im Blick - der Fahrer im Maserati Quattroporte S © Foto: Maserati

Als ob der Quattroporte nicht schon genug Hingucker gewesen wäre, so präsentiert sich der im Herbst auf den Markt kommende neue Quattroporte des Modelljahres 2009 sehenswerter denn je. Besonders die bisher geradezu zierliche und allzu filigrane Front hat sich das Designteam vorgenommen. War der alte Italo-Viertürer bisher ein schmucker Beau, so präsentiert er sich nun von vorn deutlich kraftvoller und ambitionierter. Trotzdem wirkt die Symbiose aus Lamellenschlund, Kühleröffnungen und den neuen Frontscheinwerfern mit LED-Blinkern alles andere als aufdringlich. Das gleiche gilt am Heck. Hier fielen die Retouchen deutlich dezenter aus - doch auf innovative LED-Technik setzt man auch hier. Die Länge des Schönen Italieners stieg um 4,50 Zentimeter auf 5,10 Meter.

Zwei Versionen erhältlich

 Maserati Quattroporte S
Maserati Quattroporte S © Foto: Maserati

Unter der unendlich langen und sanft ansteigenden Motorhaube ist der neue Quattroporte nunmehr in zwei Versionen zu bekommen. Das bekannte Standardtriebwerk leistet nach wie vor 294 kW / 400 PS und 460 Nm maximales Drehmoment bei 4.250 U/min. Noch bissiger geht der neue 4,7 Liter große Achtzylinder des Quattroporte S zur Sache. Trotz eines halben Liters mehr Brennraum gibt es nur eine verhältnismäßig kleine Mehrleistung von 30 PS.

Wer hinter dem neuen Volant des Quattroporte S Platz genommen hat, wird die 430 PS sowie die 490 Nm Drehmoment jedoch schnell schätzen lieben. Gerade in höheren Drehzahlbereichen von über 5500 U/min ist der knapp zwei Tonnen schwere Hecktriebler bissiger denn je. Er hängt deutlich hungriger am Gas und spendiert dem sportlichen Piloten einen Spurt 0 auf 100 km/h in 5,4 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von über 280 km/h. Der Motorsound ist die Lust pur.

Messerscharfe Lenkung

Die Scheinwerfer am Maserati Quattroporte S haben LED-Leuchten
Die Scheinwerfer am Maserati Quattroporte S haben LED-Leuchten © Foto: Maserati

Die Lenkung präsentiert sich beim heißen Ritt gewohnt messerscharf und die Bremsen mit 360 bzw. 330 Millimeter Durchmesser sind bissig, wie es sich für einen Sportwagen gehört. Auch die Automatik harmoniert mit der Sechsgangautomatik aus dem Hause ZF besser als mit der hubraumschwächeren Version. Der Durchschnittsverbrauch des Quattroporte S liegt bei 15,7 Litern Super auf 100 Kilometern. Die gute Gewichtsverteilung von 49:51 zugunsten der Hinterachse und der weit hinter der Vorderachse positionierte Motor haben einen großen Anteil daran, dass das Fahrwerk exzellent mit dem Leergewicht und Insassen umzugehen weiß. Der Quattroporte ist nicht nur schön, sondern er lässt sich - wenn gewünscht - überaus sportlich bewegen. Über einen Schalter kann der Pilot zwischen zwei verschiedenen Dämpfungsmodi wählen. Der Normalmodus ist straff - der Sportmodus straffer.

Im Innenraum zeigt der Maserati das gewohnt edle Ambiente einer italienischen Ledermanufaktur. Schalter und Bedienelemente an der Mittelkonsole wurden neu platziert und wirken besonders mit dem optionalen DVD-Soundsystem von Bose wertiger als bisher. Nach wie vor liegen einige Schalter unterhalb der Instrumente jedoch ungünstig. Schalter und Lenkstockhebel aus einem preiswerten Grossserien-Fiat möchte man in einer mindestens 114.000 Euro teuren Luxuslimousine ebenfalls nicht sehen.

Handschuhweiche Sitze

Blick in den Innenraum des Maserati Quattroporte S
Blick in den Innenraum des Maserati Quattroporte S © Foto: Maserati

Die handschuhweichen Ledersitze lassen sich beheizen, belüften und vielfältig elektrisch einstellen. Trotzdem sitzen groß gewachsene Fahrer zu hoch und die Kopfstützen lassen sich nicht weit genug ausfahren. Auf Wunsch gibt es für die Passagiere im Fond nicht nur den gleichen Komfort mit TV, separater Klimaautomatik, vollelektrischen Einzelsitzen, sondern auch ausklappbare Holztische. Hier nimmt auch Silvio Berlusconi allzu gerne Platz.

Das Heck des Maserati Quattroporte S
Das Heck des Maserati Quattroporte S © Foto: Maserati

Das optional erhältliche Bose-Multifunktionssystem für DVD, Festplattennavigation und Soundsystem sieht zwar gut aus, ist jedoch alles andere als selbsterklärend. Dafür ist die Serienausstattung des Maserati Quattroporte S mit elektrischen Ledersitzen, Xenonlicht, Sky-Hook-Sportdämpfern und 19-Zoll-Radsatz jedoch komplett. Leider fehlen in der Aufpreisliste nach wie vor Selbstverständlichkeiten wie eine Rückfahrkamera, Keyless Go oder eine Abstandstempomat. Der Basispreis für den Maserati Quattroporte liegt bei 114.300 Euro. Der Quattroporte S kostet mindestens 123.350 Euro.






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Maserati

Fünf Brüder gründeten 1914 die Marke mit dem Dreizack, der eine Hommage an die Heimatstadt Bologna ist und im richtigen Leben den Neptunbrunnen der Stadt ziert. Bereits zur Gründung hatten sich die Brüder ausschließlich dem Rennsport verschrieben, die größten Erfolge kamen allerdings erst in den 50er Jahren. Der Argentinier Juan Manuel Fangio gewann 1957 auf einem Maserati sein fünftes Championat. Nachdem Citroen Ende der 60er Jahre 60 Prozent an dem italienischen Unternehmen hielt, übernahm Fiat 1993 das Kommando und gliederte vier Jahre später Maserati bei Ferrari ein. Seit 2005 ist Maserati aber wieder ein eigenständiges Unternehmen im Fiat-Konzern, arbeitet aber weiterhin eng mit Ferrari zusammen.



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