10.000 Euro für zehn PS

Maserati Quattroporte GTS

Maserati Quattroporte GTS © Foto: dpa

Der Quattroporte GTS ist das Sahnehäubchen der Luxuslimousinen-Reihe von Maserati. Wer dieses Spaßpaket fahren will, muss aber noch ein wenig tiefer in die Tasche greifen als sonst üblich.

Von Thomas Flehmer

Kombinierte 15,71 Liter Superplus und eine CO2-Emission von 365 Gramm pro Kilometer - um es gleich vorwegzunehmen. Wem diese Werte reichen, um ein Fahrzeug dieser Klasse zu beschreiben und darüber zur urteilen, dessen Wissensdurst sei hiermit bis zum letzten Absatz des Textes gestillt. Alle anderen dürfen weiterträumen, wie es ist, hinter dem Steuer des Quattroporte GT S Macht über 323 kW/440 PS zu besitzen. Macht zu haben über das Sahnehäubchen der Quattroporte-Baureihe von Maserati, dessen Image in Deutschland als Nobelmarke weitaus bekannter ist als die einzelnen Modelle aus der italienischen Schmiede aus Modena.

Sanfte Gefühle

Da ist zunächst einmal das mit Alcantaraleder überzogene Multifunktionslenkrad, das sanft in den Händen liegt und sich den ebenfalls mit Alcantara verarbeiteten Sitzen und Türverkleidungen anpasst. Wem der dunkle Ton nicht gefällt, der kann zwischen fünf Farben entscheiden - mit ein wenig Kleingeld sind natürlich auch weitere individuelle Eingriffe völlig unkompliziert. Immer mit dabei sind die schön verarbeiteten Nähte, die die weiteren in Leder gehaltenen Verkleidungen zusammenhalten.

Der Innenraum des Maserati Quattroporte GTS Foto: Maserati

Die Instrumententafel ist sehr übersichtlich und stilvoll gestaltet, die Bedienung der Mittelkonsolenelemente ergibt sich nach kurzer Verweildauer von selbst. Verschwunden ist der kleine Haken, der als Schalthebel diente. Er wurde ebenso wie die nicht ganz stimmige Automatik der Vorgängergeneration durch einen größeren Schalthebel sowie eine - leider nur sechs Gänge aufweisende - Automatik ersetzt.

Geringe Beinfreiheit

Aufgrund der eleganten Innenraumeinrichtung fällt es kaum auf, dass trotz einer Länge von 5,10 Metern die Beine der im Fond befindlichen Personen nicht so weit ausgestreckt werden können, wie man es eigentlich erwarten würde. Mit Platzproblemen kämpfen Mitfahrer Nummer drei und vier nicht, aber der Skoda Superb bietet zum Beispiel mehr Beinfreiheit auf den «billigen» Plätzen.

Vor Jahresfrist hatten die Norditaliener die neue Generation des Quattroporte ins Leben gerufen und der viertürigen Limousine zu einem aggressiveren, sportlicheren Auftritt verholfen. Der zuvor schon wohl schönsten Limousine zwischen den AMG-Modellen von Mercedes und dem Audi S8 tat das Auffrischen gut. Die vertikalen und konkav gewölbten Streben des Kühlergrills machen einen weitaus agileren eindruck als zuvor die horizontal verlaufenen Streben oder das Maschendrahtzaunmuster.

LED-Tagfahrlichter

Luxuriöse Luftdüsen im Fond des Maserati Quattroporte GTS Foto: Maserati

Ebenso gut passen die LED-Tagfahrlichter sowie die neuen Hauptscheinwerfer in dieses Segment. 20 Zoll-Räder unterstreichen den Anspruch auf einen sportlich-luxuriösen Auftritt, der spätestens nach dem Anlassen des Motors von einem wuchtigen, röhrenden Sound aus den beiden oval geformten Endrohren auch der Umwelt mitteilt, dass hier ein Dickschiff in Fahrt kommt.

Dabei rollt der vorne um 15 und hinten um elf Millimeter tiefer gelegte Zweitonner im normalen Modus eher gemächlich an und hält die 490 Nm Drehmoment im Zaum. Ein wenig Fußspitzengefühl ist nötig, um sich mit den Eigenschaften des 4,7 Liter großen Achtzylinders anzufreunden. So ist dieser Modus für die komfortable Fortbewegung gedacht, ein kleiner Moment vergeht auch hier, ehe der Gasbefehl des rechten Fußes motorisch umgesetzt wird.

Maserati Quattroporte GTS Foto: Maserati

Für den Haudrauf-Effekt ist der Sport-Modus zuständig, der auch einen Kavalierstart unterstützt und die Strecke bis zu den 100 km/h in 5,1 Sekunden zurücklegt. 35 Meter - besser gesagt nur 35 Meter - sind es, die der Quattroporte GT S zurücklegt, ehe er den dreistelligen Geschwindigkeitsbereich erreicht. Mit dem normalen Quattroporte sind es lediglich 0,3 Sekunden langsamer. Dieser verfügt aber auch «nur» über 430 PS. Erfahrbar sind diese Sekundenbruchteile aber nicht beim Fahren, sondern nur beim Bezahlen. Denn für die 10 PS mehr Leistung muss der «S»-Fan bei einem Einstiegspreis von 133.100 Euro auch gleich runde 10.000 Euro mehr hinblättern.

Weniger Gewicht

Dabei reicht der normale Modus vollkommen aus, um den Alltag zu überstehen - selbst in der S-Version, die wohl nur die wenigsten richtig ausfahren. Genug Power für einen Zwischenspurt ist auch hier vorhanden, aber auch das Cruisen ist gerade in dem luxuriösen Innenraumambiente recht angenehm. Da fällt es auch nicht auf, dass elektronische Dämpfer, auf die besonders die deutsche Konkurrenz setzt, im Fahrwerk fehlen. Der Maserati hält auch so Kurs und benötigt weniger Gewicht.

Doch der Verzicht auf weiteren Elektromotoren als Helferlein für weitere Assistenten ist auch das einzige Eingeständnis, Verbrauch einzusparen. Ansonsten gibt es im Haus keine weiteren Überlegungen. Hybridantrieb oder Start-Stopp-System sind erst einmal nicht angedacht und eine Abkehr vom Dogma «Kein Diesel für Sportwagen» steht überhaupt nicht zur Debatte. So weit die Grüße aus Norditalien nach Zuffenhausen, wo bei Porsche demnächst mit dem Panamera eine weitere Konkurrenz entsteht.

Maserati Quattroporte GTS Foto: Maserati

Dass keine größeren Anstrengungen zur Verbrauchsreduzierung unternommen werden, liegt natürlich auch an der Zugehörigkeit zur Fiat-Group. Knapp 9000 produzierte Maserati im Jahr reichen nicht aus, um Fiat von der europäischen Spitze der verbrauchsärmsten Flotte zu stoßen. Und so werden in der Stadt rund 24 Liter Superplus benötigt, auf der Autobahn knappe elf. Doch die Fahrfreude und der Trieb zur Macht über eine sportliche Luxuslimousine werden die Werte auch weiter in die Höhe schnellen lassen. Eine Reduzierung auf lediglich diese Werte wird dem wunderschönen Viersitzer aber in keinster Weise gerecht.