5. Juni 2012

Fahrbericht Ab 123.620 Euro Maserati GranTurismo: Schärfste Dreizack-Spitze

Der Maserati GranTurismo knackt erstmals die 300er-Marke
Der Maserati GranTurismo knackt erstmals die 300er-Marke © Maserati

Der modifizierte Maserati GranTurismo erfüllt die Klischees. Ein italienischer Schönling, der mit seinem herrlichen Klang nicht nur Frauen begeistert.




Von Benjamin Bessinger

Er ist die schärfste Spitze am Dreizack von Maserati: Allein im letzten Jahr hat die noble Fiat-Tochter 2700 GranTurismo verkauft, und seit der Premiere 2007 waren es rund 15.000. Damit das so bleibt, wird das große Coupé für den eiligen Genießer zum Sommer dezent überarbeitet. Ein sportlicheres Design, ein noch verführerischer Klang und etwas mehr Leistung für den Achtzylinder versprechen deshalb die Italiener, wenn im Juli zu Preisen ab 123.620 Euro der neue GranTurismo Sport in den Handel kommt.


Maserati GranTurismo liefert ohrenbetäubendes Spektakel

Von außen rückt der Zweitürer mit einer schärfer geschnittenen Frontschürze und dem stechenden Blick der neuen Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht näher an den bitterbösen MC Stradale. Und innen gibt es zum neuen Modelljahr vor allem neue Sitze mit integrierten Kopfstützen, die nicht nur besser aussehen, sondern auch noch zwei Zentimeter mehr Platz für die Hinterbänkler lassen.

Ohnehin kaum mehr als kleine Retuschen, verblassen all diese Änderungen allerdings spätestens dann, wenn man den Motor anlässt: Denn kaum zündet man den 4,7 Liter großen V8, beginnt ein ohrenbetäubendes Spektakel, das einem jeden Sinn fürs Sachliche raubt. Als wäre er der Star in einer großen italienischen Oper, spielt sich der jetzt 460 PS starke Achtzylinder mit seinen 520 Nm in jeder Tonlage in den Vordergrund: Er grummelt tief und verführerisch im Standgas, er grollt fordernd beim Beschleunigen, brüllt laut und wütend bei Vollgas und feuert beim Herunterschalten mit gezielten Zwischengas lustvolle Salven durch die dicken Endrohre.

Maserati GranTurismo knackt erstmals 300er-Marke

In 4,7 Sekunden ist der Maserati GranTurismo auf 100 km/h
In 4,7 Sekunden ist der Maserati GranTurismo auf 100 km/h © Maserati

So gut, wie der GranTurismo klingt, so fährt er auch. Obwohl er fast einen halben Meter länger und eine halbe Tonne schwerer ist als etwa der neue Porsche 911, jagt er mit eindrucksvoller Vehemenz durch die italienische Campagna. Mit 10 PS und 20 Nm mehr als bisher, schnellt der Zweitonner jetzt im besten Fall in 4,7 Sekunden auf Tempo 100 und knackt bei Vollgas zum ersten Mal die 300er-Marke. Die Sechsgang-Automatik oder die elektrohydraulische Handschaltung wechseln die Gänge jetzt noch schneller, die Bremsen haben mehr Biss und das Fahrwerk ist vor allem im Sportmodus noch straffer. Sonderlich komfortabel ist der GranTurismo dann zwar nicht mehr, doch schlägt er sich dafür dann auch in engen Kurven und bei schnellen Spurwechseln für seine Größe und sein Gewicht ganz beachtlich.

Natürlich ist der GranTurismo zum Niederknien schön, er hat eine unbändige Kraft, fährt rasend schnell und kommt trotz seines stattlichen Formats flott um die Kurven. Doch kann alle Begeisterung nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Wagen alles andere als perfekt ist: Ein paar Zentner weniger zum Beispiel wären nicht schlecht, ein neues Navigationssystem wäre dringend angeraten, und um das Lenkrad könnte man auch mal wieder aufräumen.

Hohe Ziele von Maserati

Maserati plant Modelloffensive
Maserati plant Modelloffensive © Maserati

Das wissen auch die Italiener, doch für viel mehr als die kleinen Retuschen hat es den Entwicklern diesmal nicht gereicht. Nicht, weil ihnen das Geld fehlt, sondern die Zeit. Denn Maserati steht vor der größten Modelloffensive in der Firmengeschichte und entwickelt gleichzeitig einen neuen Quattroporte, der schon zum Jahreswechsel in den Handel kommt, eine Sportlimousine im Format von BMW Fünfer oder Audi A7 für den Herbst 2013 und einen Geländewagen im Stil der IAA-Studie Kubang, der für 2014 versprochen ist. Statt zuletzt gut 6000 will Maserati damit ab 2015 bis zu 50.000 Autos im Jahr verkaufen und hat die Prioritäten in der Entwicklung deshalb ein wenig anders verteilt.






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Maserati

Fünf Brüder gründeten 1914 die Marke mit dem Dreizack, der eine Hommage an die Heimatstadt Bologna ist und im richtigen Leben den Neptunbrunnen der Stadt ziert. Bereits zur Gründung hatten sich die Brüder ausschließlich dem Rennsport verschrieben, die größten Erfolge kamen allerdings erst in den 50er Jahren. Der Argentinier Juan Manuel Fangio gewann 1957 auf einem Maserati sein fünftes Championat. Nachdem Citroen Ende der 60er Jahre 60 Prozent an dem italienischen Unternehmen hielt, übernahm Fiat 1993 das Kommando und gliederte vier Jahre später Maserati bei Ferrari ein. Seit 2005 ist Maserati aber wieder ein eigenständiges Unternehmen im Fiat-Konzern, arbeitet aber weiterhin eng mit Ferrari zusammen.



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