20. Juli 2007

Fahrbericht Maserati GranTurismo: Zum Verlieben schön

Wo ist Platz für´s Nummernschild - der Maserati GranTurismo
Wo ist Platz für´s Nummernschild - der Maserati GranTurismo © Foto: Maserati

Sie leben wieder, die Gran Turismos. Nach Jahren der Enthaltsamkeit bringen immer mehr Hersteller wieder betörend schöne 2+2-Sitzer auf den Markt. Jetzt kommt der neue Maserati GranTurismo.




Von Stefan Grundhoff

Auch wenn Maserati es gerne anders verkaufen möchte. Der neue GranTurismo ist der Nachfolger des sehenswerten, aber altbackenen GranSport-Coupés und heißt gleich wie die gesamte Fahrzeugklasse. Ihr neuer GT ist zum Verlieben schön.


Dieser schmachtende Blick, die mächtigen Räder und eine Seitenlinie zum Niederknien sollen die elitäre Kundschaft in Scharen von Aston Martin, Porsche, Mercedes und BMW zur Ferrari-Schwester ziehen. Eyecatcher, Stilelement und einfach nur gelungen ist der vom MC12 abgeleitete, grandios tief liegende Kühlergrill, der den GranTurismo zu einem hungrigen Ameisenbär macht, der sich auf der Überholspur auf Futtersuche befindet. Am Heck hätte man sich in Abgrenzung zu Großbritannien etwas mehr Extravaganz gewünscht, aber was wäre nach den Langweil-Leuchten des GranSport keine Verbesserung?

Überragendes Fahrwerk

In Schönheit gestorben sind jedoch schon viele und so hat man sich in Modena diesmal sehr viel Mühe gemacht, endlich ein Coupé zu präsentieren, dass die Schlagzahl der übermächtigen Konkurrenz mitgehen kann. Der neue GranTurismo fährt genau so, wie er heißt. Kein wilder Heizer und kein wilder Stier, mit dem man im Muskelhemd den Bizeps spielen lassen will. Die beste Seite des GT ist sein Fahrwerk. Eine exzellente Mischung aus Sportlichkeit und Gleitpotenzial.

Das Cockpit des Maserati GranTurismo
Das Cockpit des Maserati GranTurismo © Foto: Press-Inform

Wilde Fahrbahnunebenheiten können dem viel zu schweren Italiener kaum etwas anhaben. Wenn es eine Schwäche gibt, dann ist es sein Gewicht. Leer wiegt der Maserati bereits 1.880 Kilogramm; in der wochenendtauglichen Zweibesatzung sind es selbst mit der grazilen Zweitfrau auf dem Beifahrersitz mehr als zwei Tonnen. Das ist zuviel und macht sich nicht nur beim mächtigen Verbrauch, sondern auch in engen Kehren bemerkbar. Hier drückt das Coupé deutlich, aber jederzeit kalkulierbar über die Vorderachse.

Kleiner Kofferraum

Der Blick in den Innenraum des Maserati GranTurismo
Der Blick in den Innenraum des Maserati GranTurismo © Foto: Maserati

Das Übergewicht hat zusammen mit dem serienmäßigen 19-Zoll-Radsatz, der breiten Spur und dem endlos langen Radstand der verkürzten Quattroporte-Plattform auch etwas Gutes. Der GranTurismo liegt satt und mächtig auf der Straße. In langen Kurven oder auf der Autobahn eine wahre Sünde und genau das, was ein GT-Pilot genießen möchte. Durch die Lage des Motors hinter der Vorderachse wurde zwar der Innenraum knapp und der Kofferraum mit 260 Litern klein, aber der gut 4,90 Meter lange Hecktriebler hat dadurch eine nahezu ideale Gewichtsverteilung von 49:51 Prozent. Alles anders als souverän zeigt sich jedoch die ebenfalls adaptierte Quattroporte-Bremse.

Maserati verspricht Tempo 100 auf null in 35 Metern. Mag gut sein, aber das Pedalgefühl ist zu schlapp. Bissig und sportlich ist heute anders. Selbst beim Komfortbremsen unter 60 km/h lässt sich der Verzögerer nur schlecht dosieren. Hier setzt die Konkurrenz andere Maßstäbe.

Die 19 Zoll Leichtmetallfelgen am Maserati GranTurismo
Die 19 Zoll Leichtmetallfelgen am Maserati GranTurismo © Foto: Maserati

Einen gewaltigen Sprung nach vorn hat der Innenraum gemacht. Das allzu betagte Interieur des Vorgängers mit preiswert anmutenden Schaltern, wilden Armaturen und verstreuten Schaltern gehört der Vergangenheit an. Das Armaturenbrett ist mit dem gleichen, anschmiegsamen Leder wie die vier Einzelsitze bespannt. Armaturen, Navigationsbildschirm und Bedienelemente liegen gut im Blick. Dass Sitze jedoch nicht nur schön aussehen, sondern auch bequem sein müssen, scheint in Modena nach wie vor ein Geheimnis zu sein. Leider hat man wieder einmal nicht verstanden, bequeme und sportliche Sitze zu kreieren. Gerade für groß gewachsene Fahrer sind die Sitze kaum ideal zu justieren und die nicht ausfahrbare Kopfstütze ist nicht nachvollziehbar. Die Maserati-Fans wird das kaum stören. Doch schließlich will man bei Mercedes, BMW, Jaguar und Aston Martin räubern - und hier sitzt man nawie vor deutlich besser.

405 PS unter der langen Haube

Der V8-Motor im Maserati GranTurismo
Der V8-Motor im Maserati GranTurismo © Foto: Maserati

Dafür kann man der Konkurrenz mit der Motorleistung einen Schreck versetzen. Trotz des vergleichsweise kleinen Achtzylinders, der aus der Scheinehe mit Ferrari entstammt, fühlt der Pilot mächtige Kraftausbrüche. 4,2 Liter Hubraum, 405 PS und etwas schlappe 460 Nm maximales Drehmoment sind in dieser Liga standesgemäß und wenig beeindruckend.

Doch das komfortbetonte und bisweilen müde schaltende Sechsgang-Automatikgetriebe von ZF ermöglicht einen Spurt 0 auf 100 km/h in grandiosen 5,2 Sekunden. Glücklicherweise lassen sich die Italiener den Spaß an der Freude nicht verderben und geben ihrem Beau in freier Wildbahn auch den gewünscht unabgeriegelten Lauf: 285 km/h. Dass man vergessen hat, Gewicht zu sparen und den Motor auf Verbrauch zu trimmen, merkt man erst beim Tankstopp. Maserati gibt bereits mutige 14,3 Liter Super auf 100 Kilometern an. Real dürfte es jedoch schwierig sein, deutlich unter der 20-Liter-Marke zu bleiben.

Der Maserati GranTurismo
Der Maserati GranTurismo © Foto: Maserati

Abwarten, was die nächsten Motorvarianten bringen. Der größere 4,7 Liter mit rund 470 PS aus dem Alfa Romeo 8c scheint für das nächste Jahr beschlossene Sache. Doch auch eine kleinere Version mit 3,9 Litern Hubraum und guten 300 PS ist denkbar. Der könnte auch mit einem deutlich günstigeren Preis angeboten werden. Denn 112.280 Euro sind trotz Komplettausausstattung mit elektrischen Ledersitzen, Bixenonscheinwerfern, 19-Zoll-Radsatz, ESP und adaptivem Dämpfersystem und einem nach wie vor mürrischen DVD-Navigationssystem eine üppige Dimension, die auf Höhe der Konkurrenz liegt. Doch echte Maserati-Fans werden sich bereits auf ein Stoffdach-Cabriolet freuen. Das könnte 2009 kommen.






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Maserati

Fünf Brüder gründeten 1914 die Marke mit dem Dreizack, der eine Hommage an die Heimatstadt Bologna ist und im richtigen Leben den Neptunbrunnen der Stadt ziert. Bereits zur Gründung hatten sich die Brüder ausschließlich dem Rennsport verschrieben, die größten Erfolge kamen allerdings erst in den 50er Jahren. Der Argentinier Juan Manuel Fangio gewann 1957 auf einem Maserati sein fünftes Championat. Nachdem Citroen Ende der 60er Jahre 60 Prozent an dem italienischen Unternehmen hielt, übernahm Fiat 1993 das Kommando und gliederte vier Jahre später Maserati bei Ferrari ein. Seit 2005 ist Maserati aber wieder ein eigenständiges Unternehmen im Fiat-Konzern, arbeitet aber weiterhin eng mit Ferrari zusammen.



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